Tesla-Aktie vor möglicher SpaceX-Fusion: Was dann mit den Anteilsscheinen im Depot passiert
Diskutiert werden eine Übernahme durch SpaceX oder eine neue Holding
Musks Stimmrechte machen ihn zum Schlüssel für jede Lösung
Zwei getrennt notierte Aktien wie bei Porsche SE und VW sind unwahrscheinlich
Elon Musk hat am Dienstag in der Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen von SpaceX mitgeteilt, dass die Boards von SpaceX und Tesla Sonderausschüsse aus unabhängigen Direktoren gebildet haben, um einen möglichen Zusammenschluss zu prüfen. Damit rückt für Aktionäre beider Konzerne eine sehr praktische Frage nach vorn: was aus ihren Papieren würde.
Was die Sonderausschüsse prüfen
Die Ausschüsse seien auf Wunsch von Aktionären entstanden, sagte Musk in der Telefonkonferenz. Er bezeichnete sich als befangene Partei und sitzt in keinem der Gremien. Einen Zusammenschluss als sicher anzusehen, wäre laut Musk übertrieben, auf Konditionen hätten sich die Ausschüsse nicht geeinigt.
SpaceX teilte am Donnerstag mit, dass der Sonderausschuss bislang nichts festgelegt habe. Jede mögliche Kombination bedürfe der Zustimmung von Sonderausschuss, Board und dem kontrollierenden Aktionär Musk, der sich wegen Interessenkonflikten aus den Gesprächen zurückgezogen habe. Formal verhandeln also unabhängige Direktoren, doch ohne Musks Zustimmung geht nichts.
Übernahme oder Holding: am Ende eine Aktie
Welche Strukturen auf dem Tisch liegen, hat Reuters am Donnerstag in einer Exklusivmeldung unter Berufung auf eine mit den Gesprächen vertraute Person berichtet. Danach sind eine Übernahme von Tesla durch SpaceX oder eine Fusion unter einer neu gegründeten Holdinggesellschaft im Gespräch, auch eine reine Aktienlösung werde erwogen. Die Gespräche seien in einem frühen Stadium, Berater seien engagiert. Barclays hält in einer Notiz, auf die Stocktwits verweist, die Übernahme durch SpaceX im reinen Aktientausch für die wahrscheinlichste Variante, zuzüglich einer Prämie für Tesla-Aktionäre.
Für Anleger laufen beide Varianten auf dasselbe Ergebnis hinaus. Übernimmt SpaceX den Autobauer, wird die Tesla-Aktie von der Börse genommen, und ihre Inhaber erhalten nach einem festen Umtauschverhältnis Aktien von SpaceX. Bei der Holdinglösung würden in der üblichen Form beide bisherigen Gesellschaften zu hundertprozentigen Töchtern der neuen Dachgesellschaft, die Aktionäre beider Seiten tauschten in deren Papiere. Den Weg über einen reinen Aktientausch ist Tesla schon einmal gegangen: Die Übernahme von SolarCity im Jahr 2016 lief komplett in Aktien. Das Umtauschverhältnis wird damit zur zentralen Stellschraube der Verhandlungen.
Warum das Porsche-Modell kaum passt
Eine Konstruktion wie bei der Porsche Automobil Holding SE und Volkswagen wäre etwas grundlegend anderes. Dort hält die Holding die Mehrheit der stimmberechtigten Stammaktien, beide Papiere bleiben getrennt notiert. Das ist keine Fusion, sondern eine Beteiligung, und für Musks erklärte Ziele brächte sie wenig. Er begründet den Zusammenschluss mit gemeinsamer Arbeit an Software für Superintelligenz, Chipdesign, dem geplanten Chipwerk Terafab und Robotik. Zwei getrennt gelistete Gesellschaften hielten zudem genau die doppelten Gremien und Abstimmungen aufrecht, die ein Zusammenschluss beseitigen soll. Hinzu käme das Risiko eines Bewertungsabschlags, mit dem Holdinggesellschaften an der Börse häufig leben müssen.
Stimmrechte als heikler Punkt für Tesla-Aktionäre
SpaceX hat eine Zweiklassenstruktur: Die börsennotierten Aktien der Klasse A tragen eine Stimme, jene der Klasse B zehn. Musk hält laut Reuters knapp die Hälfte des Kapitals von SpaceX und dort die Stimmrechtskontrolle, bei Tesla dagegen knapp ein Fünftel der Anteile. Barclays zufolge macht die Zweiklassenstruktur SpaceX zum besseren Erwerber. Musk hielte nach dieser Rechnung rund 37 Prozent am kombinierten Unternehmen und rund 56 Prozent der Stimmrechte. Erhielten Tesla-Aktionäre die gelisteten Aktien der Klasse A, behielten sie ihren wirtschaftlichen Anteil, ihr Gewicht bei Abstimmungen würde aber spürbar schrumpfen. Für SpaceX-Aktionäre bedeutet ein Aktientausch dieser Größenordnung umgekehrt eine erhebliche Verwässerung durch neue Aktien .
Bei Tesla braucht ein Deal laut Musk die Zustimmung von 50 Prozent aller Aktien, nicht nur der abgegebenen Stimmen. Die Hauptversammlung am 3. Dezember enthält laut Proxy Statement vom 19. Oktober keinen Fusionsantrag. Reuters zufolge kann Musks öffentliche Befürwortung den Prozess zudem um mehrere Wochen verzögern. Einige Beteiligte sehen demnach Parallelen zur SolarCity-Übernahme, die jahrelange Rechtsstreitigkeiten über Musks Rolle auslöste.
Wie aus einem Bloomberg-Bericht hervorgeht, wird eine Ankündigung in der ersten Jahreshälfte 2027 angestrebt. Der nächste belastbare Datenpunkt ist eine Mitteilung von SpaceX oder Tesla, in der die Sonderausschüsse Struktur und Umtauschverhältnis festlegen. Erst sie zeigt, welches Papier Anleger am Ende im Depot halten.
Martina Köhler, Redaktion finanzen.net
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