Tankrabatt: Ökonom Ragnitz kritisiert Entlastung
Spritpreise
Ökonom Ragnitz kritisiert Tankrabatt als sozial ungerecht
Stand: 29.09.2026 07:23 Uhr
Der neue Tankrabatt tritt am Donnerstag in Kraft. Die Energiesteuer auf Benzin und Diesel sinkt um 17 Cent je Liter. Ökonom Joachim Ragnitz kritisiert die Entlastung als sozial unausgewogen und fordert gezieltere Hilfen.
von MDR AKTUELL
Ökonom Joachim Ragnitz kritisiert den Tankrabatt als sozial unausgewogen und fordert gezieltere Hilfen für Menschen.
Laut einer Studie müssen Arbeitnehmer durchschnittlich rund fünf Minuten für einen Liter Kraftstoff arbeiten.
Der neue Tankrabatt tritt am 1. Oktober in Kraft – auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat das Gesetz unterzeichnet.
In dieser Woche tritt der neue Tankrabatt in Kraft – die Kritik an der Entlastung reißt jedoch nicht ab. Der Ökonom Joachim Ragnitz vom Dresdner Ifo-Institut hält die Maßnahme für sozial unausgewogen. Menschen mit niedrigen Einkommen, die auf das Auto angewiesen seien, würden nicht gezielt genug entlastet, sagte Ragnitz MDR AKTUELL.
Ragnitz fordert gezieltere Entlastung
Der Tankrabatt begünstige alle Autofahrer in gleicher Weise, unabhängig davon, wie stark sie durch die hohen Kraftstoffpreise belastet seien, kritisierte Ragnitz. Damit profitierten auch Menschen mit hohen Einkommen, die sich die gestiegenen Preise leisten könnten. "Da fehlt für meine Begriffe die soziale Ausgewogenheit", so Ragnitz.
Da fehlt für meine Begriffe die soziale Ausgewogenheit. Joachim Ragnitz, Ifo-Institut
Sinnvoller wäre es aus seiner Sicht, gezielt etwa Menschen mit geringem Einkommen, Pendler, Vielfahrer oder Menschen auf dem Land zu unterstützen, die auf das Auto angewiesen seien.
Auch die insgesamt gestiegenen Lebenshaltungskosten müssten dabei berücksichtigt werden.
Fünf Minuten Arbeit für einen Liter Sprit
Eine Studie des ifo-Instituts aus dem Mai zeigt, dass ein durchschnittlicher Arbeitnehmer im April für einen Liter Kraftstoff etwa fünf Minuten arbeiten musste. Im langfristigen Vergleich sei das keine außergewöhnlich hohe Belastung: In den vergangenen 35 Jahren habe die nötige Arbeitszeit meist zwischen drei und sechs Minuten gelegen.
Grund dafür seien unter anderem die gestiegenen Löhne, die höhere Kraftstoffpreise teilweise ausgeglichen hätten. Zwar sind die Kraftstoffpreise nach Angaben des Instituts deutlich gestiegen, zugleich haben sich aber auch die Einkommen erhöht. Deshalb müssten Arbeitnehmer für einen Liter Benzin derzeit meist weniger lange arbeiten als in den Jahren 2006 bis 2013. Für Haushalte mit niedrigem Einkommen und hoher Fahrleistung seien die gestiegenen Spritpreise dennoch eine stärkere Belastung.
Steuersenkung gilt drei Monate
Der neue Tankrabatt tritt am Donnerstag, dem 1. Oktober, in Kraft und gilt bis Ende Dezember. Die Bundesregierung senkt dafür die Energiesteuer auf Benzin und Diesel um 14 Cent je Liter. Einschließlich Mehrwertsteuer ergibt sich eine Entlastung von knapp 17 Cent pro Liter.
Die Maßnahme war als Reaktion auf die hohen Spritpreise beschlossen worden. Bundestag und Bundesrat hatten dem Gesetz zugestimmt, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat es am Montag unterzeichnet. Bereits im Mai und Juni waren die Steuern auf Kraftstoffe um rund 17 Cent je Liter gesenkt worden.
MDR/dpa (jst)