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Toto Wolff platzt der Kragen: "Wer das glaubt, ist hirnlos!"

Sport

(Motorsport-Total.com) - Toto Wolff hat scharf auf Spekulationen reagiert, Mercedes würde Kimi Antonelli gegenüber George Russell bevorzugen. Der Teamchef bezeichnet die Urheber solcher Theorien als "hirnlos" und empfahl ihnen, lieber die Teletubbies zu schauen.

Hintergrund ist Russells Motorschaden in Malaysia, einen dadurch notwendigen Wechsel der Power-Unit und die unterschiedliche Aerodynamik, mit der die beiden Mercedes-Piloten beim Großen Preis von Singapur antreten.

"Wer das glaubt, ist hirnlos. Das ist völlig unsinnig", stellt Wolff am Freitag in Singapur klar. Er könne nicht nachvollziehen, wie jemand ernsthaft annehmen könne, Mercedes würde einen eigenen Fahrer absichtlich benachteiligen - zumal das Team auch um die Konstrukteurs-Weltmeisterschaft kämpfe.

"Glauben die, ich hätte einen Knopf, auf dem steht: 'Jetzt Motorschaden bei George‘? Oder dass wir einen Fahrer gegenüber dem anderen benachteiligen, während wir um die Konstrukteurs-WM kämpfen? Wir haben immer die Einstellung gehabt, beiden Fahrern das gleiche Material zur Verfügung zu stellen", so Wolff.

Unterschiedliche Updates befeuern Spekulationen

Auslöser der Diskussionen ist eine Reihe von Umständen, die Russell in den vergangenen Rennen benachteiligt haben. Sein Motorschaden beim Rennen in Malaysia zwang ihn zu einem vorgezogenen Wechsel der Power-Unit und einer entsprechenden Startplatzstrafe. Eigentlich hatte Mercedes gehofft, dass Russell später im Monat noch von einem ADUO-Upgrade profitieren könnte.

Weil Russell ohnehin eine Strafe hinnehmen muss, fährt er in Singapur mit dem älteren Aerodynamikpaket. Der Brite selbst hatte angeregt, zur vorherigen Version zurückzukehren. Mit dieser hatte er in Baku gewonnen, bevor Mercedes in Sepang einen überarbeiteten Unterboden und neue Seitenkästen einführte.

Antonelli fährt in Singapur dagegen weiterhin mit den neueren Komponenten. Damit ist allerdings nicht automatisch gesagt, dass das ältere Paket für Russell die bessere Wahl ist. Wolff betont, Mercedes wisse nicht im Voraus, welche Version schneller sein werde. Die unterschiedliche Ausstattung diene dazu, genau das herauszufinden.

"Beim Upgrade ist das ein gutes Beispiel. Wir wissen nicht, welche Version schneller sein wird. Also trifft man eine Entscheidung und sagt: 'Lasst es uns herausfinden.‘ Dahinter steckt keinerlei politisches Kalkül", erklärt der Österreicher.

Zusätzlich befeuerte ein kurzer TV-Ausschnitt die Spekulationen: Wolffs Gesichtsausdruck, als Russell in Malaysia ausfiel, wurde in sozialen Netzwerken als vermeintlicher Hinweis auf eine angebliche Bevorzugung Antonellis interpretiert.

Wolff erinnert an Hamilton und Rosberg

Wolff sieht in solchen Vorwürfen ein wiederkehrendes Muster. Bereits in der Vergangenheit habe es ähnliche Anschuldigungen von Fans gegeben, unter anderem während der Zeit von Lewis Hamilton bei Mercedes.

"Vielleicht ist das einfach der Zustand der sozialen Medien heute. Die Leute verstecken sich hinter ihren Bildschirmen und schlagen dann um sich", sagt Wolff. Die zunehmende Polarisierung führe dazu, dass er manche Kommentare inzwischen eher unterhaltsam finde.

Seine Reaktion fällt entsprechend deutlich aus: "Ich habe wirklich null Verständnis und Respekt für Leute, die sich solche Dinge ausdenken. Statt Formel 1 zu schauen, sollten sie lieber die Teletubbies oder, keine Ahnung, Mickey Mouse schauen."

Wie Alain Prost Wolffs Fahrerführung beeinflusste

Gleichzeitig erklärt Wolff, wie wichtig ihm ein fairer Umgang mit seinen Fahrern sei. Er habe sich bereits zu Beginn seiner Formel-1-Zeit vorgenommen, möglichst ausgewogen und transparent zu handeln. Eine Begegnung mit Alain Prost habe ihn dabei geprägt.

Als Rookie sei er Prost einmal am Start eines Rennens begegnet und habe ihn gefragt, warum es zwischen ihm und Ayrton Senna so schlecht gelaufen sei. Prost habe ihm erklärt, dass die Fahrer nie gewusst hätten, woran sie bei ihrem Team seien. Mal habe man sich als bevorzugter Fahrer gefühlt, wenige Monate später dagegen politisch ins Abseits gedrängt.

"Ich habe das als meine Herausforderung gesehen: immer für Ausgewogenheit zu sorgen", sagt Wolff. Das sei insbesondere während der Rivalität zwischen Hamilton und Nico Rosberg nicht einfach gewesen. Trotzdem sei die Integrität in diesem Punkt für ihn entscheidend.

Gleiche Chancen trotz Antonellis WM-Vorsprung

Dass Antonelli in der Meisterschaft inzwischen deutlich vor Russell liegt, macht die Frage nach der internen Rollenverteilung besonders brisant. Russell liegt laut 84 Punkte hinter seinem Teamkollegen. Damit ist Antonellis Titelchance rechnerisch größer.

Wolff betont jedoch, dass beide Fahrer eine enge persönliche Beziehung zu ihm hätten. Antonelli sei seit seinem elften Lebensjahr Teil des Mercedes-Nachwuchsprogramms. Russell gehört seit seinem 17. Lebensjahr zum Umfeld des Teams.

"Kimi ist ein integraler Bestandteil des Teams. Es ist schön zu sehen, wie er sich entwickelt hat und jetzt in so jungem Alter um eine Meisterschaft kämpft", so Wolff. Gleichzeitig empfinde er auch für Russell große Verbundenheit: "Wir stehen uns sehr nahe."

Entscheidend sei für ihn, dass beide Fahrer wüssten, wie das Team arbeite. "Das Wichtigste ist, dass George weiß, wie das Team funktioniert, und Kimi ebenfalls. Wir werden immer versuchen, beiden die gleichen Chancen zu geben."

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