Tour de France: Historische Etappe endet im chaotischen Massensprint
Die 11. Etappe wird im Rekordtempo gefahren. Die schnellste Straßenetappe der Tour-Geschichte gewinnt der Norweger Sören Waerenskjold. Die deutschen Hoffnungen haben das Nachsehen. Pascal Ackermann saß völlig ausgepumpt am Teambus und atmete schwer, seinen Nacken kühlte er mit einem nassen Handtuch. Die schnellste Straßenetappe der Tour-Geschichte hatte beim deutschen Sprinter sichtbar Spuren hinterlassen - nur jubeln durfte Ackermann wie auch die anderen deutschen Hoffnungen wieder nicht. Am Ufer der Loire hatte der Norweger Sören Waerenskjold die versammelte Sprint-Elite bei der chaotischen Massenankunft der 11. Etappe düpiert. "Es ist unglaublich", sagte Waerenskjold, der nach 161,3 km in Nevers seinen größten Karriereerfolg feierte: "Als ich hierhergekommen bin, wusste ich, dass es zwei oder drei Fahrer gibt, die schneller sind als ich. Aber wenn ich Glück habe und den richtigen Moment erwische - so wie heute -, dann ist es möglich." Waerenskjold vom Team Uno-X Mobility verwies den Niederländer Olav Kooij (Decathlon CMA CGM) und den Belgier Japser Philipsen (Alpecin-Premier Tech) auf die Plätze. Ackermann (Jayco AlUla) wurde als bester Deutscher Zehnter der Etappe, die mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 50,91 km/h die schnellste Straßenetappe in der Geschichte der Tour de France war. "Wir haben nur am Hinterrad gehangen und so schnell getreten, wie es ging", sagte Ackermann in der ARD: "Es war eine schnelle Etappe, aber eigentlich genau so, wie wir es heute Morgen erwartet hatten." Max Kanter (XDS Astana) belegte den 17. Platz, Phil Bauhaus (Bahrain-Victorious) beendete den Tag auf dem 23. Rang. Pogacar weiterhin im Gelben Trikot Das Gelbe Trikot von Spitzenreiter Tadej Pogacar geriet auf dem weitgehend flachen Teilabschnitt an das Ufer der Loire nicht in Gefahr. Der viermalige Gesamtsieger aus Slowenien (UAE Emirates-XRG) hat weiter 3:36 Minuten Vorsprung auf Verfolger Jonas Vingegaard (Dänemark/Visma-Lease a Bike). Der Vorjahresdritte Florian Lipowitz (Red Bull-Bora-hansgrohe) ist Sechster (+4:44). Nach den Hitzetagen der ersten Tour-Hälfte sorgte der verregnete Auftakt zur 11. Etappe für eine willkommene Abwechslung. Das Risiko scheuten die Fahrer auf rutschigem Asphalt nicht, der Kampf um den Sprung in die Fluchtgruppe des Tages wurde mit Vollgas ausgefahren. Ein Quartett um den zweimaligen französischen Weltmeister Julian Alaphilippe setzte sich ab. Mit nur zwei Bergwertungen der 4. Kategorie waren Erfolgsaussichten jedoch praktisch nicht vorhanden. Denn das Tempo auf der Express-Etappe blieb auch bei aufklarendem Himmel hoch. Zur Halbzeit lag der Temposchnitt bei über 52 km/h. Pogacar rollte im Gelben Trikot locker mit, einzig ein Defekt seines Funkgeräts störte den für ihn ansonsten ereignisarmen Tag. Pogacars deutscher Edelhelfer Nils Politt half mit einem Ersatzgerät aus - Pogacar war schnell wieder auf Empfang. Schreckmoment um Zimmermann Der frühere deutsche Meister Georg Zimmermann sorgte mit einem Sturz in der Verpflegungszone rund 30 km vor dem Ziel für einen Schreckmoment. Der Profi des Teams Lotto-Intermarché stieg wieder aufs Rad, wurde jedoch von den Tour-Medizinern betreut. Eine Engstelle sechs Kilometer vor dem Ziel nahm das Peloton ohne Zwischenfälle, dann begann die Vorbereitung auf den "Sprint Royal". Dabei drückte das Feld unerwartet auf die Bremse. "Ich würde sagen, die letzten zehn Kilometer waren die langsamsten vom ganzen Tag. Keiner wusste wirklich, wann es jetzt losgeht", sagte Ackermann. Als es losging, wurden die ganz großen Namen wie Tim Merlier von Waerenskjolds Vorstoß überrascht. Der Belgier, der bislang zwei Etappen im Sprint gewonnen hat, kam nicht über den 15. Platz hinaus. Am Donnerstag bietet sich den Sprintern schon die vermutlich letzte Chance auf einen Tageserfolg. Die 179,1 km lange zwölfte Etappe von der ehemaligen Formel-1-Strecke in Magny-Cours nach Chalon-sur-Saône bietet gute Voraussetzungen für einen weiteren Massensprint.