Tipps für den passenden Ladetarif fürs E-Auto
E-Mobilität
Durchblick im Tarif-Dschungel: Wie man beim E-Auto-Laden den Überblick behält
Stand: 17.10.2026 12:40 Uhr
Die Spritpreise steigen trotz des Tankrabatts weiter an. Auch deshalb wird ein E-Auto für immer mehr Menschen eine Option. Mit Ladesäulen für E-Autos haben die meisten Autofahrerinnen und Autofahrer aber bisher keine Erfahrung – und hier kommt es darauf an, bei welchem Anbieter man den günstigsten Preis für den Strom findet. Die Stiftung Warentest hat 29 Tarife von öffentlichen Ladestationen unter die Lupe genommen. Testleiterin Alica Verwiebe hat mit MDR AKTUELL über die Ergebnisse gesprochen.
von MDR AKTUELL
Spontan ist teurer: Direkt zur Ladesäule fahren und laden macht sich im Preis bemerkbar.
Expertin rät: Eigenes Nutzerverhalten genau analysieren.
Preisvergleich und Anbieterwechsel: Tarife dauerhaft beobachten und reagieren.
MDR AKTUELL: Frau Verwiebe, wie dicht ist der Tarifdschungel bei den Ladestationen für E-Autos?
Stiftung-Warentest-Expertin Alica Verwiebe: Der Markt ist sehr komplex. Wir konnten sehen, dass die Anbieter sehr unterschiedliche Preismodelle zur Verfügung stellen. Es gibt teilweise Festpreistarife, wo ich auch über verschiedene Ladegeschwindigkeiten an verschiedenen Ladesäulen einheitliche Preise habe. Aber es gibt auch sehr viele variable Preise oder Preisspannen, sodass ein konkreter Preisvergleich zwischen den Anbietern teilweise erschwert wird. Wenn ich an die Ladesäule fahre, habe ich im besten Fall einen Bildschirm, auf dem mir der Preis angezeigt wird – aber das ist nicht immer der Fall. Manchmal habe ich einen QR-Code von einem Anbieter, den kann ich dann scannen und komme dann auf die Webseite des Anbieters und sehe dort dann den Preis.
Welche Optionen gibt es für die, die unterwegs laden wollen?
Ich kann direkt zur Ladesäule und ohne Vertrag vor Ort laden. Das ist meistens ein bisschen teurer. Ich kann mir aber auch eine Anbieter-App herunterladen und bekomme dann den Preis für die Tarife an der Säule in der App angezeigt. Oftmals sind die Tarife mit einer Grundgebühr günstiger. Es gibt einen günstigeren Kilowattstundenpreis, wenn ich eine monatliche Grundgebühr zahle. Die Tarife mit Grundgebühr eignen sich vor allem für Vielfahrer, weil der Kilowattstundenpreis in der Regel günstiger ist. Bei den Tarifen ohne Grundgebühr können viele Apps heruntergeladen werden, weil ich mich lediglich in der App registrieren muss – und da dann über die Karte in der App sehe, welche Ladesäulen in meiner Umgebung verfügbar sind, und zu welchem Preis ich an den jeweiligen Ladesäulen laden kann.
Die Tarife mit Grundgebühr eignen sich vor allem für Vielfahrer, weil der Kilowattstundenpreis in der Regel günstiger ist. Alica Verwiebe, Stiftung Warentest
Für wen lohnt sich welcher Tarif?
Das hängt unter anderem davon ab, was für ein Nutzertyp ich bin. Wenn ich gerne spontan laden möchte, dann bietet sich das Ad-hoc-Laden an. Dann fahre ich von Säule zu Säule und brauche gar keine App. Wenn ich aber einen günstigeren Preis haben möchte, dann lohnt es sich, verschiedene Apps der Anbieter herunterzuladen. Dort kann man sich relativ einfach registrieren. Ohne Grundgebühr habe ich keine Verpflichtung und kann dann über die App des Anbieters laden oder mit einer Ladekarte, die der Anbieter mir zusendet. Wenn ich oft fahre und nicht nur gelegentlich lade, dann lohnt es sich schon, auf den Preis zu achten, denn bei Tarifen mit Grundgebühr wird der Kilowattstundenpreis günstiger.
Am besten überlege ich erst einmal, wie hoch ist eigentlich mein Verbrauch im Monat? Fahre ich eher viel lade ich eher weniger an öffentlichen Ladesäulen. Und wenn ich einen hohen Verbrauch habe, kommen für mich wahrscheinlich die Tarife mit Grundgebühr in Frage. Wenn ich eher einen niedrigen Verbrauch habe, ein Tarif ohne monatliche Grundgebühr. Und dann kann ich mir verschiedene Apps auf mein Handy herunterladen und kann dort in der Karte schauen, wie ist zum Beispiel der Weg zu meiner Arbeit, wie viele Ladesäulen gibt es dort, welche Anbieter sind dort? Ich kann auch Geld sparen, wenn ich probiere, möglichst die eigenen Ladesäulen der Anbieter anzufahren und so Roaming-Gebühren im fremden Ladenetz zu vermeiden.
Und was ist bei der Wahl des passenden Tarifs noch wichtig?
Ein Tipp ist, dass ich eben mehrere Apps auf dem Handy habe oder auch mehrere Ladekarten. Die Preise sind sehr dynamisch, also die ändern sich sehr schnell. Deswegen lohnt es sich auch, immer wieder mal reinzuschauen: Gibt es beispielsweise einen In-App-Rabatt in einer App oder hat ein Anbieter eine günstige Sommeraktion? Das haben wir auch schon beobachten können. Und wenn ich dann mehrere Apps habe, kann ich dort gut an einer Ladesäule, an die ich rangefahren bin, den günstigsten Preis für mich identifizieren. Und gleichzeitig lohnt es sich auch, regelmäßig zu beobachten, denn die meisten Tarife mit Grundgebühr sind monatlich kündbar und deswegen kann ich sehr schnell im nächsten Monat auch mal einen anderen Tarif ausprobieren.
Das Gespräch führte Elisabeth Sieverding.