Tickets laut Verbraucherschützen zu selten buchbar
Fahrgäste der Deutschen Bahn haben nach einer Untersuchung von Verbraucherschützern für Fahrten tagsüber nur geringe Chancen auf ein Ticket zu besonders günstigen Super-Sparpreisen. Das günstigste Angebot, für das die Bahn auf ihrer Internetseite warb, war für Fahrten in der zweiten Klasse zwischen 7 Uhr und 19 Uhr an rund drei Vierteln der untersuchten Tage nicht verfügbar, wie die »Frankfurter Allgemeine Zeitung« berichtet . Stattdessen lagen demnach an diesen Tagen die Super-Sparpreise zwischen 15 und 157 Prozent über dem Werbepreis. Die Bahn bewirbt auf ihrer Website Super-Sparpreise , mit denen man aktuell ab 6,99 Euro im ICE fahren kann. Für Menschen unter 27 Jahren kosten die Fahrscheine ab 4,99 Euro. Wer eine BahnCard hat, erhält weitere 25 Prozent Rabatt. Die Zeitung beruft sich auf den Verbraucherzentrale Bundesverband (VZ). Dieser hatte die Preise demzufolge bis Ende April 23 Monate lang verfolgt, dabei verschiedene zeitliche Fristen überprüft. Zur Methodik heißt es beim Verband: »Über 690 Erhebungstage wurden insgesamt 289.154 Verbindungsabfragen für kurzfristige (in den kommenden 7 Tagen), mittelfristige (in 3 Wochen) und langfristige Buchungen (in 12 Wochen) durchgeführt.« Ergebnis: Die erfassten günstigsten Preise entsprachen nur an knapp jedem vierten Erhebungstag dem beworbenen Super-Sparpreis oder lagen sogar darunter. Die Bahn kritisierte die Untersuchung. Eine Sprecherin sprach in der »FAZ« von »erheblichen methodischen Mängeln«. Der Untersuchungszeitraum 7 bis 19 Uhr blende aus Sicht des Konzerns wichtige Pendlerverbindungen aus, etwa Sprinterfahrten um kurz nach 6 Uhr. Ziel der DB sei, die Züge für ein komfortables Reisen optimal auszulasten. Deshalb würden die Ticketkontingente so gesteuert, dass es nicht zu Überbuchungen komme. Ähnlich wie bei Bus oder Flugzeug gebe es für ohnehin stark ausgelastete Verbindungen, vorwiegend zwischen den Metropolen und zu Stoßzeiten, weniger Aktionsangebote. Mit günstigen Tickets wolle die Bahn Menschen, die flexibler reisen könnten, auf weniger ausgelastete Züge aufmerksam machen. In einer Pressemitteilung kritisiert die Bahn die Studie weiter. Viele Bahnkunden würden ihre Tickets lange vor dem geplanten Reisedatum buchen, sodass die vom Verband gewählte Methodik das »reale Buchungsverhalten« nur teilweise abbilden würde, heißt es in der Stellungnahme. Der Supersparpreis ist das günstigste Ticketangebot im Fernverkehr der Deutschen Bahn. Deren Preisgestaltung folgt seit einigen Jahren einem dynamischen Modell zur Auslastungssteuerung – je nach Nachfrage und Buchungszeitpunkt variieren die Preise erheblich. »Aktuell sind so viele Billigtickets wie noch nie auf dem Markt«, sagte die Sprecherin. Zur Einführung der Tickets im Jahr 2019 hieß es von der Bahn: »Wer sich einen Monat vor der Reise auf einen Zug festlegt, kann fast immer einen Sparpreis erhalten«. Im Schnitt liege dieser 55 Prozent unter dem Flexpreis. Für vier von fünf Fahrten sei auch 24 Stunden vor Abfahrt noch ein Sparpreis verfügbar, hieß es damals. Die Untersuchung der Verbraucherschützer bestätigte auch, dass Fahrkarten am Freitag und Sonntag deutlich teurer seien. Über alle Ticketarten hinweg lägen die Preise dann durchschnittlich 71 Prozent über denen der günstigsten Wochentage Dienstag und Mittwoch. Bei Fahrten am späten Nachmittag sei demzufolge die Chance auf günstige Fahrkarten höher als am Vormittag. Das ZDF hat eine nicht gerade schmeichelhafte Dokumentation über die Deutsche Bahn gedreht, mit Dunja Hayali als Anklägerin. Nun ist darüber ein juristischer Streit entbrannt. Hier lesen Sie mehr .