Till Brönner: „Ohne Ofen gibt’s keinen Kuchen“ – Jazz
Audioplayer wird geladen Anzeige Einige Videos benötigen Zeit, bis sie im Internet viral gehen: Jazz-Musiker Till Brönner erfährt seit Wochenbeginn viel Zuspruch in den Sozialen Medien für ein Instagram-Video vom 2. August mit einer einfachen politischen Botschaft: Der Trompeter hat genug von der Umverteilungsdebatte. Er würde viel lieber darüber sprechen, wie das Land wirtschaftlich wieder nach vorn gebracht werden kann. „Eigentlich wollte ich nur Trompete spielen. Mehr war nie geplant“, beginnt Brönner sein Video. Nun sei er als erfolgreicher Künstler doch Unternehmer, bezahle Mitarbeiter, kalkuliere Gagen und stelle Rechnungen. Dann beginnt Brönner mit „einer ganz einfachen Rechnung“: Anzeige „Jemand möchte mich für 1000 Euro engagieren. Um diese 1000 Euro ausgeben zu können, musste er – stark vereinfacht gesagt – 2000 Euro verdienen“, sagt Brönner. „Jetzt bekomme ich diese 1000 Euro, und wenn davon nach Steuern und Abgaben rund die Hälfte bleibt, dann sind das, einfach gerechnet, 500 Euro. „Sehr vereinfacht gesagt: Von 2000 Euro sind 1500 beim Staat gelandet und 500 bei mir“, sagt Brönner. „Wenn ich sage: Sorry Kollege, für 500 Euro kann ich’s leider nicht machen, dann findet das Geschäft überhaupt nicht statt. Kein Honorar, keine Steuern, kein Auftrag.“ Er beschwere sich nicht darüber, Steuern zu zahlen. Es gehe ihm um etwas anderes. „Wir reden wahnsinnig viel darüber, wie der Kuchen verteilt werden soll“, sagt Brönner. Gerechtigkeits- und Verteilungsfragen seien wichtig. „Aber manchmal frage ich mich, ob wir uns genauso viele Gedanken über den Ofen machen. Ohne heißen Ofen gibt es keinen Kuchen. Nicht mal einen so kleinen. Und ohne die Menschen, die ihn backen, gibt's auch nichts zu verteilen.“ Anzeige „Deutschland nimmt inzwischen fast eine Billion an Steuern im Jahr ein“, erinnert der 55-Jährige an die drastisch gestiegenen Steuereinnahmen, die im vergangenen Jahr erstmals die Marke von einer Billion Euro geknackt haben. „Eine Billion. Das sind 1000 Milliarden. Das ist eine Zahl, die kann man sich kaum vorstellen. Gleichzeitig wächst unsere Wirtschaft kaum“, sagt Brönner. Lesen Sie auch Jetzt darüber zu sprechen, Vermögen und Erbschaften stärker zu besteuern, gehe am eigentlichen Problem vorbei. „Dass von über 80 Millionen Menschen ein paar wenige Tausend noch etwas mehr bezahlen und dann geht es uns allen wieder gut? Ich glaube, so einfach wird das nicht funktionieren“, urteilt Brönner. „Mir fehlt die andere Seite der Debatte. Nicht: Wie verteilen wir das Ganze besser? Sondern: Wie entsteht Wohlstand eigentlich, wenn wir mehr davon wollen?“ Brönner: „Menschen stimmen mit den Füßen ab“ Brönner erinnert daran, dass 2025 288.000 Deutsche das Land verlassen hätten. „Es darf uns als Land nicht gleichgültig sein, wenn Menschen gehen. Genauso wenig, wie es uns gleichgültig sein darf, wer zu uns kommt. Beides sagt etwas darüber aus, wie attraktiv wir als Gesellschaft sind. Menschen stimmen irgendwann auch einfach mit den Füßen ab.“ Lesen Sie auch Er schließt sein Video mit einem Wunsch. „Ich wünsche mir keine ärmere Gesellschaft mit gerechterer Verteilung. Ich wünsche mir eine wohlhabendere Gesellschaft, in der möglichst viele Menschen erfolgreich sein können“, sagt Brönner. Und plädiert für einen Mentalitätswechsel. „Wenn jemand was geschafft hat, könnte unsere Frage auch mal sein: Wie hat der das geschafft? Und nicht: Warum hat der mehr als ich?“ Natürlich müsse eine Gesellschaft Menschen auffangen, die Hilfe benötigen. „Da bin ich voll dabei“, sagt Brönner. „Aber sie sollte Menschen, die was können, etwas wagen oder etwas aufbauen wollen, auch sagen: Ey mach’, Alter. Ist gut für uns alle.“ Zu seinem Video erhält Brönner viel Zuspruch. „Danke für deinen Mut und die Inspiration“, schreibt ein Nutzer. „Eine wunderbare Art, die Dinge beim Namen zu nennen – ruhig, sachlich und mit einer wohltuenden Klarheit“, eine andere. Auch Schauspieler Jan-Josef Liefers äußert sich: „Kommt mir bekannt vor“, schreibt er. Andere beklagen die im OECD-Vergleich exorbitante Steuer- und Abgabenlast in Deutschland. Bereits 2020 erzielte Brönner mit einem Video samt scharfer Kritik an den Lockdowns wegen Corona breite Aufmerksamkeit. sebe