Totale Sonnenfinsternis bringt unerklärliches Phänomen mit sich
Startseite Wissen Totale Sonnenfinsternis bringt fliegende Schatten mit sich – Forscher können Phänomen nicht erklären Von: Tanja Banner Uns auf Google folgen Kurz vor und nach der totalen Phase einer Sonnenfinsternis kann man ein seltsames Phänomen beobachten, das selbst Fachleute nicht ganz erklären können. München – Totale Sonnenfinsternisse zählen zu den spektakulärsten Himmelsereignissen überhaupt. Doch unmittelbar vor dem Moment der Totalität zeigt sich ein weiteres Schauspiel, das selbst erfahrene Astronomen ins Staunen versetzt: Auf hellen Oberflächen beginnen blasse, wellenartige Muster zu tanzen. Diese sogenannten fliegenden Schatten gehören zu den geheimnisvollsten Begleiterscheinungen einer totalen Sonnenfinsternis. Bereits vor Hunderten Jahren schilderten Beobachter flackernde, schlangenartige Schatten, die unmittelbar vor und nach der totalen Phase einer Sonnenfinsternis über den Erdboden gleiten. Lange Zeit galten diese Berichte als optische Täuschung. Mittlerweile steht fest: Die fliegenden Schatten existieren tatsächlich – eine vollständige wissenschaftliche Erklärung fehlt jedoch bis heute. Fliegende Schatten bei einer totalen Sonnenfinsternis: Es gibt Erklärungsversuche Unmittelbar vor der Totalität schrumpft die sichtbare Sonne zu einer extrem schmalen Sichel. Das verbliebene Licht trifft nahezu parallel auf die Erdatmosphäre. Temperaturunterschiede und Luftturbulenzen brechen die Strahlen unregelmäßig – dadurch entstehen wandernde Streifen aus Licht und Schatten. Typischerweise messen diese Muster nur wenige Zentimeter in der Breite. Sichtbar bleiben sie lediglich für Sekunden, maximal zwei Minuten. In der Fachzeitschrift Astronomy & Astrophysics beschrieb der Astrophysiker Johanan L. Codona 1986 das Phänomen als atmosphärische Szintillation – derselbe Effekt, der Sterne funkeln lässt. Turbulente Luftschichten in der Troposphäre erzeugen demnach Interferenzmuster, die als wandernde Streifen erscheinen. Je länger die Finsternis andauert und je schmaler die Sonnensichel wird, desto deutlicher treten die fliegenden Schatten hervor. Muster der fliegenden Schatten entstehen weit oben in der Atmosphäre Während der totalen Sonnenfinsternis am 21. August 2017 untersuchte ein Team der University of Pittsburgh unter Professor David Turnshek das Phänomen mit Ballons und hochempfindlichen Kameras. Das überraschende Ergebnis: Die gemessenen Signale stammten aus Höhen, die deutlich über der von Codona angenommenen turbulenten Bodenschicht liegen. Die Szintillations-Theorie erklärt die Beobachtungen offenbar nicht vollständig. Bei der Sonnenfinsternis vom 8. April 2024 weiteten Wissenschaftler ihre Untersuchungen aus. Mehrere Ballons verfolgten die fliegenden Schatten systematisch aus großer Höhe. Die Daten deuten darauf hin, dass die Muster in Atmosphärenschichten entstehen, die weit oberhalb der Troposphäre liegen – ein Befund, der Codonas Modell erheblich erschüttert. Totale Sonnenfinsternis lässt sich auf die Sekunde genau berechnen – fliegende Schatten nicht