Tempo 60 für Mopeds: Sachsen bringt Initiative in den Bundesrat
Bundesrat
Sachsen will Tempo 60 für alle Mopeds ermöglichen
Stand: 16.10.2026 13:42 Uhr
Bisher dürfen in Deutschland vor allem ältere Roller aus DDR-Produktion legal 60 km/h fahren. Für andere Roller gilt in der Regel Tempo 45. Das will Sachsen jetzt ändern lassen. Unterstützung kommt aus Thüringen und Sachsen-Anhalt. Der Bundesrat überwies die Initiative zur weiteren Beratung an die zuständigen Ausschüsse.
von Robin Hartmann, MDR AKTUELL
Sachsen will Tempo 60 für neue Mopeds durchsetzen und erhält Unterstützung aus Thüringen und Sachsen-Anhalt.
Verkehrsforscher sehen Vorteile für den Verkehrsfluss, wenn Mopeds mit dem übrigen Verkehr mitschwimmen können.
Höhere Geschwindigkeiten könnten zwar den Verkehr erleichtern, erhöhen aber auch das Unfallrisiko.
Ob die Regeländerung kommt, hängt von Mehrheiten im Bundesrat und europäischen Vorgaben ab.
In Sachsen gehört dieses Knattern zum Straßenbild. Die Simme hat Fans in jedem Alter, doch gerade bei Jugendlichen ist sie beliebt: Schon 15-Jährige können auf ihr mit 60 km/h durch die Gegend düsen.
Für Verkehrsministerin Regina Kraushaar stellt sich dabei eine grundsätzliche Frage: "An der Ampel stehen zwei Mopeds. Das eine ist eine Simson älteren Baujahrs und das andere ist zum Beispiel eine Vespa ganz neuen Baujahrs. Beide sind eigentlich baugleich, jedenfalls in den Augen der Ingenieure. Die eine darf nur mit 45 fahren, dann springt die Drossel an, die andere mit 60." Diese unterschiedlichen Geschwindigkeitsbegrenzungen seien niemanden gut zu erklären.
Initiative für Tempo 60 erhält Unterstützung
Sachsen will deshalb, dass künftig auch neue Mopeds bis zu 60 Kilometer pro Stunde fahren dürfen. Und: auch kleine Fahrzeuge mit drei oder vier Rädern. Dafür müssten die europäischen Regeln geändert werden.
Politischen Rückenwind gibt es bereits aus Thüringen: Das Land hat sich der Initiative angeschlossen und will im Bundesrat zustimmen. Die Landesregierung verweist auf bessere Bremsen und Fahrwerke moderner Mopeds und erhofft sich weniger gefährliche Überholmanöver.
Auch Sachsen-Anhalt kündigt seine Zustimmung an. Verkehrsministerin Lydia Hüskens sieht Vorteile für den Verkehrsfluss, fordert aber weitere Untersuchungen zu Unfallrisiken und sieht offenen Fragen beim Versicherungsschutz.
Dabei spreche einiges für eine höhere Geschwindigkeit, sagt der Geschäftsführer der Verkehrsunfallforschung an der TU Dresden, Henrik Liers. Es sei sowieso fraglich, wie man auf die 45 km/h kommen konnte, weil fast überall innerorts 50 herrsche. "Und natürlich fährt kaum einer Strich 50, das heißt, der normale Verkehr fließt so bei 55 km/h. Wenn man dort mitschwimmt und alle gleich schnell und harmonische Geschwindigkeiten haben, kann das nur von Vorteil sein, weil man eben deutlich weniger kritische Überhol- oder Fahrstreifenwechselvorgänge sozusagen initiiert", sagt Liers.
Experten sehen Chancen, aber auch Risiken
Allerdings sei wissenschaftlich bisher nicht belegt, dass langsamere Mopeds tatsächlich mehr Unfälle verursachen. Und die höhere Geschwindigkeit berge eigene Risiken, so Liers. "Mehr Geschwindigkeit heißt mehr Energie und in dem Fall heißt 60 statt 45, dass man etwa 80 Prozent mehr kinetische Energie mitführt." Durch diese Bewegungsenergie kann der Aufprall bei einem Unfall deutlich heftiger ausfallen.
Der ADAC Sachsen sieht Vor- und Nachteile an dem Vorstoß. Mit Tempo 60 hätte ein Fahrzeug etwas Geschwindigkeitsreserve schildert Pressesprecher Florian Wagner: "Diese 60 km/h sind doch schon wirklich gut gewählt in dem Sinne, dass man ein bisschen einen extra Puffer hat. Natürlich sollten sich trotzdem alle Fahrenden, also alle Nutzer von Kleinkrafträdern, an die Höchstgeschwindigkeit halten."
Vor allem aber müssten die Fahrzeuge für das höhere Tempo technisch ausgelegt sein. Und Wagner rät dringend zu mehr Eigenschutz: "Da empfehlen wir als ADAC Sachsen, wenn das Ganze umgesetzt wird, dass natürlich auch Menschen, die dann mit 60 km/h durch die Gegend fahren, eher auf Schutzkleidung setzen."
Entscheidung auf Bundes- und Europaebene
Ob Tempo 60 tatsächlich kommt, ist noch offen. Trotz Unterstützung aus Thüringen und Sachsen-Anhalt ist eine Mehrheit im Bundesrat bisher nicht gesichert. Und selbst dann müsste die Bundesregierung eine Änderung der europäischen Regeln erreichen.