Tour de France Femmes: Sigrid Haugset hält sogar Kopecky in Schach
In einem von Beginn an hektischen Rennen, in dem es unter anderem auch einen Sturz von Mitfavoritin Demi Vollering (konnte ohne offensichtliche Einschränkungen weiterfahren) gab, setzte sich Haugset nach etwas weniger als 70 Kilometern ab. Die Tour-Favoritinnen ließen die Norwegerin gewähren, über vier Minuten fuhr sie auf das Peloton, zu dem unter anderem auch Antonia Niedermaier (im Gesamtklassement nun 16. mit 2:18 Minuten Rückstand) gehörte, heraus. Bevor der Rückstand so groß war, löste sich Kopecky und machte sich auf die Jagd nach Haugset - vergeblich. Rund zehn Kilometer vor Schluss war die Weltklasseathletin auf zehn Sekunden an ihre Konkurrentin herangefahren, doch die fand noch ein paar Reserven, zündete den Turbo und setzte sich schnell wieder auf über eine halbe Minute ab. Im Ziel lag Haugset sogar 1:24 Minuten vor Kopecky. Marianne Vos führte das Feld der Favoritinnen mit 2:48 Minuten Rückstand über die Linie. Haugset nach ihrem Sieg völlig überwältigt Haugset sicherte sich mit ihrem fantastischen Solo aber nicht nur den erst zweiten Sieg ihrer Karriere nach der norwegischen Meisterschaft vor etwas mehr als einem Monat, sondern sie fuhr auch ins Gelbe Trikot der Gesamtführenden. "Eigentlich müsste ich sagen, dass ein Traum wahr geworden ist, aber ich habe nie darüber nachgedacht, weil ich es nicht für möglich gehalten habe. Das fühlt sich so surreal an", sagte die 27-Jährige nach dem längsten Solo-Sieg der Tour-Geschichte der Frauen. Haugset weiter: "Ich war mir irgendwann sicher, dass mich Lotte einholen würde und habe gedacht, der zweite Platz wäre ja auch ganz schön. Aber alle haben mich angefeuert und ich habe es doch geschafft, ich kann es gar nicht glauben, dass sie mich nicht gekriegt hat, das ist fantastisch. Ich kann das noch gar nicht realisieren." Wiebes muss früh abreißen lassen und hofft auf Samstag Nach ihren beiden überlegenen Sprint-Siegen war schon früh klar, dass Lorena Wiebes nicht nur keine Chance auf den nächsten Triumph haben würde, sondern, dass sie auch das Gelbe Trikot verlieren würde. Mit dem Col de la Faucille stand bereits in der Startphase der Etappe der erste Berg dieser Etappe und der diesjährigen Tour de France Femmes auf dem Programm und da verlor die Top-Sprinterin bereits den Anschluss. Der Rückstand wuchs, weit hinter der Spitze fuhr sie Richtung Ziel. Für Wiebes wird es in den nächsten Tagen darum gehen, schadlos durchs Zeitfahren und über die Berge zu kommen - ihre dritte Stunde könnte dann am Samstag auf der achten Etappe von Sisteron nach Nizza schlagen. Auf der stehen nur noch vier Anstiege der vierten Kategorie und 1420 Höhenmeter auf dem Programm, eine Massensprint ist auf dem Terrain also wahrscheinlich - und damit auch ein weiterer Wiebes-Triumph. Gelb-Anwärterinnen im Zeitfahren gefragt Bevor die Niederländerin wieder an der Spitze auftauchen wird, rückt der Kampf ums Gelbe Trikot in den Fokus. Am Dienstag findet nach zwei Jahren wieder ein Zeitfahren bei der Tour de France Femmes statt, auf 21 meist flachen Kilometern mit einer giftigen Rampe nach etwa der Hälfte der Strecke geht es für die Favoritinnen um wichtige Sekunden. Vor der Entscheidung am Mont Ventoux am Freitag gibt es dann noch zwei schwere bergige Etappen mit jeweils über 2500 Höhenmetern.