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Thwaites-Gletscher: Neue Erkenntnisse stellen bisherige Annahme auf den Kopf

Wissenschaft

Der Thwaites-Gletscher in der Antarktis wird von Forscher*innen auch als Doomsday Glacier bezeichnet, was so viel heißt wie Gletscher des Jüngsten Gerichts oder Weltuntergangsgletscher. Was zunächst wie eine Beschreibung aus einem Horrorfilm anmutet, ist dabei keineswegs eine Übertreibung. Denn das Abschmelzen der Eisfläche gilt als entscheidender Kipppunkt des Klimawandels.

Thwaites-Gletscher schmilzt wohl schneller als gedacht

Als ob das allein nicht schon alarmierend genug wäre, haben Forschende nun festgestellt, dass das Schmelzen des Thwaites-Gletschers in der Antarktis sogar schlimmer ausfällt als gedacht. Ein neues Computermodell, das von einem Team der University of California, Irvine und dem Jet Propulsion Laboratory der NASA entwickelt wurde, prognostiziert, dass das Schmelzen des Thwaites-Gletschers in der Westantarktis bis 2100 einen Meeresspiegelanstieg von bis zu 30 Millimetern verursachen wird. Das ist doppelt so viel wie bei früheren Schätzungen. Die Daten beziehen dabei noch nicht einmal eine zusätzliche Klimaerwärmung mit ein.

Die neuen Werte stammen aus der Neueinordnung jener Grenze, an der das Eis vom festen Grund abhebt und anfängt, auf dem Meerwasser zu schwimmen. Bisher ging die Wissenschaft davon aus, dass es sich hierbei um eine scharfe, schmale Linie handelt, die sogenannte „Erdungslinie“.

Nach den neuen Erkenntnissen kann man nun davon ausgehen, dass diese Grenze aber keine Linie, sondern eine teilweise mehrere Kilometer breite Zone ist. In diese dringt warmes Meerwasser tief unter das Eis ein. Das warme Wasser schmilzt das Eis dabei von unten viel stärker als gedacht.

Topaktuell

„Wir müssen jetzt alles in unserer Macht Stehende tun“

„Der Hauptstamm des Thwaites wird vorübergehend durch den Mouginot-Rücken stabilisiert“, erklärt Mattia Poinelli, der Hauptautor der Studie. Der Mouginot-Rücken ist eine bedeutende unterseeische Bodenwelle im Meeresboden der Westantarktis. Er liegt etwa 950 Meter unter dem Meeresspiegel direkt im Bereich des Thwaites-Gletschers. „Sobald sich der Gletscher von diesem Rücken löst, wird er sich kontinuierlich über einen überwiegend landeinwärts abfallenden Meeresboden in Richtung der nächsten topografischen Erhebung – des South Ridge – zurückziehen“, warnt Poinelli.

Laut den neuen Berechnungen gibt es eine 60-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass dies bereits bis zum Ende des Jahrhunderts passieren wird. Der Mouginot-Rücken wirkt derzeit noch wie eine Bremse oder ein Stützpfeiler für den Thwaites-Gletscher. Wenn der Gletscher sich von ihm löst, würde der Eisverlust weiter beschleunigt.

Poinelli findet daher deutliche Worte: „Wir müssen jetzt alles in unserer Macht Stehende tun, um die Treibhausgasemissionen zu begrenzen – doch selbst wenn uns das gelingt, ist aufgrund der bereits entstandenen Schäden künftig mit einem Anstieg des Meeresspiegels zu rechnen.“

Quelle: University of California, Irvine, „Sea-level contribution from Thwaites Glacier doubles in an observation-constrained ice-sheet model“ (Nature Communications 2026)

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