Tesla sichert sich 600 Megawatt Strom - Elon Musk setzt auf Solarprojekte
Vor etwa einem Jahrzehnt läutete Tesla mit der umstrittenen Übernahme von SolarCity seine Ära der Solarenergie für Privathaushalte ein. Mit dem Eintritt des Unternehmens in die KI‑Branche nehmen Teslas Solarträume jetzt eine andere Form an. Der E-Autobauer hat zwei langfristige Abnahmeverträge für Strom aus großangelegten Solarprojekten mit einer geplanten Gesamtkapazität von rund 600 Megawatt unterzeichnet. ContourGlobal, ein globaler Stromerzeuger, gab am Dienstag bekannt, dass Tesla einen langfristigen Vertrag über den jährlichen Bezug von einer Terawattstunde Strom aus Project Sterling unterzeichnet hat, dem Solar- und Batteriespeicherprojekt von ContourGlobal in Arizona. Der Deal deckt etwa 90 Prozent der erwarteten Leistung des Projekts ab – genug Strom, um rechnerisch etwa 100.000 US-Haushalte pro Jahr zu versorgen. Auch Zelestra, ein Anbieter erneuerbarer Energien, gab am Dienstag bekannt, dass Tesla die gesamte Leistung seines 140-Megawatt-Solarprojekts Lumen Farm im Nordosten von Texas abnehmen werde. Zelestra-CEO Phil North erklärte in einer Stellungnahme, das Projekt werde Teslas „wachsenden Energiebedarf in Texas“ unterstützen. Die Deals spiegeln Elon Musks jüngste Neuausrichtung wider – vom Einsatz von Solarenergie für Privathaushalte hin zur Solarnutzung in industriellem Maßstab, wozu auch KI-Infrastruktur zählen könnte. Teslas bescheidene Solar-Anfänge Als der CEO 2016 vorschlug, den Dachsolar-Installateur und -Finanzierer SolarCity zu kaufen, stellte Musk den rund 2,3 Milliarden Euro schweren Deal als Weg dar, eine nahtlose Komplettlösung aus Solarenergie, Batteriespeicherung und Elektrofahrzeugen zu schaffen. „Tesla-Kunden können saubere Autos fahren und unsere Batteriepacks nutzen, um Energie effizienter zu verbrauchen, aber sie brauchen trotzdem Zugang zur nachhaltigsten verfügbaren Energiequelle: der Sonne“, erklärte Tesla damals. Das Dachsolar-Geschäft verschwand nicht. Tesla teilte im April in seinem Aktionärsupdate zum ersten Quartal mit, man habe mit „bedeutsamen Kundeninstallationen“ von Solarmodulen für Privathaushalte begonnen, die in der New Yorker Gigafactory produziert werden. Tesla verkauft zudem weiterhin Powerwall-Batterien für Privathaushalte. In den vergangenen Jahren hat Musk seine Solar-Ambitionen jedoch zunehmend auf das Stromnetz konzentriert, da Künstliche Intelligenz voraussichtlich einen sprunghaft steigenden Strombedarf auslösen wird und Tesla einen immer größeren Teil seiner Zukunft auf KI und Robotik setzt. Tesla hat Investoren gewarnt, dass die Rechenzentren, die seine KI-Dienste und -Produkte unterstützen, einen „erheblichen Strombedarf“ haben werden. Teslas KI-Wette hängt von der Sonne ab Das Unternehmen erklärte im April, es erwarte für 2026 Investitionsausgaben von mehr als 22 Milliarden Euro, da es Fabriken und Infrastruktur für Projekte wie das Robotaxi-Geschäft und den humanoiden Roboter Optimus aufbaut. Beide Vorhaben hängen von großangelegter KI-Trainingsinfrastruktur ab. Tesla plant zudem den Bau einer Halbleiter-Forschungsfabrik im Rahmen seiner ambitionierten Chipfertigungspläne. Gleichzeitig hat Musk die Bedeutung industrieller Solarenergie im Zuge des KI-Booms immer wieder betont. In einer Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen im Januar sagte der CEO: „Die Solar-Chance wird unterschätzt“ und Solar in Kombination mit Batterien sei der „beste Weg“, um zusätzliche Leistung ins Stromnetz einzuspeisen. Bei Teslas jüngster Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen am 22. Juli sagte Musk, Hyperscaler hätten Schwierigkeiten, genügend Strom für KI-Rechenleistung zu sichern, was alternative Energiequellen notwendig mache. „Von der Sonne steht mit Abstand mehr Energie zur Verfügung als aus jeder anderen Quelle“, sagte Musk. „Wir glauben, dass Stromengpässe für KI zu einem großen Problem werden – eigentlich sind sie das schon.“ Tesla sichert sich riesige Solarstrommengen Die beiden jüngsten Solar-Deals machen Tesla zu einem bedeutenden Abnehmer von Solarstrom im großindustriellen Maßstab. Der Elektroautohersteller hat sich verpflichtet, nahezu die gesamte jährliche Stromproduktion von Project Sterling sowie die komplette Leistung von Zelestras Lumen Farm abzunehmen. ContourGlobal erklärte, der kommerzielle Betrieb solle 2028 beginnen und Sterling werde das „bislang größte Anlagenprojekt für erneuerbare Energien“ des Unternehmens sein. Zelestra rechnet mit dem vollständigen Betriebsstart bis 2029. Keiner der beiden Verträge nannte konkret, welche Tesla-Betriebsbereiche durch die Stromabnahmen unterstützt werden sollen. Sprecher von ContourGlobal, Zelestra und Tesla reagierten nicht auf eine Bitte um Stellungnahme. Musks umfassende Neuausrichtung im Bereich Solarenergie zeichnet sich immer deutlicher ab. Und diese Neuausrichtung soll nicht mehr nur Häuser und Autos versorgen, sondern zunehmend auch die Infrastruktur einer von KI geprägten Zukunft.