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Tafel-Chef griff in Tafel-Kasse: 73.000 Euro weg

Nation

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Jena (Thüringen) – Für kleines Geld holen sich Bedürftige bei der Tafel ihr Essen. Dass ausgerechnet dort Vereinsgelder verschwinden, damit hatte niemand gerechnet! Doch genau deshalb muss sich Wilfried S. (75) vor dem Amtsgericht verantworten: Dem ehemaligen Vorsitzenden der Jenaer Tafel wird vorgeworfen, 73.334 Euro vom Konto des Vereins abgezweigt zu haben.

Dabei galt der Rentner lange als Muster-Ehrenamtlicher. Erst war er Fahrer, später wurde er Vorsitzender der Tafel in Thüringen . Vor Gericht räumte er die Vorwürfe ein – und behauptete, Opfer einer Betrugsmasche geworden zu sein: „Ich verstehe selbst nicht mehr, wie ich darauf reinfallen konnte.“

So lief die Masche

Begonnen haben soll alles mit einer E‑Mail: „Als ich Vorsitzender wurde, war die Tafel massiv verschuldet. Ich suchte nach Möglichkeiten, Geld für den Verein zu beschaffen“, sagte S. Dann wurde ihm ein angeblicher Scheck über 195.500 US-Dollar angeboten. Um das Geld zu erhalten, sollte zunächst eine Provision von 10.000 Euro gezahlt werden. Weil er die Summe privat nicht hatte, griff er angeblich auf Vereinsgelder zurück: „Das Geld war ja nicht für mich, sondern sollte der Tafel zugutekommen.“ Der Scheck erwies sich später als wertlos. Die 10.000 Euro waren futsch.

Doch damit nicht genug. Kurz darauf erhielt S. angeblich Unterlagen zu einem vermeintlichen Testament. Eine Frau in Afrika soll ihm 750.000 Dollar hinterlassen haben. Um an das Geld zu gelangen, seien immer neue Gebühren fällig geworden. Über ein Jahr flossen 39 Überweisungen auf Auslandskonten. Am Ende fehlten der Tafel weitere 63.334 Euro.

Warum der Betrug nicht auffiel

Vor Gericht wurde deutlich, warum die Zahlungen so lange niemandem auffielen: Überweisungsträger seien von einem gutgläubigen Vorstandsmitglied teilweise blanko unterschrieben worden. Im Zeugenstand beschrieb ein Vorstand die damaligen Vereinsstrukturen als amateurhaft: „Eher wie in einem Kegelklub oder Karnickelzuchtverein.“

Der Fall vor Gericht

Wilfried S. beteuerte bis zuletzt, sich nie bereichert zu haben. Die Staatsanwaltschaft hielt dagegen: Hätte er mit anderen über die Vorgänge gesprochen, wäre es nie zum Betrug gekommen.

„Sie haben die Augen vor etwas verschlossen, was andere sofort erkannt hätten“, sagte Richter Frank Hovemann. Urteil : ein Jahr und neun Monate Haft auf Bewährung. Zudem muss er 73.334 Euro zurückzahlen.

Wie er die Summe bezahlen soll, ist offen. Der krebserkrankte Angeklagte lebt nach eigenen Angaben von rund 1000 Euro Rente, arbeitet im Minijob als Apothekenkurier. Wilfried S. zu BILD: „Ich habe nichts.“ Dabei könnten weitere Forderungen auf ihn zukommen: Intern schätzt die Tafel den Schaden inzwischen sogar auf 191.000 Euro.

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