Tintenfische machen sich in der Nordsee breit
Startseite Panorama Wegen Klimawandel: Tintenfische breiten sich in der Nordsee aus Von: Tobias Utz Uns auf Google folgen Die Nordsee verändert sich – auch im Tierreich. Der Klimawandel lässt den Tintenfischbestand explodieren. Das hat Konsequenzen. Die Nordsee wird wärmer – und das sehr schnell. Erst im April dieses Jahres gab das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) bekannt, dass die Wasseroberfläche im Durchschnitt 11,6 Grad Celsius warm war: der höchste Wert seit Beginn der Messungen im Jahr 1969. Zum Vergleich: Im langjährigen Mittel von 1997 bis 2021 war das Wasser demnach um 0,9 Grad Celsius wärmer. Diese Entwicklung wirkt sich auf das Ökosystem der Nordsee, die ein Randmeer des Atlantischen Ozeans ist, aus: Immer mehr Tintenfische bevölkern mittlerweile die Gewässer. Eines der Länder, die Teil der Nordseeküste sind, ist Belgien. Dort ist das Phänomen besonders sichtbar, wie Hans Polet erklärt. Er ist wissenschaftlicher Direktor am flämischen Institut für Landwirtschafts- und Fischereiforschung: „Früher war es viel kälter. Aber jetzt beobachten wir, dass die Eier der Kopffüßer sehr gut in der Nordsee überleben können“, sagte er dem Schweizer Rundfunk. „In hundert Jahren hat sich der südliche Teil der Nordsee, der relativ flach ist, um vier Grad erwärmt“, ergänzt er. Das Nahrungsaufkommen für Tintenfische in der Nordsee ist enorm: Heringe, Krabben oder Krebse sind nur einige von vielen Beispielen, die den Tintenfischen zum Opfer fallen. „Die fressen alles, was sie überwältigen können“, sagt Patrick Oesterwind der taz. Er leitet am Thünen-Institut für Ostseefischerei den Bereich Tintenfische. „Lücken im Ökosystem“ begünstigen Ausbreitung der Tintenfische Kopffüßer machen mittlerweile mehr als ein Fünftel der gesamten Fangmenge der flämischen Seefischerei aus, wie aus Berechnungen der Agentur für Landwirtschaft und Seefischerei der flämischen Regierung hervorgeht. Die Daten beziehen sich auf 2025. Die Veränderungen in Belgien sind auch in Deutschland bekannt. Experte Oesterwind bestätigt das: „Durch die Folgen des Klimawandels und eventuell auch durch die Lücken im Ökosystem“, sei diese Entwicklung schon länger am Werk. Überraschung beim Strandspaziergang Weiße, kalkartige Platten am Strand – viele Spaziergänger wissen nicht, was sie da finden. Es sind Rückenschilder von Tintenfischen, und dahinter steckt mehr, als man denkt. Zur Ausbreitung der Tintenfische kommt eine andere Tatsache hinzu: Raubtierkonkurrenten wie der Kabeljau verschwinden zunehmend aus der Nordsee. Für sie bringt die Erwärmung Nachteile mit sich: Sie können sich in den wärmer gewordenen Gewässern kaum noch vermehren. Auch das sorgt für die angesprochenen Lücken im Ökosystem. Daran ändern auch die mittlerweile strengeren Fangquoten für Kabeljau wenig. Diese schützen den Bestand zwar vor Überfischung, wie es teilweise vor 20 bis 30 Jahren gängige Praxis war. Allerdings kann dies die Entwicklung durch den Klimawandel nicht aufwiegen. (Quellen: SRF, taz, Archiv, eigene Recherche) (tu)