The Weeknd zum letzten Mal in Frankfurt? Verchromte Ruinen, Laser und Rekordhits
"After Hours Til Dawn" (Dt. "Nach Feierabend bis zum Morgengrauen") heißt die mehrjährige Tour von The Weeknd - nach Mitternacht ist im Frankfurter Waldstadion allerdings längst Schluss. Was der kanadische Megastar zuvor liefert, ist keine durchfeierte Nacht, sondern ein düster-futuristisches Laserspektakel. Aber zum Anfang: Es ist heiß im ausverkauften Waldstadion. Am Donnerstagnachmittag sind die Temperaturen in Frankfurt noch auf knapp 40 Grad geklettert. Zwar ist es am Abend etwas abgekühlt - ins Schwitzen kommen die rund 50.000 Fans trotzdem, als The Weeknd mit dem Song "Baptized in Fear" und zahlreichen Feuerfontänen den Konzertabend eröffnet. Unter kreischendem Jubel betritt der 36-jährige Kanadier die kreuzförmige Laufsteg-Bühne, begleitet von goldmaskierten Tänzern in roten Kutten. Er selbst trägt eine schwarze Maske mit rotglühenden Augen, um den Hals eine Kreuzkette. Dystopische Kulisse Als Abel Tesfaye, wie The Weeknd bürgerlich heißt, 2021 bei der Super Bowl Halftime Show auftrat, prägten noch riesige Wolkenkratzer seine Bühne. Von denen ist nicht mehr viel übrig. Das Bühnenbild besteht stattdessen aus verchromten Stadtruinen, aus denen immer wieder Laserblitze hervorkommen. Die dystopische Kulisse lässt sich vielleicht als Symbol für eine Kunstfigur lesen, deren Geschichte nach dieser Welttournee zu Ende erzählt sein könnte. Zumindest hat The Weeknd in mehreren Interviews angekündigt, sich von seiner Bühnenpersona verabschieden zu wollen. Auf seinen Social-Media-Kanälen verwendet er seit längerer Zeit schon seinen bürgerlichen Namen. Riesige Androidin auf der Bühne Doch bevor es mit seinem Alter Ego zu Ende geht, zelebriert er es noch einmal in all seinen Facetten. Dazu gehört auch eine 12 Meter große goldfarbene Androidin des japanischen Künstlers Hajime Sorayama. Die Skulptur gilt als das größte Kunstwerk, das jemals für eine Konzertproduktion in Auftrag gegeben wurde. Wie eine übermächtige Göttin überragt sie die Bühne, dreht sich um ihre eigene Achse und schickt immer wieder Laser und Nebel über das Stadion. Jahrelang hat Abel Tesfaye mit The Weeknd eine Erzählung erschaffen: den rastlosen Nachtmenschen, den Getriebenen zwischen Rausch, Ruhm, Einsamkeit und Selbstzerstörung. Die gigantische Roboterfrau wirkt wie die Verkörperung dieser Kunstfigur: ikonisch, überhöht und zugleich entmenschlicht. Nach 20 Minuten fällt die Maske Unter tosendem Jubel nimmt The Weeknd nach gut 20 Minuten Konzert seine Maske ab. Zum Vorschein kommt ein grinsender Abel Tesfaye, der für einen Moment ziemlich nahbar wirkt. "Ich möchte niemanden verärgern, aber das könnte lauter gewesen sein als München", ruft er mit einem verschmitzten Lächeln und das Stadion antwortet mit einem weiteren Jubelsturm. Mehr Ritual als Popkonzert Die Inszenierung der Show hat etwas von einem Ritual: Die goldmaskierten Tänzer begleiten The Weeknd in ihren leuchtend roten Kutten über die Bühne. Ihre Bewegungen wirken kontrolliert und mechanisch, als würden sie nicht zu einem Popkonzert tanzen, sondern eine Zeremonie in dieser dystopischen Trümmerlandschaft vollziehen. Auch wenn die Laser und Feuerfontänen zunächst eindrucksvoll wirken, wiederholen sich im Laufe des Abends einige Bilder und Effekte, sodass die Show an manchen Stellen etwas an Spannung verliert. Umfangreiche Setlist Mit mehr als 40 Titeln bietet Tesfaye ein außergewöhnlich umfangreiches Set, das sowohl langjährige Fans als auch Besucherinnen und Besucher abholt, die ihn vor allem durch seine größten Chart-Hits kennen. Die Setlist spannt den Bogen über The Weeknds gesamte Diskografie - von frühen Mixtape-Klassikern wie "House of Balloons" und "Wicked Games" aus dem Jahr 2011 über Welthits wie "Can't Feel My Face", "Starboy", "The Hills" und "Save Your Tears" bis hin zu Songs seines aktuellen Albums "Hurry Up Tomorrow" wie "Open Hearts", "Cry for Me" oder "The Abyss". Natürlich darf auch der Erfolgshit "Blinding Lights" nicht fehlen. Der Song, veröffentlicht im November 2019, wurde zu einem der erfolgreichsten Titel der Streaming-Ära: Auf Spotify überschritt er als erster Song überhaupt die Marke von fünf Milliarden Streams. Kurz vor dem Ende widmet The Weeknd seinem verstorbenen Freund Kavinsky den Song "Odd Look" . Der französische DJ und Produzent, mit dem er 2013 den Track aufgenommen hatte, war wenige Tage zuvor tot in seiner Pariser Wohnung gefunden worden. Symbolträchtiges Finale Wie es nach der Ära "The Weeknd" weitergeht, hat Abel Tesfaye bislang nicht bekannt gegeben. Musik machen will der 36-Jährige aber weiterhin. Mit seiner Show hat er seiner berühmten Kunstfigur zumindest ein symbolträchtiges Finale gegeben. Für die Zusatzkonzerte am Freitag (31. Juli) und Samstag (1. August) sind nur noch wenige Restkarten verfügbar.