Tochter IAV streicht über 2000 Stellen: Mehr als die Hälfte der Berliner Beschäftigten soll gehen
Die VW-Tochter IAV, der Betriebsrat und die IG Metall haben sich auf einen Zukunftstarifvertrag geeinigt. Bis Ende 2027 soll die Belegschaft deutschlandweit von rund 5000 auf 2970 Beschäftigte sinken – mehr als 2000 Stellen fallen weg. Für Berlin, wo nach Angaben der IG Metall derzeit 1250 Menschen bei der IAV arbeiten, bedeutet das: Der Standort bleibt erhalten, aber nur 530 Beschäftigte sollen langfristig in Berlin bleiben, wie die Sprecherin dem Tagesspiegel mitteilte. Für alle anderen sei ein Wechsel nach Gifhorn oder Stollberg möglich – oder eine Abfindung. Wie viele dieses Angebot annehmen werden, stehe bisher nicht fest, das hänge von individuellen Entscheidungen ab, so das Unternehmen. Zuerst hatten die Welt und das Manager Magazin über die Einigung berichtet. Proteste vorausgegangen In den Wochen vor der Einigung hatten Beschäftigte an mehreren Standorten mit Demonstrationen und Aktionen auf die Abbaupläne reagiert. „Die zeitweise im Raum stehende Schließung des Berliner Standorts konnte gemeinsam verhindert werden“, sagte Ines Beeck, Zweite Bevollmächtigte der IG Metall Berlin. „Entscheidend dafür war, dass sich die Kolleginnen und Kollegen organisiert, zusammengeschlossen und ihrem Arbeitgeber geschlossen entgegengestellt haben.“ Klarheit nach Monaten der Ungewissheit Die Stimmung unter den Beschäftigten beschreibt die Sprecherin der IAV als gespalten, aber erleichtert. „Egal in welcher Emotion man ist, man hört: Jetzt gibt es wenigstens Klarheit“, sagte sie. Über Monate habe die Geschäftsleitung bei wöchentlichen Mitarbeiter-Calls keine Antworten geben können. Wer in Berlin bleibt, soll in einem neuen IT-Hub arbeiten, der laut IAV etwa 60 Mitarbeitende umfassen soll. „Es ist wirklich ein sehr faires Programm“, sagte die IAV-Sprecherin dem Tagesspiegel. Die Gewerkschaft formuliert es nüchtern: „Der nun erzielte Kompromiss ist kein Grund zum Feiern, sondern mit harten Einschnitten für die Beschäftigten verbunden“, so Beeck. IAV-Chef Jörg Astalosch erklärte in einer Pressemitteilung des Unternehmens: „Diese Vereinbarung ist kein Abschluss, sie ist unsere Startlinie. Die eigentliche Arbeit beginnt jetzt.“ Neben dem Stellenabbau setzt IAV auf mehr Leistungsorientierung, weniger Homeoffice und den Ausbau von Künstlicher Intelligenz. VW hält 50 Prozent an IAV und hatte dem Manager Magazin zufolge die weitere Unterstützung des Unternehmens von einer Einigung abhängig gemacht.