„Tatort“-Tradition kippt heute am Freitag: ARD kündigt Programm-Revolution an
An diesem Sonntag beginnt die neue „Tatort“-Saison in der ARD, eingefleischte Krimi-Fans dürften die dann ausgestrahlte Episode aber bereits kennen. Klingt komisch, ist aber ab sofort Realität.
Der „Tatort“ ist neben König Fußball die letzte große Quoten-Bastion im deutschen Fernsehen und die einzige fiktive Spielfilmreihe, die regelmäßig über 10 Millionen Menschen vor die Fernseher lockt.
Einer der Erfolgsfaktoren ist zweifelsohne der immer gleiche Sendeplatz am Sonntagabend. Für viele ist es zum Ritual geworden, nach der „Tagesschau“ das Wochenende bei einer Mordermittlung ausklingen zu lassen, weshalb an dieser Tradition auch nicht gerüttelt wird.
Und dennoch erwartet uns ab Freitag, dem 11. September 2026 ein überraschendes Novum. Bereits zwei Tage vor der TV-Premiere wird ab jetzt jeder neue „Tatort“ in der ARD Mediathek im Stream zur Verfügung stehen. Den Anfang macht die Hannoveraner Episode „König in Gelb“ mit Maria Furtwängler.
Die Verantwortlichen hinter den Kulissen reagieren damit auf die veränderten Sehgewohnheiten ihres jüngeren Publikums. Mittlerweile machen die Aufrufe in der Mediathek etwa 10 Prozent der Gesamtzahlen aus, sodass all denjenigen, die den „Tatort“ schon jetzt nicht mehr im linearen TV schauen, ein zusätzlicher Anreiz geboten werden soll, um die Mediathek zu besuchen, wie die ARD selbst berichtet.
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Mediathek wird gestärkt: Was bedeutet das für die TV-Quoten
Im Gegensatz zu manch anderem TV-Krimi im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, kann der „Tatort“ nach wie vor beim jungen Publikum hohe Reichweiten verzeichnen. Auch wenn zehn Prozent der Gesamtzahlen sowieso schon in der Mediathek generiert werden, dürfte die Zahl in den kommenden Wochen und Monaten steigen.
Eingefleischte „Tatort“-Fans brauchen nun nicht mehr bis zur TV-Premiere zu warten, einige von ihnen werden die neu gewonnene Freiheit sicher nutzen und die Krims zu einem Zeitpunkt ihrer Wahl streamen und auf die Ausstrahlung am Sonntagabend verzichten.
Daher ist es durchaus möglich, dass der Münsteraner „Tatort: Fangschuss“, der 2017 mit 14,56 Millionen erreichten Menschen die stärkste Quote seit der Jahrtausendwende erzielte, einen Rekord für die Ewigkeit ausgestellt hat, der in unserer veränderten Medienlandschaft nicht mehr zu erreichen sein wird.
Andererseits ist der Event-Charakter, der eine „Tatort“-Sichtung immer noch für viele Fans darstellt, nicht zu unterschätzen. Wer den Sonntags-Krimi beim Public Viewing, in einer Kneipe oder generell am liebsten in Gesellschaft schaut, dürfte bei der klassischen TV-Premiere am Sonntag bleiben. Die Entwicklung der Quoten in der nächsten Zeit zu beobachten, wird jedenfalls eine spannende Angelegenheit.