TKMS baut bis zu zwölf U-Boote für Kanada in Kiel und Wismar
Stand: 07.07.2026 20:12 Uhr Der Kieler Marineschiffbauer TKMS hat einen milliardenschweren Auftrag aus Kanada erhalten. Das Unternehmen liefert bis zu zwölf U-Boote nach Nordamerika. Das sagen Bundeskanzler Merz und SH-Ministerpräsident Günther. Für den Kieler Marineschiffbauer TKMS ist es der größte U-Boot-Auftrag in der Unternehmensgeschichte: Kanadas Premierminister Mark Carney hat vor seiner Abreise zum NATO-Gipfel in Ankara angekündigt, dass sein Land bis zu zwölf U-Boote bei der Thyssenkrupp-Rüstungstochter bestellen wird. TKMS stach bei dem Geschäft einen südkoreanischen Konkurrenten aus. Gebaut werden sollen die U-Boote in Kiel und am Werft-Standort Wismar in Mecklenburg-Vorpommern. Kanada bekommt gleiches Modell wie Deutschland und Norwegen Kanada bekommt von TKMS U-Boote des Typs 212CD. Dieses Modell haben Deutschland und Norwegen für die gemeinsame Nutzung entwickelt. Die Buchstaben "CD" stehen dabei für das gemeinsame Design ("Common Design"). Diese Baugleichheit soll die Kosten verringern und eine einfache Zusammenarbeit ermöglichen, der sich nun Kanada als dritter großer Partner anschließt. Verteidigungsministerium: Bündnis soll Russland abschrecken Nach Angaben des Bundesverteidigungsministeriums wollen die Kanadier ihre veraltete Victoria-Klasse ersetzen. Demnach zielt die Zusammenarbeit von Kanada, Norwegen und Deutschland darauf ab, die Abschreckungsfähigkeit der NATO zu stärken - besonders gegenüber der russischen Nordmeerflotte. So sollen künftig unter anderem gemeinsame Operationen kritische Unterwasserinfrastruktur wie Seekabel schützen. TKMS zählt zu einem der weltweit führenden Unternehmen im Bau nicht nuklear betriebener U-Boote. Nach früheren Angaben von TKMS will Kanada die ersten neuen Boote spätestens 2035 in Betrieb nehmen. Zuletzt hatte sich aber angedeutet, dass eine erste Auslieferung schon 2033 erfolgen könnte. Auch Zulieferbetriebe werden wohl von dem Großauftrag profitieren. So teilte das Kieler Unternehmen Anschütz mit, dass sie guter Hoffnung seien, an den Aufträgen von TKMS partizipieren zu können. Anschütz entwickelt nach eigenen Angaben seit vielen Jahren unter anderem für die Kieler Werft Systeme für Navigation, Steuerung und Automation. Kanzler Merz und Pistorius sehen starkes Zeichen Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) begrüßte die Entscheidung. Die kanadische Regierung setze damit vor dem NATO-Treffen ein starkes Zeichen der transatlantischen Zusammenarbeit. Das ist einer der größten, wenn nicht der größte Rüstungsauftrag in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland und es ist nicht nur wirtschaftlich eine schöne Nachricht. Es ist auch eine gute Nachricht für unsere gemeinsame Sicherheit. Bundeskanzler Friedrich Merz, CDU Für Außenminister Johann Wadephul (CDU) ist die Entscheidung eines der "ganz großen positiven Zeichen". Diese Zusammenarbeit bringe eine neue Tiefe in Bündnisse, sagte er heute Morgen im Deutschlandfunk. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) sprach von einem Meilenstein. Deutschland, Norwegen und Kanada werden gemeinsam die modernsten konventionellen U-Boote unserer Zeit produzieren. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius, SPD Politik sieht Standort Schleswig-Holstein gestärkt Auch Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) spricht von einer großartigen Nachricht für Schleswig-Holstein. Er teilte mit, der Auftrag bedeute unter anderem mehr Sicherheit für Arbeits- und Ausbildungsplätze im Land. "Der Kanada-Auftrag ist wichtig für unsere Sicherheit und in seiner Bedeutung für die Wirtschaft in Kiel und Schleswig-Holstein gar nicht hoch genug einzuschätzen", kommentierte der SPD-Landesvorsitzende und ehemalige Kieler Oberbürgermeister Ulf Kämpfer. Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) sieht bestätigt, dass es richtig war, den Werften in Krisenzeiten mit staatlichen Krediten auszuhelfen. Für den Nordosten sei der Auftrag aus Kanada wichtig, weil gut bezahlte, sozialversicherungspflichtige Jobs entstehen. Gewerkschaft rechnet mit weiteren Arbeitsplätzen Auch die IG Metall Küste sieht den TKMS-Deal positiv. IG-Metall-Chefin Stephanie Schmoliner sieht darin nicht nur Effekte für die Stadt Kiel, sondern auch langfristige Perspektiven für ganz Norddeutschland. Die Gewerkschaft rechnet mit weiteren Arbeitsplätzen - sowohl bei TKMS als auch bei zahlreichen Zulieferbetrieben im Norden. "Wir brauchen jetzt mehr Auszubildende. Das wird Kiel auf jeden Fall schon merken“, sagt sie.