Todeszone im Golf von Mexiko bedroht Fische vor US
Startseite Panorama Riesige, fischtötende „Todeszone“ ohne Sauerstoff vor US-Küste entdeckt Uns auf Google folgen Vor der US-Küste fehlt einem Meeresgebiet fast der Sauerstoff. Ein Tropensturm ließ es kleiner erscheinen. Das Grundproblem bleibt ungelöst. Washington, D. C. – Vor der US-Küste hat sich erneut eine ausgedehnte sauerstoffarme „Todeszone“ gebildet. Das betroffene Gebiet im nördlichen Golf von Mexiko, den die US-Regierung als „Golf von Amerika“ bezeichnet, umfasst rund 3.450 Quadratkilometer und ist damit größer als das Saarland. Für Fische, Garnelen und andere Meeresbewohner kann der Sauerstoffmangel zur tödlichen Gefahr werden. Content-Partnerschaft Dieser Artikel entstand in Kooperation mit newsweek.com. Die diesjährige Zone fällt allerdings deutlich kleiner aus als von Wissenschaftlern erwartet. Dafür ist offenbar nicht in erster Linie eine nachhaltige Verbesserung der Wasserqualität verantwortlich. Der Tropensturm Bertha durchmischte kurz vor der Messfahrt das Meer und transportierte sauerstoffreiches Oberflächenwasser bis zum Meeresboden. Fische und Garnelen verenden qualvoll: „Todeszone“ vor US-Küste ist 3.450 Quadratkilometer groß Die US-Wetter- und Ozeanbehörde NOAA beziffert die hypoxische Zone in diesem Jahr auf 1.332 Quadratmeilen, umgerechnet rund 3.450 Quadratkilometer. Damit handelt es sich um die zweitkleinste gemessene Ausdehnung seit Beginn der jährlichen Untersuchungen vor 40 Jahren. Die Messfahrt fand vom 24. bis zum 30. Juli vor der Küste Louisianas statt. Als hypoxisch gelten nach Angaben der Behörde Gebiete, in denen am Meeresboden höchstens zwei Milligramm Sauerstoff pro Liter Wasser vorhanden sind. Unter solchen Bedingungen verlieren zahlreiche Arten ihren Lebensraum. Bewegliche Tiere wie Fische und Garnelen können fliehen, langsamere oder am Boden lebende Organismen haben diese Möglichkeit häufig nicht. Golf von Mexiko: Tropensturm Bertha wirbelt sauerstoffreiches Wasser auf Kurz vor Beginn der Untersuchung zog Tropensturm Bertha über den nördlichen Golf. Starke Winde und hohe Wellen durchmischten die Wasserschichten und drückten sauerstoffreiches Oberflächenwasser bis zum Meeresboden. Dadurch schrumpfte die bei der Messfahrt erfassbare sauerstoffarme Fläche vorübergehend deutlich. Die NOAA betont deshalb, dass die Messung nicht die gesamte zuvor vorhandene Ausdehnung erfasst haben dürfte. Außergewöhnliche Wetterereignisse können eine Todeszone kurzfristig aufbrechen, ohne deren Ursachen zu beseitigen. Die diesjährige geringe Größe ist daher kein verlässlicher Beleg für eine dauerhaft verbesserte ökologische Lage. NOAA hatte eine deutlich größere Todeszone erwartet Noch im Juni hatte NOAA eine überdurchschnittlich große Todeszone von rund 7.027 Quadratmeilen prognostiziert. Das entspricht etwa 18.200 Quadratkilometern und damit mehr als dem Fünffachen der nun gemessenen Fläche. Grundlage der Prognose waren vorrangig der Wasserabfluss des Mississippi und die vom US Geological Survey (USGS), der geowissenschaftlichen Bundesbehörde der USA, gemessenen Nährstoffeinträge. Das Messergebnis lag sogar außerhalb des Unsicherheitsbereichs der Modellprognose. Die Modelle gehen von weitgehend üblichen Wetterbedingungen aus und können größere Stürme unmittelbar vor einer Messfahrt nur begrenzt berücksichtigen. NOAA sieht in dem starken Unterschied deshalb auch eine Chance, die Auswirkungen von Extremwetter auf die Bildung und Auflösung sauerstoffarmer Gebiete genauer zu untersuchen. So entsteht die „Todeszone“ im Golf von Mexiko Auslöser sind vordergründig große Mengen Stickstoff und Phosphor, die über das Einzugsgebiet des Mississippi und des Atchafalaya River in den Golf gelangen. Die Nährstoffe stammen unter anderem aus Landwirtschaft, Abwässern und städtischem Regenwasser. Im Meer fördern sie ein starkes Wachstum von Algen. Sterben die Algen ab, sinken sie zum Meeresboden und werden dort von Bakterien zersetzt. Dieser Prozess verbraucht große Mengen Sauerstoff. In warmen Sommermonaten verhindert die stabile Schichtung des Wassers zugleich, dass ausreichend sauerstoffreiches Wasser aus den oberen Schichten nach unten gelangt. Fische und Garnelen verlieren wichtige Lebensräume Für zahlreiche Meerestiere wird die hypoxische Zone dadurch unbewohnbar. Fische und Garnelen verlassen das Gebiet, sofern sie rechtzeitig ausweichen können. Muscheln, Würmer, Schnecken und andere bodenbewohnende Organismen können dagegen geschädigt werden oder sterben, wenn der Sauerstoffmangel lange anhält. Auch überlebende Tiere können unter den Folgen leiden. Forschungsergebnisse zeigen, dass Sauerstoffmangel Wachstum, Fortpflanzung, Nahrungssuche und die Nutzung von Lebensräumen verändert. Dadurch kann sich die Zusammensetzung ganzer Lebensgemeinschaften am Meeresboden verschieben. Todeszone kann Fischerei und Tourismus belasten Die Auswirkungen reichen über den Naturschutz hinaus. Wenn sich Fische und Schalentiere in kleinere Gebiete zurückziehen, verändern sich Fanggründe und Wanderungsmuster. Berufsfischer müssen möglicherweise weitere Wege zurücklegen oder mit schwankenden Fangerträgen rechnen. NOAA verweist zudem auf mögliche Folgen für Freizeitfischerei, Küstentourismus und die Meeresfrüchteindustrie. Die jährlichen Untersuchungen sollen helfen, ökologische Schäden besser vorherzusagen und Gegenmaßnahmen zu entwickeln. Der Golf zählt für mehrere US-Bundesstaaten zu den wichtigsten Wirtschafts- und Fischereiräumen. Meerestiersterben vor US-Küste: Auch Delfine und Wale können indirekt betroffen sein Meeressäuger wie Delfine und Wale sind nicht unmittelbar auf den im Wasser gelösten Sauerstoff angewiesen, weil sie an der Oberfläche Luft holen. Sie können sauerstoffarme Gebiete zudem verlassen. Dennoch kann sich die Todeszone indirekt auf sie auswirken, wenn sich ihre Beutetiere verlagern oder deren Bestände abnehmen. Verändern sich die Aufenthaltsgebiete von Fischen und Tintenfischen, müssen auch Räuber ihre Jagdstrategien anpassen. Wiederkehrende Todeszonen können dadurch Auswirkungen entlang der gesamten Nahrungskette entfalten. Wie stark einzelne Meeressäuger betroffen sind, hängt von Art, Beuteangebot und Ausdehnung der hypoxischen Gebiete ab. Die „Todeszone“ im Golf von Mexiko in Zahlen Hinweis: Die Prognose, den langjährigen Durchschnitt und den Rekordwert nennt NOAA in der Prognose vom Juni 2026. Das Ziel für 2035 bezieht sich ausdrücklich auf den Fünfjahresdurchschnitt, nicht auf ein einzelnes Messjahr. | Quelle: NOAA und National Centers for Coastal Ocean Science; Flächenangaben aus Quadratmeilen gerundet in Quadratkilometer umgerechnet. Fünfjahresdurchschnitt liegt noch deutlich über dem Ziel Die geringe Messung dieses Jahres ändert wenig am langfristigen Bild. Der Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre liegt laut NOAA bei 3.745 Quadratmeilen, umgerechnet rund 9.700 Quadratkilometern. Damit ist die durchschnittliche Todeszone weiterhin fast doppelt so groß wie das für 2035 festgelegte Ziel. Die zuständige Hypoxia Task Force will den Fünfjahresdurchschnitt bis 2035 auf weniger als 5.000 Quadratkilometer senken. Dafür sollen die Einträge von Stickstoff und Phosphor im gesamten Einzugsgebiet des Mississippi verringert werden. Die US-Umweltbehörde EPA setzt dabei unter anderem auf regionale Nährstoffstrategien, bessere Abwasserbehandlung und eine engere Zusammenarbeit mit Landwirtschaft und Bundesstaaten. NOAA warnt vor falschen Schlüssen aus kleiner Todeszone „Die Messung der hypoxischen Zone liefert weit mehr als nur eine Art Zeugnis über die Sauerstoffwerte im Golf“, erklärte Timothy Petty, bei NOAA für Ozeane und Atmosphäre zuständig. Die über 40 Jahre gesammelten Daten könnten dabei helfen, bessere Strategien im Einzugsgebiet zu entwickeln und künftige Folgen im Golf zu begrenzen. Die Wissenschaftler werten das diesjährige Ergebnis daher nicht als Entwarnung. Der Sturm hat die Todeszone kurz vor der Untersuchung aufgewühlt und vorübergehend verkleinert. Ohne eine dauerhafte Senkung der Nährstoffeinträge dürfte sich der Sauerstoffmangel auch in kommenden Sommern erneut ausbreiten.