DAX -0,56 % 25.983,04 Pkt 18:00:00 MDAX -0,39 % 31.715,53 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 -0,35 % 6.422,06 Pkt 18:00:00 Dow Jones -1,08 % 52.769,52 Pkt 21:58:16 S&P 500 -0,66 % 7.641,07 Pkt 21:58:13 Nasdaq -0,88 % 26.059,49 Pkt 21:58:16 Nikkei +1,36 % 66.216,79 Pkt 08:45:03 Gold +2,06 % 4.582,10 USD 21:48:04 Silber +3,71 % 68,18 USD 21:47:50 Brent +2,11 % 93,55 USD 21:48:05 WTI +0,93 % 86,63 USD 21:48:11 Bitcoin +4,86 % 72.629,61 USD 21:58:08 EUR/USD +0,88 % 1,16810 USD 21:57:53 EUR/GBP +0,19 % 0,85680 GBP 21:58:17 EUR/CHF -0,57 % 0,93480 CHF 21:58:16 EUR/JPY +0,61 % 185,818 JPY 21:58:17

Tankrabatt war ein Milliarden-Flop - und hat die Falschen begünstigt

Technologie

Der Tankrabatt war ein teures Kriseninstrument mit begrenzter Wirkung. Er hat den Menschen an der Zapfsäule zwar kurzfristig etwas Luft verschafft. Sein grundlegendes Problem lag jedoch woanders. Er entlastete vor allem diejenigen, die besonders viel Kraftstoff verbrauchten, und subventionierte den Verbrauch fossiler Energien. Rund 1,6 Milliarden Euro kostete die Maßnahme. Sozial treffsicher und wirtschaftlich effizient war sie nicht. Die Debatte ist aktueller denn je. Die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten, Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine und die zunehmenden Unsicherheiten auf den internationalen Energiemärkten zeigen, dass neue Energiepreisschocks jederzeit möglich sind. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob sie kommen, sondern wie wir künftig darauf reagieren. Claudia Kemfert ist Professorin für Energieökonomie am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung und der Leuphana-Universität in Lüneburg. Sie ist Teil unseres Expertennetzwerks EXPERTS Circle. Tankrabatt und Krisenresistenz Die wichtigste Lehre aus den vergangenen Krisen ist einfach. Wir sollten nicht die Symptome bekämpfen, sondern die Ursachen. Solange Deutschland in hohem Maße von importiertem Öl und Gas abhängig ist, bleiben wir verwundbar. Fossile Energien sind Krisenenergien. Ihre Preise entstehen nicht auf einem stabilen Markt, sondern werden von geopolitischen Konflikten, Kartellen, Lieferketten und Spekulation beeinflusst. Diese Risiken lassen sich nicht mit einem Tankrabatt beseitigen. ANZEIGE ANZEIGE Wenn Energiepreise stark steigen, braucht es selbstverständlich staatliche Unterstützung. Aber sie muss dort ankommen, wo sie wirklich benötigt wird. Haushalte mit niedrigen und mittleren Einkommen tragen steigende Energiekosten oft besonders schwer. Sie gezielt zu entlasten, etwa über ein Klimageld oder direkte Zuschüsse zu Heiz- und Mobilitätskosten, ist gerechter und wirksamer als pauschale Steuersenkungen. Der Staat sollte knappe Mittel dort einsetzen, wo sie den größten gesellschaftlichen Nutzen entfalten. Energiewende entlastet langfristig Ebenso wichtig ist, dass Krisenhilfen die richtigen Anreize setzen. Jede staatliche Maßnahme sollte dazu beitragen, Energie effizienter zu nutzen und den Verbrauch fossiler Energien zu senken. Denn die günstigste Energie ist die, die gar nicht erst verbraucht wird. Investitionen in die energetische Sanierung von Gebäuden, moderne Heizsysteme oder energieeffiziente Produktionsprozesse entlasten nicht nur kurzfristig, sondern dauerhaft. Die eigentliche Antwort auf hohe Energiepreise liegt jedoch im Umbau unseres Energiesystems. Erneuerbare Energien sind heute nicht nur klimapolitisch sinnvoll, sondern auch ökonomisch die beste Absicherung gegen künftige Krisen. Wind und Sonne schicken keine Rechnung. Sie können weder durch militärische Konflikte noch durch Embargos oder geopolitische Machtspiele verteuert werden. Mit jeder zusätzlichen Kilowattstunde aus Wind- und Solarenergie sinkt die Abhängigkeit von fossilen Importen. Speicher, intelligente Stromnetze und flexible Verbraucher machen dieses System zunehmend resilient und kostengünstig. Öffentlicher Verkehr als Lösung Auch der Verkehrssektor zeigt, wie wichtig langfristige Lösungen sind. Statt Milliarden in verbilligten Kraftstoff zu binden, sollte Deutschland endlich konsequent in Bus und Bahn investieren. Die Schieneninfrastruktur ist vielerorts überlastet, der öffentliche Nahverkehr leidet unter chronischer Unterfinanzierung. Ein leistungsfähiger öffentlicher Verkehr bietet den Menschen eine echte Alternative zum Auto und macht sie unabhängiger von schwankenden Ölpreisen. Gleichzeitig müssen Elektromobilität, Ladeinfrastruktur und Radverkehr weiter ausgebaut werden. Jeder vermiedene Liter Benzin oder Diesel erhöht unsere wirtschaftliche Resilienz. „Unternehmen brauchen Planungssicherheit“ Auch Unternehmen brauchen keine kurzfristigen Subventionen für fossile Energien. Sie brauchen Planungssicherheit. Wer heute in Energieeffizienz, Elektrifizierung, erneuerbare Energien oder Speicher investiert, senkt dauerhaft seine Energiekosten und stärkt seine Wettbewerbsfähigkeit. Genau dort sollte die Wirtschaftspolitik ansetzen. Der nächste Energiepreisschock wird kommen. Die Frage ist, ob wir wieder Milliarden ausgeben, um kurzfristig fossilen Verbrauch zu verbilligen, oder ob wir die Gelegenheit nutzen, unsere Wirtschaft widerstandsfähiger zu machen. Dauerhaft bezahlbare Energie entsteht nicht durch Subventionen für Öl und Gas. Sie entsteht durch erneuerbare Energien, Effizienz, moderne Infrastruktur und gezielte soziale Unterstützung.

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