DAX +0,15 % 26.338,61 Pkt 18:00:00 MDAX +0,29 % 32.356,98 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 -0,14 % 6.530,45 Pkt 18:00:00 Dow Jones -0,46 % 53.593,13 Pkt 18:20:02 S&P 500 -0,29 % 7.776,04 Pkt 18:20:02 Nasdaq -0,20 % 26.749,59 Pkt 18:20:05 Nikkei +0,74 % 69.220,25 Pkt 08:45:03 Gold +1,06 % 4.484,30 USD 18:10:06 Silber +2,15 % 66,51 USD 18:10:06 Brent +0,46 % 88,93 USD 18:10:04 WTI +0,23 % 82,59 USD 18:10:07 Bitcoin +1,93 % 64.028,91 USD 18:20:04 EUR/USD +0,50 % 1,15930 USD 18:19:57 EUR/GBP -0,05 % 0,85450 GBP 18:20:07 EUR/CHF -0,06 % 0,93840 CHF 18:20:06 EUR/JPY +0,43 % 184,672 JPY 18:20:07

Tool kann jeder das Tempelhofer Feld bebauen – oder eben nicht

Technologie

„Bei den ganzen Diskussionen um die Zukunft des Tempelhofer Feldes haben wir uns gedacht: Warum fragen wir nicht mal die Berlinerinnen und Berliner, wie sie sich die Fläche wünschen?“, erzählt Max Mundhenke. Gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Jan Silbersiepe hat er das kostenlose KI-Tool „Future Feld“ entwickelt. Mit drei Fragen zur Randbebauung, zur Feldmitte und zur Atmosphäre des Feldes lassen sich spielend leicht Bildentwürfe generieren. Ausgangspunkt ist ein Referenzbild des Tempelhofer Feldes aus der Vogelperspektive. Die Anwendung wurde darauf trainiert, das Bild anhand der Nutzereingaben entsprechend zu verändern und innerhalb kurzer Zeit einen individuellen Entwurf zu erstellen. „Dank KI muss man kein technischer Zeichner sein, um seine eigene Idee zu visualisieren“, erklärt Mundhenke. Anschließend fragt der Bot, ob der eigene Entwurf in eine öffentliche Bildergalerie aufgenommen werden soll. Das Projekt steht noch am Anfang. Künftig könnten weitere Funktionen hinzukommen, etwa ein Voting, bei dem Bürgerinnen und Bürger die Entwürfe bewerten und über ihre Favoriten abstimmen können. Wenn sich passende Sponsoren finden, kann sich Mundhenke auch eine Posteraktion mit ausgewählten Entwürfen im Stadtgebiet vorstellen, um zu sehen, wie darauf reagiert wird. Auch bei Ausstellungen mit anschließenden Diskussionen – etwa auf dem Tempelhofer Feld oder im Bundestag – möchten die Entwickler die Anwendung gerne präsentieren. Die Randbebauung des Tempelhofer Feldes ist seit Jahren ein Streitthema der Berliner Landespolitik. 2014 ergab ein Volksentscheid, die komplette Freifläche solle erhalten bleiben. Nicht zuletzt wegen der deutlich verschärften Situation auf dem Berliner Wohnungsmarkt wird die Bebauung der Randbereiche jedoch immer wieder ins Gespräch gebracht. Erst im Mai wurde ein Entwurf der Architekten Hans Kollhoff und Tobias Nöfer veröffentlicht. Vorgesehen sind demnach 21.414 Wohnungen für rund 50.000 Menschen entlang des Randes des Feldes. Die rund 200 Hektar große Freifläche in der Mitte des Areals bliebe erhalten. Berlins CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers will die Randbebauung des Tempelhofer Feldes ohne einen neuen Volksentscheid oder eine Bürgerbefragung durchsetzen. Die Berlin-Wahl am 20. September wertet er als Votum über die Pläne für den Wohnungsbau: „Diese Wahl ist für mich auch eine Abstimmung über eine Randbebauung am Tempelhofer Feld.“ SPD-Spitzenkandidat für die Bürgermeisterwahl, Steffen Krach, lehnt eine Randbebauung des Feldes dagegen ab. Stattdessen brachte er kürzlich die Idee ins Spiel, auf der Freifläche eine künstliche Surfwelle einzurichten. Mit Future Feld lässt sich nun selbst ausprobieren, wie eine sinnvolle Bebauung aussehen könnte. Die KI setzt die Bilder anhand der Nutzerangaben so um, wie sie die jeweilige Beschreibung interpretiert. „Der KI so präzise Angaben zu machen, dass sie eine Idee genau so umsetzt, wie man sich das vorstellt, ist einer der aktuell viel beschworenen Future Skills“, sagt Mundhenke. Gleichzeitig gibt es Grenzen. Eingebaute Sicherheitsvorgaben verhindern nach Angaben der Entwickler die Darstellung von Nacktheit, verbotenen Symbolen oder gewaltverherrlichenden Inhalten. Erfahrungen sammelten Mundhenke und sein Geschäftspartner bereits mit einem ähnlichen Projekt für die Kunsthalle Düsseldorf. Im Zuge der Sanierung sollte eine interaktive Ausstellung ermöglichen, eigene Entwürfe für die Zukunft der Kunsthalle und ihres Vorplatzes zu entwickeln. Dabei entstanden unter anderem Ideen für ein neues Verkehrskonzept mit mehr Radwegen. Die Vorschläge wurden anschließend nach Kategorien gebündelt an die Stadt weitergegeben. Das Projekt sei vor allem als Kunstprojekt zu verstehen, erklärt Mundhenke. Es solle zeigen, was mit KI möglich ist, und zugleich positive Anwendungsmöglichkeiten der Technologie aufzeigen. Die Nutzerinnen und Nutzer könnten sich kreativ austoben und Dinge ausprobieren. Besonders Kinder hätten dabei viel Spaß gehabt: Aus der Kunsthalle wurde in den Entwürfen etwa ein riesiger Döner-Spieß oder ein Freizeitpark. Auch die Ideen für das Tempelhofer Feld müssen nicht der Realität entsprechen. So lassen sich etwa Entwürfe für eine Skipiste oder Hunderte Brunnen auf der Gesamtfläche erstellen. „Die einzige Grenze für die Entwürfe ist die menschliche Kreativität“, sagt Mundhenke. Jede Bildgenerierung koste aber Geld und verbrauche etwa so viel Energie, wie nötig sei, um ein Handy von null auf 100 Prozent aufzuladen, erklärt Mundhenke. Deshalb seien die Entwickler derzeit auf der Suche nach Sponsoren, die das Projekt unterstützen oder gemeinsam weiterentwickeln wollen. Ziel sei es auch, den entstehenden CO₂-Ausstoß auszugleichen.

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