Tagesgeld Vergleich: Die besten Zinsen im Überblick
Vier für vier – das ist die neue Formel fürs Tagesgeld. Die Chase Bank hat damit angefangen. Sie zahlt seit Juni vier Prozent Zins für vier Monate für Tagesgeld für bis zu 500.000 Euro. Danach sinkt der Zins auf zwei Prozent. Das Modell haben jetzt auch mehrere andere Banken kopiert, zuletzt vor wenigen Tagen die DKB, allerdings nur für höchstens 100.000 Euro und mit Wirkung von November an.
Diese Zinsen liegen weit über dem aktuellen Zinsniveau, das die Europäische Zentralbank (EZB) mit ihrem wichtigsten Leitzins von 2,50 Prozent vorgibt. Die Banken zahlen mehr, um neue Kunden zu gewinnen. Und sie haben die Zinsen in den vergangenen Monaten immer mehr angehoben, weil auch die EZB die Zinsen erhöht hat. Ihre Namen klingen häufig wenig vertraut. Sie sind manchmal Tochtergesellschaften bekannter Banken und unterliegen alle der Einlagensicherung, das Geld ist also im Insolvenzfall der Bank bis mindestens 100.000 Euro geschützt. Sie kommen alle aus der EU oder Liechtenstein und werden von der deutschen Finanzaufsicht oder der des Heimatlandes überwacht.
Dieser Text stammt aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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Vier für vier ist dabei noch nicht einmal das beste Angebot. Am meisten zahlt derzeit nach einer Auswertung des Finanzportals Biallo für die F.A.S. die Neobank Revolut mit 4,25 Prozent. Allerdings nur für höchstens 25.000 Euro. Und nach vier Monaten fällt der Zins auf nur noch 1,25 Prozent. Attraktiver ist die Crédit Agricole, die 4,10 Prozent für vier Monate bietet und danach immerhin 2,50 Prozent. Oder die Distingo Bank, die 3,95 Prozent für sechs Monate garantiert und danach noch 1,95 Prozent. Wer wenig von hohen Aktionszinsen für ein paar Monate hält und lieber auf dauerhaft überdurchschnittliche Zinsen setzt, bekommt derzeit bei Ferratum drei Prozent zeitlich unbegrenzt – aber natürlich wie immer bei Tagesgeld täglich änderbar. Derzeit sieht es jedoch eher nach steigenden Zinsen aus.
Ebenfalls hohe Basiszinsen bieten derzeit auch die Ascory Bank, Gefa und willbe. Sie lagen auch bei einem Langfristvergleich dieser Zeitung im Sommer unter den besten zehn Banken. Er ermittelte, welche Finanzinstitute in den vergangenen drei Jahren im Durchschnitt am meisten Zinsen zahlten. Es waren alles Banken, die derzeit nicht mit hohen Aktionszinsen für wenige Monate werben. Sie sind interessant für die Sparer, die nicht ständig nach Ende einer Aktion, wenn die Zinsen der jeweiligen Bank wieder fallen, das Konto wechseln wollen. Bei Festgeld gibt es derzeit etwas weniger als bei Tagesgeld, dafür aber für die ganze Laufzeit gesichert, je nach Länge zwischen 3,50 Prozent und 3,80 Prozent für ein bis fünf Jahre.
Doch neben dem Zinssatz gibt es weitere Kriterien, die für die Frage wichtig sind, bei welcher Bank ein Sparer sein Tages- oder Festgeldkonto eröffnet. Biallo hat sie für die F.A.S. analysiert. Das Portal hat sich dabei auf die Angebote konzentriert, die bei den Zinsen derzeit herausstechen.
Wichtig: Wie lange und bis zu welchem Betrag wird der Zins bezahlt?
Klar wurde bisher schon, dass neben dem Zinssatz mitentscheidend ist, wie lange und für welchen Maximalbetrag er bezahlt wird. Mehr als 100.000 Euro sollten die Sparer aber keiner Bank anvertrauen, weil nur bis zu dieser Summe die Einlagensicherung greift. Auch der Zeitpunkt der Zinszahlung entscheidet über die Rendite. „Bei Tagesgeld gilt: je häufiger, desto besser – wegen des Zinseszinseffektes“, sagt Rudolf Krux von Biallo, der die Berechnungen erstellt hat. Das heißt, wenn der Zins häufig ausgeschüttet wird, verzinst er sich auch rascher mit, und die Gesamtrendite steigt. Tägliche Zahlungen wie bei Revolut sind da am besten, aber selten. Jährliche Zahlungen sind am schlechtesten.
Beim Festgeld entscheidet die Art der Zinszahlung, ob es überhaupt einen Zinseszins gibt oder nicht. Fließen die Ausschüttungen jährlich auf ein Festgeld- oder Tagesgeldkonto, werden sie erneut verzinst, manchmal auch bei einem Verrechnungskonto, wenn dafür das Tagesgeldkonto angegeben wird. Werden sie auf ein Referenzkonto überwiesen, dann ist das in der Regel das unverzinste Girokonto. Am schlechtesten, vor allem bei langen Laufzeiten, sind sogenannte „endfällige“ Festgelder ohne Zinseszins, wo die Erträge erst zum Ende der Laufzeit bezahlt werden und dauerhaft unverzinst bleiben.
Finanziell relevant sind auch manche Mindestvoraussetzungen für die Eröffnung eines Tages- oder Festgeldkontos. Denn einige Banken verlangen eine Mindestanlagesumme, die Eröffnung eines Girokontos oder Depots oder den Kauf von Fonds. Werden dafür Gebühren verlangt, schmälert das die Rendite. Solche Angebote wurden daher aus dem Vergleich von Biallo ausgeschlossen. Sind sie kostenlos, wurden sie berücksichtigt, auch wenn sie für mehr Aufwand bei der Kontoeröffnung sorgen. Nicht berücksichtigt wurden auch Angebote, die ein Girokonto verlangen, bei dem sich der Dispo nicht abwählen lässt. Denn das erfordert eine Bonitätsprüfung und beeinflusst den Schufa-Score negativ, der bei der Vergabe von Krediten von den Banken abgefragt wird.
Wie funktionieren Kontoeröffnung und Authentifizierung?
Es gibt noch weitere Kriterien bei der Auswahl, die zwar keine finanziellen Folgen haben, aber den Komfort betreffen. So ermöglichen einige, aber längst nicht alle Banken die Einbindung des Tages- oder Festgeldkontos in Finanz-Apps über eine Schnittstelle, was die Anlageplanung erleichtert. Die Kontaktmöglichkeiten sind hingegen bei allen Banken ähnlich. Sie stehen – bis auf Revolut – telefonisch und per E-Mail für Rückfragen zur Verfügung, einige wenige zusätzlich noch über eine Chat-Funktion. „Die Hotline ist auf den Websites aber gerne mal etwas versteckt. Bei der Suche landet man oft erstmal im FAQ-Bereich zur Selbsthilfe. Ob man dann telefonisch jemanden erreicht, dürfte stark von der Bank, aber auch von der Tageszeit und der Saison abhängen“, erläutert Rudolf Krux von Biallo. „Bei unseren nicht-repräsentativen Testanrufen hingen wir aber nirgendwo länger in einer Warteschleife.“ Filialen haben die Banken mit den besten Zinskonditionen alle nicht.
Das ist auch für die Kontoeröffnung wichtig. Sie kann bei den guten Angeboten ausnahmslos nur online, bei Revolut, Chase, willbe und Yapi sogar nur per App erfolgen. Wer also offline oder ohne Smartphone lebt, kann sie nicht in Anspruch nehmen. Die Opel Direktbank macht es noch etwas altmodisch. Hier müssen die Kontounterlagen von der Website ausgedruckt, ausgefüllt und zur Post gebracht werden.
Nach der Beantragung muss der Kunde dann seine Identität bestätigen. Früher ging das, indem er sich bei einer Postfiliale auswies. Dieses etwas zeitaufwendige Postident-Verfahren bieten noch einige Banken an. Zeitsparender und mittlerweile Standard ist der Videochat mit einem Service-Unternehmen (Videoident). Es genügt auch zunehmend nur ein Foto von sich und dem Ausweis. Die Online-Ausweisfunktion (eID) hat sich noch nicht flächendeckend durchgesetzt, was sich aber im kommenden Jahr ändern könnte. Chase bietet sie jetzt schon an. Beim Festgeld müssen Sparer auch am Laufzeitende aufpassen. Kündigen sie nicht, verlängern einige Banken wie Crédit Agricole, Ascory Bank, Hoist Spar oder die SWK Bank das Festgeld automatisch um bis zu ein Jahr – meist nicht zum bestmöglichen Zins. Andere Banken zahlen das Geld automatisch aus, etwa Yapi, willbe, Opel Direktbank, BBVA und Bank of Scotland.
Sparkassen und Volksbanken sind unattraktiv
Und was bieten eigentlich die Sparkassen, Volksbanken und Filialbanken? Sie sind in der Regel nicht attraktiv. Sie zahlen mit wenigen Ausnahmen geringere Zinsen und verlangen meist ein – kostenpflichtiges – Girokonto. Dafür ist ein Abschluss in der Filiale möglich. „Ein Onlineabschluss ist teilweise möglich, wird aber kaum beworben oder überhaupt erwähnt“, hat Rudolf Krux herausgefunden.