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Therapeutin erklärt, warum Millennial-Frauen von der Amazon-Serie "Off Campus" besessen sind - ich habe drei weitere Gründe

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Nein, ich bin nicht in der Midlife-Crisis, das wüsste ich doch. Außerdem kann man gar nicht in der Midlife-Crisis sein, wenn man sich innerlich wie 24 fühlt. Ok, ich gebe zu, dass das manchmal mit meinem absoluten Erwachsenenleben als berufstätige Mutter zweier Kinder kollidiert – denn das Leben mit Mitte 20 hat sich schon ein bisschen anders angefühlt. Aber Midlife-Crisis? Lächerlich. Und jetzt lasst mich in Ruhe „Off Campus“ schauen. Für euren blöden Erwachsenen-Quatsch hab ich jetzt wirklich keine Zeit.

Wie oft ich schon „Off Campus“ geschaut habe? Wer zählt da schon mit? Was ich zum Schlafen trage? Ein Shirt. Ja, da steht die Zahl 44 drauf. Und? Was auf meinen Armbändern steht? Geht dich gar nichts an.

*Schiebt Ärmel hoch und freut sich, dass endlich Herbst ist.*

WAS? Warum kommst du jetzt schon wieder mit dem Wort „Midlife-Crisis“? Ah, du meinst, es gibt kein deutlicheres Zeichen für die Midlife-Crisis von Millennial-Frauen als wenn sie „Off Campus“ in Dauerschleife schauen?

Von mir aus, dann bin ich halt in der Midlife-Crisis.

Und bevor du fragst: Nein, ich bin nicht die Einzige. Eine Psychotherapeutin hat sich das mal angesehen und ziemlich genau erklärt, was mit uns los ist. Kristina Virro hat in „Psychology Today“ vier Gründe aufgeschrieben, warum Millennial-Frauen, insbesondere Millennial-Moms, die College-Sport-Love-Serie um Hannah und Garrett so lieben. Ich habe ihre vier Gründe gelesen, heftig genickt – und dann festgestellt, dass mir drei weitere fehlen. Die kommen von mir.

Lies das und lass mich endlich weiterschauen?

„Off Campus“ holt uns dorthin zurück, wo das Leben noch weit und leicht war – vor Krediten, Kita-Anmeldung und Paar-Organisationsgesprächen am Sonntagabend. Und ja, es trifft. Bei Hannah und Garrett sehe ich nicht nur zwei Studierende. Ich sehe meine Dates und One-Night-Stands, Nächte, die um vier erst richtig anfingen, und emotional-supportende Gespräche mit meinen Freundinnen all night long, und diese absurde Selbstverständlichkeit, mit der man im Oktober ohne Mantel aus dem Haus ging (während wir heute unseren eigenen Kindern ständig hinterherrufen, dass sie ihre verdammte Jacke anziehen sollen – sie werden sonst krank. Und dann müssen wir uns um die kranken Kinder kümmern und das irgendwie noch mit der Arbeit gebacken kriegen, bevor wir dann selber krank werden, obwohl wir doch immer eine Jacke anhatten – Erwachsenenleben eben, soooo uncool.)

„Youth is wasted on the young“ – die Jugend ist an die Jugend verschwendet, sagt man. Vielleicht. Aber mit „Off Campus“ darf ich sie mir für acht Folgen zurückholen. Und mich daran erinnern, wie es sich anfühlt, einfach mal wieder ganz bei mir und lebendig zu sein.

Jetzt mal ehrlich: Es sind nicht die Muskeln. Okay, nicht NUR. Virro bringt es auf den Punkt: Garrett ist tough UND feinfühlig. Er ist verletzlich, er (und Dean und Logan und Beau und Tucker) ist emotional intelligent, er spricht mit seinem Kumpel Dean offen über Sex – und der macht ihm dabei klar, dass Vertrauen und Sicherheit die Basis sind. Besonders für Hannah, die als Missbrauchs-Überlebende genau das braucht.

Diese Mischung aus Stärke und Offenheit ist eine neue Art von Männlichkeit, von der es in jungen Jahren von uns Millennials nicht allzu viel gab und auch heute noch viel zu wenig gibt. Kein Macho-Gehabe, keine „Männer weinen nicht“-Nummer, sondern jemand, der zuhört, aushält und fragt. Kein Wunder, dass wir Millennial-Frauen dahinschmelzen – wir haben jahrzehntelang Serienmänner ertragen, die für ein Gefühlsgespräch erst in Staffel vier bereit waren.

Wenn ihr euch fragt: „Wovon redet die da eigentlich?“ Dann schaut euch den Trailer zur ersten Staffel von „Off Campus“ an. Aber wir haben euch gewarnt:

In einer Welt aus Swipen, Ghosting und „Hey :)“ um 23:47 Uhr ist „Off Campus“ fast ein Akt des Widerstands. Hannah und Garrett brauchen Wochen. Sie reden, sie zögern, sie kommen sich langsam näher – und wir sitzen auf dem Sofa und halten bei jeder Berührung die Luft an. Die Psychologie nennt das „perceived partner responsiveness“: das Gefühl, wirklich verstanden zu werden, gesehen zu sein, sich sicher fühlen zu können. Genau das stärkt Vertrauen und die Bereitschaft, füreinander einzustehen.

Und irgendwo zwischen Folge drei und vier merke ich: Ich vermisse nicht das Verliebtsein mit 24. Ich vermisse das langsame Zugehen aufeinander. Die Serie erinnert daran, dass Liebe ein Prozess sein darf – kein Sprint. Gilt übrigens auch für Beziehungen, die schon zehn Jahre und zwei Kinder alt sind.

In Serien wimmelt es von ihnen: den fiesen Mädchen, die anderen Mädchen das Leben schwer machen. Aus Eifersucht, aus Missgunst oder aus diesen dämlichen Pick-me-Motiven. Virro erwähnt diesen Punkt in ihrem Artikel nicht – ich ergänze ihn trotzdem, weil er für mich der stärkste von allen ist. Denn bei „Off Campus“ halten die Frauen wie selbstverständlich zusammen. Siehe Allie auf der Toilette im Malone's. Und später im Wohnzimmer der Eishockey-WG.

Am schönsten macht es Kendall, Garretts Affäre. Sie begreift, dass nicht Hannah an ihren verletzten Gefühlen schuld ist, sondern Garretts Verhalten. Also ist sie nicht eifersüchtig – sie sieht, dass Hannah beim Spiel unsicher dasteht, und lädt sie einfach ein, bei ihnen zu sitzen. Diese Frauen haben wir als Millennials irgendwann aus unserem Leben aussortiert, das schon. Aber beim Zuschauen habe ich kurz an ein paar Mädchen von damals gedacht, bei denen ich mich hätte wehren sollen. Und an ein paar, bei denen ich mich entschuldigen müsste.

Und weil wir keine Mean Girls (mehr) sind, wollen wir unsere Freundinnen glücklich sehen. Das gelingt euch garantiert mit meinen hand-picked Geschenken für „Off Campus“-Fans.

Nein, es geht immer noch nicht um die Bauchmuskeln von Dean und Co., sondern um etwas viel Sexieres: Verantwortung. Eigentlich sollte es längst selbstverständlich sein, dass Haushalt und Erziehung fair geteilt werden. Doch die 50er-Jahre kleben immer noch an uns wie Kaugummi – und nein, das bilden wir uns nicht ein: Frauen leisteten 2022 in Deutschland pro Tag 1 Stunde und 19 Minuten mehr unbezahlte Arbeit als Männer, das sind rund neun Stunden pro Woche. Frauen tragen den Löwinnen-Anteil, Männer übernehmen den Teil, der ihnen zugewiesen wird. Hello, Mental Load.

Nicht so in „Off Campus“. Dort schnappen sich die jungen Männer die Aufgaben einfach – ohne dass eine Frau sie verteilen muss. Garrett poliert im Malone's ungefragt das Besteck, weil er Hannah zuhört und dabei nebenbei sieht, was zu tun ist. Tucker macht Graham echte Omega-3-Fettsäuren statt schnellem Eiweißshake und Keto-Bullshit. Und als an Thanksgiving mehr Gäste kommen als geplant, findet er selbst eine Lösung, statt erst mal seine Mama anzurufen. Ich bin ziemlich sicher: Diese beiden werden später auch als Partner und Väter Verantwortung tragen, ohne dass jemand sie ihnen ansagt. Und dafür liebe ich sie.

Wir Millennial-Frauen sind in den 90ern groß geworden – Heroin Chic, und Dünnsein fühlte sich besser an, als jeder Keks schmeckte (von Tiramisu war da nie die Rede). Junge Promi-Frauen wurden von männlichen Journalisten gefragt, wie viel sie wiegen. Jede körperliche Veränderung von Britney und Christina wurde in den Klatschheftchen bis auf Molekülebene auseinandergenommen. Kotz! Und viele taten das damals leider im wahrsten Sinne des Wortes. Heute sitzen wir Millennials in der (Peri-)Menopause, in der sich unser Körper ohnehin gerade neu sortiert – und werden von allen Seiten mit Ozempic-Körpern konfrontiert. Too much.

Und dann kommt Hannah. Sie trägt ihr „Slut-Top“ (Allies' Worte, nicht meine) und niemand macht ein Thema daraus. Kein Kommentar, kein Kameraschwenk, keine Freundin, die fragt, ob das so geht. Genau das ist das Revolutionäre: Ihr Körper ist einfach da und darf einfach sein. Ich, die mit „Das kannst du mit deinem Bauch aber nicht tragen“ aufgewachsen ist, hätte mich das damals nicht getraut. Und ich gebe die Schuld daran nicht mir, sondern der Gesellschaft. Heilt eine Serie das? Natürlich nicht. Aber sie zeigt mir, wie es sich hätte anfühlen können.

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