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Tiefsee: So besiedeln Schnecken neue Lebensräume am Meeresboden

Wissenschaft

Audioplayer wird geladen Anzeige Hydrothermale Quellen am Meeresboden beherbergen ungewöhnliche Ökosysteme. Sie können Hunderte Kilometer voneinander entfernt liegen – und damit beginnt der Ärger: Wie kommt man als abenteuerlustiger Bewohner in neue, womöglich bessere Gefilde? Der Nachwuchs bestimmter Schnecken sucht erst mal den Weg ins Licht, wie Forscher im Fachjournal „Science Advances“ berichten. Hydrothermale Quellen sind ein Ort der Extreme: mit sehr hohen Temperaturen, immensem Druck und völliger Dunkelheit. Zudem sind im aus dem Erdinneren strömenden Wasser oft giftige Substanzen gelöst. Dennoch kann es vor Leben nur so wimmeln, mit Muscheln, Röhrenwürmern, Krebstieren, Schnecken und vielem mehr. Mehr als 640 Tierarten wurden an solchen Quellen bereits nachgewiesen, wie es in der Studie heißt. Anzeige Die Ökosysteme beziehen ihre Grundenergie nicht aus Sonnenlicht. Bakterien gewinnen sie aus der Umwandlung im heißen Wasser gelöster Chemikalien wie Schwefelwasserstoff. Andere Arten leben dann direkt oder indirekt von ihnen. Erstaunlich ist auch: Obwohl einzelne Quellen oder Quellengruppen hunderte bis tausende Kilometer voneinander entfernt sein können, kommen in ihrer Umgebung oft viele identische oder eng verwandte Lebewesen vor. Zumindest einige Tiere dieser Arten müssen also von einem Fleck zum anderen gelangt sein. Das Forschungsteam um Takuya Yahagi von der Universität Tokio untersuchte nun die chemische Zusammensetzung der Schalen an hydrothermalen Quellen lebender Napfschnecken, um deren wahrscheinliche Wanderwege zu rekonstruieren. Anzeige „Anhand der in den Larvenpanzern gespeicherten chemischen Spuren haben wir die Temperaturen der Umgebungen geschätzt, in denen sie vermutlich gelebt haben, und ihre frühen Lebensverläufe rekonstruiert“, erklärte Yahagi. Mikroskopisch kleine Larven dreier Arten wurden einbezogen, insgesamt waren es 39 Tiere. Lesen Sie auch Weltplus ArtikelMikrobiom und Psyche „Wir haben mit Forschungsschiffen Tiere aus Hydrothermalquellen im Westpazifik gesammelt“, sagte Yahagi. Entscheidend war demnach, dass die Tiere noch ihre winzigen Larvenhüllen hatten. „Ähnlich wie Jahresringe bei einem Baum bewahren diese Hüllen chemische Hinweise auf die Umweltbedingungen auf.“ Die Hüllen sind weniger als einen Millimeter groß und nur etwa 0,01 Millimeter dick. Lesen Sie auch Die Analyse ergab, dass die Napfschnecken während ihres Larvenstadiums den sonnenbeschienenen oberen Ozean erkundet hatten. Jedes der untersuchten Tiere sei frisch geschlüpft nach oben geschwommen und habe sich nahe der Meeresoberfläche bewegt. Ein Teil der Larven ließ sich am Ende wieder an ihrem Geburtsort nieder, andere siedelten sich an einer anderen hydrothermalen Tiefseequelle an. „Diese Entdeckung trägt dazu bei, zu erklären, wie sich Tiere, die an isolierten Quellenstandorten leben, über Hunderte oder Tausende Kilometer ausbreiten können“, hieß es von den Forschern. Die Ergebnisse zeigten zudem, dass Bedingungen an der Oberfläche wie Strömungen, Temperatur und Nahrungsangebot die Gestaltung der Ökosysteme an den Tiefseequellen mitbeeinflussen. Experimente deuten dem Team um Yahagi zufolge darauf hin, dass die Larven bei mindestens einer Art womöglich mehr als ein Jahr in Oberflächennähe verbringen, bevor sie sich wieder am Meeresboden ansiedeln. Diese Reise ist äußerst riskant, wie die Wissenschaftler erläutern: Die Larven haben zahlreiche Fressfeinde und können von Strömungen in völlig ungeeignete Gegenden getragen werden. Womöglich sei gerade dieses Zwischenstadium in tückischen Oberflächengewässern der Grund dafür, dass so viele Tiere an den Quellen große Mengen an Eiern produzieren. Noch ist allerdings unklar, ob auch andere Arten reisen. „Eines unserer nächsten Ziele ist es, festzustellen, wie weitverbreitet dieses Verhalten bei Tieren an hydrothermalen Quellen ist“, erklärte Yasunori Kano von der Universität Tokio. Bisher seien zudem nur Tiere von Quellen in höchstens etwa 2000 Metern Tiefe untersucht worden. Zu klären sei noch, ob auch Exemplare aus Tiefen von 5000 Metern als Larven in den sonnenbeschienenen oberen Ozean wandern. Erforscht werden solle auch, wie der Abstieg in die Tiefsee und die Suche nach einem geeigneten hydrothermalen Schlot vonstattengeht. Annett Stein, dpa/ly

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