Tanken: Wie lange noch hohe Benzinpreise? Wann Experten mit Entspannung rechnen
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Der bange Blick auf die Preistafel der Tankstelle gehört für viele zum täglichen Ritual. Aber die Preise für Öl, Benzin und Diesel bleiben bis auf Weiteres hoch, prognostizieren Experten. Daran ändert auch der von Bund und Ländern beschlossene Tankrabatt sowie der Spritpreisdeckel nicht allzu viel. Warum ist das so? Und ab wann können wir mit einem Silberstreif am Horizont rechnen? Die Antworten auf die wichtigsten Fragen.
Wie wirkt sich die Blockade der Straße von Hormus aus?
Der Iran-Krieg hat zu einer drastischen Verknappung des weltweiten Ölangebots geführt. Nach Beginn der amerikanisch-israelischen Luftschläge hat die Islamische Republik die Straße von Hormus weitgehend geschlossen. Die USA blockierten daraufhin die iranischen Häfen. Die Rohstoffbastion Naher Osten war plötzlich isoliert. Vor dem Krieg wurden rund 20 Prozent des weltweiten Handels mit Öl und Flüssiggas (LNG) durch die strategisch wichtige Meerenge transportiert.
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Im August flossen nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) im Schnitt nur noch rund acht Prozent des global gehandelten Öls durch die Straße von Hormus. Dies sind knapp zwei Drittel weniger als vor dem Krieg. Mittlerweile hat der Verkehr dank eines durch das US-Militär gesicherten Schiffskorridors wieder zugenommen. Zusätzlich gibt es eine Dunkelziffer.
„Ein Teil des Öls der Golfstaaten kann offensichtlich durch graue Transporte die Straße von Hormus passieren“, sagte Klaus-Jürgen Gern vom Kiel Institut für Weltwirtschaft unserer Redaktion. Das iranische Regime wird jedoch alles daransetzen, um den Machthebel der Straße von Hormus nicht aus der Hand zu geben. Die Kontrolle der Meerenge sei wichtiger als „Dutzende von Atombomben“, drohte der kürzlich ernannte Chef des Obersten Nationalen Sicherheitsrats, Mohsen Rezaei.
Da die globale Nachfrage nach Öl derzeit deutlich höher ist als das Angebot, steigen die Preise. Diese entstehen an internationalen Warenterminbörsen durch das tägliche Wechselspiel von Angebot und Nachfrage. Die Preise für die Rohölreferenzsorten Brent (für Europa) und WTI (für die USA) sind weltweit gleich, variieren aber regional aufgrund von Transportkosten, Zöllen oder Steuern. Obwohl Deutschland nur etwa sechs Prozent seines Rohölbedarfs aus dem Nahen Osten bezieht, gelten die an den Börsen ermittelten Preise.
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Warum betrifft uns der Konflikt zwischen den Huthi und Saudi-Arabien?
Auch die zweite wichtige Ölroute im Nahen Osten, die Meerenge Bab al-Mandab an der Südspitze des Roten Meeres, ist derzeit stark eingeschränkt. Auslöser sind die mit Iran verbündeten Huthi, die der Exportfähigkeit der Ölgroßmacht Saudi-Arabien einen schweren Schlag versetzt haben. Die Milizen eroberten weite Teile von Jemens Küste am Roten Meer und attackierten Tanker und Ölraffinerien des Königreiches. Ursache der derzeitigen Spannungen am Roten Meer ist der Konflikt zwischen dem sunnitischen Wüstenstaat Saudi-Arabien und den schiitischen Huthi.
Saudi-Arabien hatte zunächst versucht, die Straße von Hormus durch eine Alternativroute zu umgehen: Die Regierung in Riad pumpte fünf bis sieben Barrel Öl pro Tag durch die Ost-West-Pipeline zum Hafen Yanbu am Roten Meer. Doch die Ölleitung wurde durch einen Drohnenangriff aus Irak – mutmaßlich von einer durch Iran unterstützten schiitischen Miliz – beschädigt und vorsorglich abgeschaltet. Dadurch gingen die saudischen Ölausfuhren stark zurück. Der Ausfall im Nahen Osten ist gravierend. „Schätzungsweise wurden vor dem Iran-Krieg täglich rund zehn Millionen Barrel mehr durch die Straßen von Hormus und Bab al-Mandab exportiert als heute. Dies entspricht etwa zehn Prozent der weltweiten Ölproduktion“, betont Rohstoff-Experte Klaus-Jürgen Gern.
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Wie stehen die Chancen, dass der Ölpreis in absehbarer Zeit wieder sinkt?
Fachleute sehen keinen schnellen Ausweg aus der Energiepreisfalle durch den Iran-Krieg. „Der Ölpreis wird sehr wahrscheinlich zumindest bis Anfang kommenden Jahres hoch bleiben“, sagte Samina Sultan vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln unserer Redaktion. Hinzu kommt, dass andere Länder die Lieferlücke aus dem Nahen Osten nicht wettmachen können. „Außerhalb der Arabischen Halbinsel kann die Förderung pro Jahr nur unter größten Anstrengungen um kaum mehr als zwei Millionen Barrel Öl täglich gesteigert werden, da Investitionen in neue Förderanlagen in der Regel einen langen Vorlauf brauchen“, unterstreicht der Konjunktur-Analyst Klaus-Jürgen Gern. „Die USA, Kanada, Brasilien oder Guayana sowie zentralasiatische Länder haben zwar Projekte auf den Weg gebracht. Diese können aber nicht kurzfristig den Rückgang des Angebots aus dem Golf um rund zehn Millionen Barrel pro Tag ausgleichen.“