Telekom: Mutmaßliche SMS von Höttges könnte Milliarden kosten - Konzern schweigt
San Francisco, Wilmington. London, 9. Januar 2025, 9.30 Uhr. In den Büros der Kanzlei Cravath, Ropemaker Street 1, beginnt eine Vernehmung, von der die deutsche Öffentlichkeit bis heute nichts erfahren hat. Zwei Tage lang sagt Timotheus Höttges, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom, unter Eid aus. Eine Kamera zeichnet alles auf. Es geht um den größten Deal seiner Amtszeit. Und um eine SMS mit drei Ausrufezeichen.
„We give them nothing!!!“, soll Höttges am 16. Mai 2020 an seinen Vertrauten Thorsten Langheim, heute USA-Vorstand des Konzerns, geschrieben haben. „Wir geben denen nichts!!!“ Gemeint waren die Minderheitsaktionäre von T-Mobile US, der wichtigsten Tochtergesellschaft der Telekom, an der sie heute mehr als die Hälfte der Anteile hält.
Im Frühjahr des Jahres 2020 wurde T-Mobile mit dem kleineren Konkurrenten Sprint verschmolzen, den damals das japanische Tech-Konglomerat Softbank kontrollierte. Der Deal verschob die Machtverhältnisse auf dem US-Mobilfunkmarkt fundamental – und sicherte beiden Seiten üppige Gewinne.
Sechs Jahre später ist diese Nachricht zentrales Beweisstück in einem Prozess, der die Telekom Milliarden kosten könnte. Hinzu kommen Vorwürfe gegen prominente Softbank-Manager, die mit Konzerngeld mutmaßlich Insidergeschäfte tätigten.
Das Handelsblatt hat die Hintergründe recherchiert, eine Telefonkonferenz des Gerichts verfolgt und Dutzende Akten ausgewertet, darunter interne Unterlagen und mehrere SMS der Beteiligten. Die Details lassen eine der wichtigsten Fusionen der Telekommunikationsbranche in neuem Licht erscheinen.