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Todeszahl nach Angriff auf Einkaufszentrum steigt - Ukraine schlägt zurück

Welt

Bei dem Angriff auf ein ukrainisches Einkaufszentrum sind inzwischen 16 Tote gemeldet worden. Derweil besucht Außenminister Wadephul die Hauptstadt und bekundet sein Mitgefühl.

Nach dem russischen Drohnenangriff auf ein Einkaufszentrum in der südostukrainischen Großstadt Krywyj Rih ist die Zahl der Toten auf mindestens 16 gestiegen. Der ukrainische Zivilschutz sprach am Morgen von noch neun Vermissten, darunter zwei Kinder. Am Freitagabend war zunächst von 15 Toten und 130 Verletzten die Rede gewesen.

Präsident Wolodymyr Selenskyj teilte bei Telegram mit, dass die Such- und Rettungsarbeiten andauerten. Er hatte Russland zuvor einen Terroranschlag auf Zivilisten vorgeworfen. Nach seinen Angaben griffen die Drohnen in zwei Wellen an. "Eine halbe Stunde nach dem ersten Treffer und dem Ausbruch eines Brandes folgte ein erneuter Angriff auf die Rettungskräfte", berichtete er auf Facebook.

"Solche Angriffe sind schlichtweg Terrorakte", betonte er. Die Welt müsse entsprechend darauf reagieren – mit echtem Druck auf den Aggressor. "Damit Frieden herrschen kann, muss Russland tatsächlich zur Verantwortung gezogen werden."

Russland griff in der Nacht erneut auch die ukrainische Hauptstadt Kiew an. Dabei sei mindestens ein Mensch getötet worden, es gebe auch Verletzte, teilten die Behörden mit. Ein Lager geriet demnach in Brand. Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums wurde ein Eisenbahndepot mit Lokomotiven getroffen. Die Ukraine bestätigte den Angriff. Die ukrainische Flugabwehr hatte zuvor vor einem Angriff mit ballistischen Raketen gewarnt.

Ukraine attackiert erstmals russischen Versandhändler Ozon

Nach Berichten ukrainischer Medien griff Kiew derweil erneut im Gebiet Samara eine große Ölraffinerie an – und erstmals auch ein Lager des russischen Online-Versandhändlers Ozon. Das Unternehmen bestätigte einen Angriff auf sein Logistikzentrum im Gebiet Samara. Das Lager sei in Brand geraten, es seien 500 Mitarbeiter in Sicherheit gebracht worden; es gebe aber auch Verletzte, teilte Ozon am Morgen mit. Für Mitarbeiter und Angehörige sei ein Notruftelefon eingerichtet worden.

Zuvor hatte die Ukraine seit Wochen den größten russischen Online-Versandhändler Wildberries wiederholt mit Drohnen angegriffen. Die Schäden allein bei dem Unternehmen gehen nach Schätzungen von Branchenexperten in die Milliarden.

Moskau meldet neue Drohnenangriffe

Auch die russische Hauptstadt Moskau meldete am Morgen neue ukrainische Drohnenangriffe. Laut Behörden gab es wegen Flugalarms auf den Hauptstadtflughäfen zeitweilig keine Starts und Landungen.

Russland und die Ukraine haben ihre gegenseitigen Luftangriffe deutlich verstärkt. Experten sprechen von einer Eskalation der Gewalt auf beiden Seiten. Russland griff zuletzt verstärkt mit Marschflugkörpern und Raketen an, während die Ukraine überwiegend auf immer schnellere und weitreichendere Drohnen, aber auch auf Marschflugkörper setzt.

Wadephul reist nach Kiew

Kurz vor dem 35. Unabhängigkeitstag der Ukraine traf unterdessen Deutschlands Außenminister Johann Wadephul in Kiew ein, um dem Land die anhaltende Unterstützung Deutschlands im Abwehrkampf gegen Russland zu versichern. "Wir stehen an der Seite der Ukraine. Wir unterstützen sie. Sie wird diese militärische Auseinandersetzung gewinnen", sagte der CDU-Politiker nach seiner Ankunft mit einem Sonderzug in Kiew.

Er verwies darauf, dass die Ukraine in den Sommermonaten "auf das Härteste" von Russland angegriffen wurde. Wadephul warf Moskau "wahllosen Mord an Zivilisten" sowie gezielte Zerstörung der Energieinfrastruktur vor. Russland wolle die Lebensgrundlage der Menschen in der Ukraine zerstören und so ihren Durchhaltewillen brechen. Die täglichen Bilder der Zerstörung dürften "niemanden kaltlassen".

Wadephul sichert Ukraine Hilfe zu

Juli und August seien für die ukrainische Zivilbevölkerung die tödlichsten seit mehr als vier Jahren gewesen. "Nie vorher feuerte Russland mehr Raketen auf sein Nachbarland ab", sagte Wadephul. "Wir sehen das Leid, wir sehen, wie dieses Land kämpft und wir werden dieses Land weiter unterstützen."

Der Außenminister sicherte der Ukraine auch schon mit Blick auf den Winter, in dem verstärkte Angriffe auf die Energieinfrastruktur erwartet werden, weitere Hilfe zu. Kein Land investiert so viel in die militärische und finanzielle Unterstützung der Ukraine wie Deutschland. Die Bundesregierung hofft darauf, dass Russland durch militärischen Druck zu Verhandlungen bewegt wird. Die diplomatischen Bemühungen um ein Ende des Krieges sind zuletzt ins Stocken geraten.

Vierter Besuch in der Ukraine

"Dass die Ukraine mit internationaler Unterstützung den längeren Atem hat und dass eine Fortführung des Krieges Russland nur weiter in den wirtschaftlichen Ruin führt, wird immer mehr Menschen in Russland klar", sagte der Außenminister. "Die immer wirrere Propaganda und immer totalitärere Unterdrückung im Inneren ist auch ein Zeichen der Schwäche des Regimes."

Wadephul ist zum vierten Mal seit seinem Amtsantritt vor 16 Monaten in dem Land. Der Besuch wurde aus Sicherheitsgründen wie üblich nicht öffentlich angekündigt. Auch sein Programm in Kiew wird nicht bekanntgegeben. Im Mittelpunkt werden aber Gespräche mit der ukrainischen Führung stehen.

Am kommenden Montag vor 35 Jahren hat die Ukraine die Unabhängigkeit von der Sowjetunion erlangt. Um den Jahrestag herum finden Feierlichkeiten vor allem in der Hauptstadt Kiew statt.

Andauernder Luftangriff Russlands

Die russische Invasion in der Ukraine ist bereits viereinhalb Jahre her. Entlang der über 1.200 Kilometer langen Frontlinie gibt es zwar nur wenig Bewegung, beide Seiten verstärken aber ihre Luftangriffe auf Ziele im Hinterland des Gegners. Ukrainische Drohnenangriffe verursachen Engpässe bei der Spritversorgung in Russland. Auch Lager von russischen Versandhändlern und Rüstungsfabriken geraten immer wieder ins Visier.

Auf der anderen Seite sind die ukrainischen Streitkräfte wegen fehlender Abwehrmittel gegenüber ballistischen Raketenangriffen weitgehend hilflos. Raketen schlagen vor allem in der Hauptstadt Kiew und Umgebung ungehindert in Lagerhallen, Rüstungsbetrieben und Treibstoffdepots ein.

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Selenskyj bittet um Unterstützung

Am Donnerstag hatte Präsident Wolodymyr Selenskyj die Verbündeten nach massiven Angriffen auf Kiew erneut eindringlich um Unterstützung gebeten. "Es sind Raketen für Patriots nötig, das können nur unsere Partner bereitstellen", sagte er in einer Videoansprache. Es gehe nicht um Geschenke, sondern um die Bereitschaft der Ukraine, Waffen zu kaufen. Patriot-Luftverteidigungssysteme stammen aus US-Produktion, sind aber weltweit verbreitet. Auch Deutschland hat bereits Systeme an die Ukraine geliefert.

Staats- und Regierungschefs der sogenannten Koalition der Willigen werden am Montag über die weitere Unterstützung für die Ukraine beraten. Wie der Élysée-Palast in Paris am Freitag mitteilte, wird das Treffen im "hybriden Format" stattfinden – also mit einigen Teilnehmern vor Ort und anderen per Video zugeschaltet. Ein EU-Vertreter erklärte, rund zehn Teilnehmer würden für das Treffen nach Kiew reisen, unter ihnen EU-Ratspräsident António Costa. (afp/dpa/bearbeitet von the)

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