Telekomkonzern BT winkt unerwarteter Gewinn in Höhe von etwa 2 Milliarden Pfund aus dem Verkauf von Altkupfer inmitten des KI-Booms
Der britische Telekomkonzern BT könnte mit dem Verkauf alter Kupferkabel in den kommenden zehn Jahren mehr als zwei Milliarden Pfund verdienen. Das berichtet der britische „Guardian“. Hintergrund sind die stark gestiegenen Kupferpreise – unter anderem wegen der wachsenden Nachfrage durch Künstliche Intelligenz, Rechenzentren und den Ausbau erneuerbarer Energien.
Das Wichtigste in Kürze
Milliardenwert: Der britische Telekomkonzern BT könnte mit dem Verkauf alter Kupferkabel mehr als 2 Milliarden Pfund einnehmen.
Kupfer-Boom: Der Preis für das Metall hat zuletzt Rekordstände erreicht. Der Bedarf steigt unter anderem durch KI-Rechenzentren und die Energiewende.
Große Mengen: BT hat im vergangenen Geschäftsjahr 9147 Tonnen Kupfer aus seinem alten Netz zurückgewonnen.
Noch mehr möglich: Die Tochtergesellschaft von BT, Openreach, erwartet, insgesamt bis zu 200.000 Tonnen Kupfer aus dem alten Netz gewinnen zu können.
BT baut sein altes Kupfernetz derzeit ab und stellt über die Tochtergesellschaft Openreach auf ein flächendeckendes Glasfasernetz um. Dabei werden große Mengen des alten Kabelmaterials frei – und das ist jetzt viel wert.
Kupferpreis auf Rekordniveau
Kupfer hat in den vergangenen Jahren stark an Wert gewonnen. Ende August erreichte der Preis laut mit 14.294 Dollar je Tonne den höchsten Schlussstand aller Zeiten. Anfang des Jahres war der Preis zeitweise sogar auf 14.500 Dollar je Tonne gestiegen.
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Kupfer wird für immer mehr Anwendungen benötigt: Es steckt in Stromleitungen, Elektroanlagen, Rechenzentren und Windkraftanlagen. Besonders der massive Ausbau von KI-Rechenzentren erhöht den Bedarf.
Gleichzeitig droht eine weltweite Versorgungslücke. Die Ratingagentur S&P Global erwartet, dass die globale Kupfernachfrage von derzeit rund 25 Millionen Tonnen auf etwa 50 Millionen Tonnen im Jahr 2035 steigt.
BT holt immer mehr Kupfer aus dem Netz
Im vergangenen Geschäftsjahr bis Ende März holte BT knapp 10.000 Tonnen Kupfer aus seinem Netz zurück. Das waren 63 Prozent mehr als im Vorjahr und fast dreimal so viel wie im Geschäftsjahr 2024. Seit Beginn des Programms im Jahr 2023 hat BT insgesamt 22.347 Tonnen Kupfer aus den alten Kabeln zurückgewonnen.
Dabei arbeitet der Konzern mit dem britischen Recyclingunternehmen EMR zusammen. Für weitere Mengen hat BT bereits eine Vorauszahlung von 99 Millionen Pfund erhalten. 2024 waren bereits 105 Millionen Pfund geflossen.
Openreach geht davon aus, bis in die 2030er-Jahre insgesamt bis zu 200.000 Tonnen Kupfer aus dem alten Netz zurückgewinnen zu können.
Wert könnte auf mehr als zwei Milliarden Pfund steigen
Noch vor zwei Jahren wurde der mögliche Wert dieser Kupfermenge auf rund 1,5 Milliarden Pfund geschätzt. Bei den heutigen Preisen könnte das Material jedoch mehr als zwei Milliarden Pfund wert sein.
Für BT kommt dabei ein entscheidender Vorteil hinzu: Die Verträge mit dem Recycler decken nicht zwangsläufig sämtliche Einnahmen ab. Einen Teil des zurückgewonnenen Kupfers kann das Unternehmen auch auf dem freien Markt verkaufen.
„Kupfer ist zu einem der strategisch wichtigsten Materialien der modernen Wirtschaft geworden“, sagte Abby Chicken, Nachhaltigkeitschefin von Openreach.
Wertvolles Metall lockt Diebe an
Der Boom hat allerdings auch eine Kehrseite. Weil Kupfer inzwischen so wertvoll ist, werden die Kabel zunehmend Diebesgut. In Großbritannien wurden in den vergangenen Jahren Kupferkabel aus Telefonnetzen, Eisenbahnstrecken und sogar Windparks gestohlen. Allein im englischen St Neots schlugen Kriminelle innerhalb eines Monats zweimal zu und beschädigten dabei fast 1,6 Kilometer unterirdisch verlegte Kabel.
Openreach setzt deshalb unter anderem auf einen synthetischen DNA- und UV-Marker. Die Substanz lässt sich auf Hände und Kleidung übertragen und soll der Polizei dabei helfen, gestohlenes Kupfer den Tätern zuzuordnen. Doch das Problem bleibt: Bereits unterirdisch verlegte Kabel können mit der neuen Technologie nicht nachträglich markiert werden.
Kupfer bleibt ein Zukunftsmarkt für Anleger
Kupfer gilt als einer der wichtigsten Rohstoffe für die Elektrifizierung der Wirtschaft. Das Metall wird unter anderem für Stromnetze, Elektroautos, Windkraftanlagen, Solaranlagen und Rechenzentren benötigt. Auch der Ausbau von KI-Infrastruktur treibt die Nachfrage. Die Internationale Energieagentur (IEA) erwartet, dass die weltweite Kupfernachfrage bis 2040 im Szenario der bereits beschlossenen politischen Maßnahmen um rund 30 Prozent gegenüber heute steigt.
Auch S&P Global prognostiziert einen Anstieg der Kupfernachfrage von 28 Millionen Tonnen 2025 auf 42 Millionen Tonnen 2040. Ohne einen deutlichen Ausbau der Förderung könnte bis 2040 eine jährliche Lücke von rund 10 Millionen Tonnen entstehen. Das macht das Metall für Anleger interessant.
Wer auf einen steigenden Kupferpreis setzen will, hat mehrere Möglichkeiten:
Kupfer-ETCs: Sie bilden die Entwicklung des Kupferpreises direkt oder über Terminkontrakte ab. Anleger setzen damit vergleichsweise unmittelbar auf den Rohstoff – tragen aber auch das volle Preisrisiko.
Kupferproduzenten: Aktien von Bergbaukonzernen können stärker auf steigende Kupferpreise reagieren, weil höhere Verkaufspreise bei gleichbleibenden Kosten die Gewinnmargen erhöhen. Dafür kommen Unternehmensrisiken hinzu, etwa bei einzelnen Minen, Kosten, Genehmigungen oder der politischen Situation in Förderländern.
Breit gestreute Rohstoff- oder Bergbau-Fonds: Sie reduzieren das Risiko eines einzelnen Unternehmens oder Rohstoffs, bilden dafür die Entwicklung des Kupferpreises weniger direkt ab.
Der langfristige Nachfrageausblick ist zwar positiv, der Kupferpreis kann trotzdem erheblich schwanken. Allein 2026 haben neben den strukturellen Nachfrageerwartungen auch Angebotsausfälle, US-Zollunsicherheit, Lagerbestände, der Dollar und spekulative Finanzströme den Preis beeinflusst. Die IEA bezeichnet die aktuelle Marktsituation ausdrücklich als ungewöhnlich.