„Thx“ - und tschüss? Warum Abkürzungen beim Texten mehr kaputt machen, als wir denken
Anzeige Erfahre mehr zu unseren Affiliate-Links Wenn du über diese Links einkaufst, erhalten wir eine Provision, die unsere redaktionelle Arbeit unterstützt. Der Preis für dich bleibt dabei unverändert. Diese Affiliate-Links sind durch ein Symbol gekennzeichnet. Mehr erfahren. Du schreibst eine lange Textnachricht – und bekommst einen Daumen hoch zurück. Auf dein „Ich liebe Dich! xxx“ folgt ein knappes „ILY“. Wie fühlst du dich dabei? Die meisten von uns würden sich eine ausformulierte Antwort wünschen, wie eine neue Studie beweist. Aber warum ist das so – und wie beeinflusst Texten unsere Beziehungen? Laut einer Serie von Studien der Universitäten Stanford und Toronto verwenden 90 Prozent der Menschen Abkürzungen – und 84 Prozent von ihnen glauben, dass diese einen positiven oder gar keinen Effekt auf ihre Beziehungen haben. Dabei dürften die meisten von uns das Gefühl kennen, eine unbefriedigende Antwort zu bekommen, die sich so anfühlt, als hätte unser Gegenüber keine Zeit investiert. Besonders dann, wenn es sich um die beste Freundin, den Partner oder die Schwester handelt. Anzeige Wer „thx“ statt „danke“ schreibt, spart vielleicht zwei Sekunden. Das Gegenüber liest aber etwas ganz anderes. Die Studien zeigen, dass unser Gehirn Abkürzungen unbewusst als „wenig Mühe“ abspeichert. Und so übersetzen wir solche Kürzel als „Du bist mir nicht so wichtig.“ Das Gemeine daran ist, dass es unterschwellig passiert. Wer abkürzt, merkt nicht, dass es unfreundlich wirkt. Und wer es empfängt, erlebt nicht bewusst, warum die Nachricht irgendwie ungut anfühlt. Aber das Gefühl bleibt hängen – und kann sich auf die Beziehung übertragen. Egal ist dabei, ob wir über wichtige Lebensereignisse schreiben – oder darüber, was wir aus dem Supermarkt mitbringen. Ein Lesetipp an der Stelle: Im Bestseller „Die 13 Beziehungswölfe“ beschreiben Tobias und Laura Goldfarb, wie wir Konflikte in Beziehungen lösen können. Und dass sie meistens Mustern folgen, die wir fast alle kennen. Anzeige Wenn unser Gegenüber uns gut kennt, sollten Kürzel kein Problem sein – der oder die andere weiß schließlich, was sie uns bedeuten, oder? Deswegen hat das Team extra getestet: Macht es einen Unterschied bei engen Beziehungen? Aber auch bei besten Freunden, Partner*innen und Geschwistern kamen sie zum gleichen Ergebnis. Abkürzungen fühlten sich weniger echt, weniger herzlich an. Vielleicht geht eine Partnerschaft oder Freundschaft von schnellen Texten nicht kaputt, aber irgendwann fühlt sich die Beziehung wie eine Nebensache an. Selbst Teilnehmende der Gen Z auf Discord, die praktisch mit Abkürzungen aufgewachsen sind, reagierten zurückhaltender auf verkürzte Anfragen. Alter und digitale Affinität spielen also keine Rolle – Abkürzungen kommen einfach nicht so gut an, wie viele denken. Und emotional intelligente Kommunikation nimmt einen immer höheren Stellenwert ein. Hilfreich sind die Tipps aus dem im Bestseller „Wir müssen reden – aber richtig!“, die der Publizist Robert Burdy mit dem Hirnforscher Gerald Hüther erarbeitet hat. Anzeige Besonders Online-Dating lebt von den ersten Nachrichten, denn sie sind der allererste Eindruck, den wir von einer Person bekommen. Und genau hier können Abkürzungen heikel werden. Im Speed-Dating-Experiment wollten deutlich weniger Menschen ihre Nummer rausgeben, wenn das Gegenüber viel abgekürzt hat. Die Tinder-Analyse von Hunderttausenden echten Chats zeigte genauso, dass „u“ und Co. zu weniger Antworten und mehr Ghosting führen. Wer jemanden wirklich kennenlernen will, lässt die Abkürzungen also besser weg. „Hast du Lust auf einen Kaffee?“ schlägt „Lust auf n Kaffee?“ um Längen. Viele von uns glauben, Abkürzungen würden sie cool und entspannt wirken lassen, dabei ist wohl das Gegenteil der Fall. Anzeige Niemand muss gleich anfangen, ewige Aufsätze zu tippen. Die Forschenden sagen selbst, dass ein „lol“ seine Berechtigung hat und gelegentliche Abkürzungen völlig in Ordnung sind. Etwa für schnelle Info-Nachrichten („Bin gleich da“), Gruppen-Chats mit zehn Leuten, bei denen eh alle durcheinander schreiben, oder oberflächliche Kontakte. Kritisch wird's – äh, wird es – bei Menschen, die einem wichtig sind. Bei der besten Freundin, dem Partner, der Mama. Da lohnt sich die Extra-Sekunde, denn ein herzliches „Danke, du bist großartig!“ hat einfach eine andere Wirkung als „thx“. Die Faustregel ist simpel: Je wichtiger einem jemand ist, desto weniger sollte man abkürzen. Und wenn die eigene Kommunikation hauptsächlich aus Kürzeln besteht, könnte das ein guter Moment sein, das zu überdenken. Anzeige Der Autor der Studie, David Fang, schreibt in The Conversation, dass er seine Forschungsergebnisse mit seinem Bruder teilte – dem Auslöser für die ganze Untersuchung. Der Bruder, ein Serien-Abkürzer, hat seine Gewohnheiten nicht von heute auf morgen komplett geändert. Aber ab und zu kommt jetzt ein ausgeschriebenes „Danke“ oder sogar ein „Wie geht es dir?“. Solche kleinen Gesten können viel bedeuten. Denn manchmal reichen schon ein paar zusätzliche Buchstaben, um jemandem zu zeigen: Du bist mir wichtig. Anzeige Abkürzungen sind nicht grundsätzlich problematisch. Niemand muss ab jetzt in vollendeten Sätzen texten. Aber bei Menschen, die einem am Herzen liegen, lohnt sich vielleicht die zusätzliche Zeit. Die paar extra Buchstaben signalisieren Wertschätzung und echtes Interesse. Und das ist am Ende das, was Beziehungen ausmacht – das Gefühl, dass man jemandem wichtig ist. Die Forschenden erinnern daran, dass unsere Abkürzungen ursprünglich aus der Not geboren wurden – mit zeichenbegrenzten SMS und Handy-Tastaturen, auf denen man drei Mal die 5 für ein „L“ drücken musste. Warum schreiben wir also immer noch, als hätten wir nur 160 Zeichen zur Verfügung und kein Autocorrect?