Tankrabatt kommt nur teils an, Dieselpreis droht zu steigen
Spritpreise
Tankrabatt kommt nicht vollständig an – Diesel könnte noch teurer werden
Stand: 15.10.2026 23:01 Uhr
Zwei Wochen nach Einführung des Tankrabatts kommt die Steuersenkung laut Wirtschaftsforschern nicht vollständig bei Autofahrern an. Das Bundeskartellamt bestätigt entsprechende Hinweise, warnt aber vor voreiliger Bewertung. Zugleich könnte Diesel wegen einer anhaltenden Verknappung noch teurer werden.
von MDR AKTUELL
Nach Berechnungen von Wirtschaftsforschungsinstituten kommt der Tankrabatt nicht vollständig bei den Verbrauchern an.
Auch das Bundeskartellamt sieht Hinweise auf eine unvollständige Weitergabe des Tankrabatts.
Die IEA warnt vor einer Diesel-Knappheit bis 2027 und will strategische Ölreserven schneller freigeben.
Der neue Tankrabatt kommt offenbar nicht vollständig bei den Autofahrerinnen und Autofahrern an. Zwei Wochen nach seiner Einführung zeigen Berechnungen mehrerer Wirtschaftsforschungsinstitute, dass ein Teil der Steuersenkung nicht an die Verbraucher weitergegeben wird.
Gleichzeitig drohen weitere Preissteigerungen: Die Internationale Energieagentur (IEA) warnt vor einer anhaltenden Verknappung von Diesel bis weit ins Jahr 2027.
DIW: Nur Zwei Drittel des Tankrabatts weitergegeben
Der Tankrabatt war am 1. Oktober in Kraft getreten und senkt die Kraftstoffsteuer bis Ende Dezember um 16,7 Cent pro Liter. Nach Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) sind davon bislang nur etwa zwei Drittel bei den Verbrauchern angekommen. Die Spritpreise seien in Deutschland durchschnittlich nur um zehn bis elf Cent gesunken.
Seit dem 8. Oktober liege die Entlastung sogar nur noch bei rund neun Cent, erklärte DIW-Wettbewerbsexperte Tomaso Duso. Allerdings hänge das Ergebnis auch vom gewählten Vergleichszeitraum ab.
Auch das Münchner Ifo-Institut kommt zu dem Ergebnis, dass die Steuersenkung nicht vollständig weitergegeben wird, kommt aber auf etwas höhere Weitergaben: Zwischen dem 7. und 13. Oktober lag die Entlastung demnach bei Super E10 bei 13 Cent, bei Super E5 bei 14,7 Cent und bei Diesel bei 13,5 Cent. Damit bleibt auch nach diesen Berechnungen eine Lücke zur Steuersenkung von 16,7 Cent pro Liter.
Bundeskartellamt warnt vor vorschneller Bewertung
Das Bundeskartellamt sieht ebenfalls Hinweise darauf, dass die Steuersenkung nicht vollständig bei den Autofahrern ankommt. "Auch unsere Zahlen, die wir haben, sprechen im Moment dafür, dass die Steuersenkung nicht ganz vollständig weitergegeben wird", erklärte Behördenpräsident Andreas Mundt im Gespräch mit MDR AKTUELL.
Mundt warnt allerdings davor, bereits jetzt konkrete Zahlen zur Weitergabe zu nennen. Aufgrund der bislang dünnen Datenlage könne das Bundeskartellamt noch keine konkreten Angaben dazu machen, zu welchem Prozentsatz die Steuersenkung an die Verbraucher weitergegeben worden sei, erklärte Mundt. Die Entwicklung müsse über einen längeren Zeitraum beobachtet werden. Zudem erschwerten schwankende Rohölpreise die Berechnungen.
Auch die rechtlichen Hürden für ein Eingreifen seien hoch. "Kartellrecht erlaubt weder den schnellen Eingriff, noch erlaubt Kartellrecht einen flächendeckenden Eingriff", sagte Mundt. So müsse die Behörde unter anderem nachweisen, dass eine Raffinerie gegenüber bestimmten Tankstellen marktbeherrschend sei.
Mineralölbranche widerspricht Kritik
Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie widerspricht der Kritik an der Weitergabe des Tankrabatts. Die Mitgliedsunternehmen, die Markentankstellen, gäben die Steuersenkung vollständig weiter, erklärte ein Sprecher. Dass die Spritpreise trotzdem nicht entsprechend gesunken seien, liege unter anderem an gestiegenen Weltmarktpreisen. So habe sich Super E10 auf dem internationalen Markt seit Ende September um rund fünf Cent pro Liter verteuert.
Im europäischen Vergleich bleiben die Kraftstoffpreise in Deutschland hoch: Nach Daten der EU-Kommission ist Super E10 hierzulande am viertteuersten, Diesel am sechstteuersten.
IEA warnt vor Dieselknappheit bis 2027
Vor allem beim Diesel könnte sich die Lage weiter verschärfen. Die Internationale Energieagentur warnt in ihrem aktuellen Ölmarktbericht vor einer anhaltenden Verknappung des weltweiten Angebots bis weit ins Jahr 2027. Grund seien vor allem kriegsbedingte Lieferausfälle im Nahen Osten sowie rückläufige Exporte aus Russland und Teilen Asiens. Mehrere Raffinerien seien beschädigt oder außer Betrieb, zudem erschwerten Angriffe und Sicherheitsrisiken den Transport durch wichtige Meerengen wie die Straße von Hormus.
Gleichzeitig seien die Lagerbestände bereits vor Beginn der Heizsaison ungewöhnlich niedrig. Da die Nachfrage trotz hoher Preise kaum zurückgehe, könnten die Dieselpreise in wichtigen Importmärkten wie Europa in den kommenden Wochen erneut steigen. Mit einer akuten Mangellage rechnen Energieexperten kurzfristig allerdings nicht.
Um die angespannte Versorgungslage zu entschärfen, will die IEA die Freigabe strategischer Ölreserven beschleunigen. Dabei soll Diesel Vorrang erhalten. Nach Angaben der Energieagentur sollen noch rund 100 Millionen Barrel Öl auf den Markt kommen, darunter 20 Millionen Barrel Diesel.
MDR/AFP/dpa (jst)