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Tour de France: Pogacar holt Gelb aus einer Laune heraus

Sport

Das Bild, das sich Tadej Pogacar bot, war eher trist. Da stand der Slowene nun in seinem Gelben Trikot auf dem Podium der Tour de France und blickte auf einen fast menschenleeren Parkplatz. "Das war schon traurig, dass da nur ein paar Fotografen und wenige Leute standen", sagte Pogacar kurze Zeit später.

Verhältnisse gerade gerückt

Wegen der Waldbrände im Südwesten Frankreichs hatten die Tourveranstalter die Zuschauer aufgefordert, nicht an die Strecke zu kommen. An manchen Orten hatte sich dennoch eine stattliche Zahl Fans zusammengefunden. Auf dem Schlussanstieg und im Ziel der 3. Etappe in Les Angles aber hatte die Gendarmerie dafür gesorgt, dass kaum jemand vor Ort mitbekommen konnte, wie Pogacar die Verhältnisse schon am 3. Tag der Tour wieder gerade rückte.

Zwei Tage hatte Pogacar seinem vermutlich größten Widersacher, dem Dänen Jonas Vingegaard, das Maillot Jaune überlassen müssen, nachdem dieser beim Mannschaftszeitfahren am ersten Tag der Tour als Schnellster im Ziel gewesen war. Nun saß er selbst wieder in Gelb bei der Pressekonferenz nach drei aufregenden Renntagen. "So habe ich mir das vor der Tour auch nicht vorgestellt", sagte er. "Aber jetzt rollen wir damit weiter."

Pogacar ändert den Plan

Der 27 Jahre alte Überflieger des Radsports hatte das Gelbe Trikot auch eher aus einer Laune heraus erobert. Sein UAE-Team war wie so viele andere auch mit der Idee in den Tag gestartet, dass eine Fluchtgruppe um den Etappensieg balgen werde. Doch dann harmonierten die 18 Fahrer an der Spitze in der Hitze des Tages nicht so richtig, weshalb Pogacar die Pläne einfach über den Haufen warf.

"Tadej hat zu uns gesagt, er fühle sich gut und uns nach vorne geschickt", berichtete Pogacars Teamkollege Florian Vermeersch später im Ziel in Les Angles. Dem Belgier oblag es dann als erstem von Pogacars Helfern, sich vor das Feld zu spannen und das Tempo zu forcieren. "Ich habe immer Spaß an so was, aber wenn meine Arbeit vorbei ist, muss ich auch immer sehr leiden", sagte Vermeersch, wusste aber um die Belohnung. "Es ist großartig, dass er es zu Ende gebracht hat."

Vingegaards Pläne durchkreuzt

Pogacar brachte es mit einem Sprint auf den letzten 500 Metern zu Ende, der ihm nicht nur zehn Bonussekunden einbrachte, sondern weitere zwei Sekunden auf Vingegaard gutmachen ließ, der als Zweiter immerhin noch sechs Bonussekunden gutgeschrieben bekam. Die beiden Rivalen sind jetzt zeitgleich, aber weil Pogacar als Zweiter der zweiten Etappe und Sieger der 3. Etappe die besseren individuellen Platzierungen als Vingegaard vorzuweisen hat (das Mannschaftszeitfahren zählt dabei nicht), konnte der Slowene Gelb übernehmen.

Er durchkreuzte damit auch die Pläne von Vingegaards Team Visma-Lease A Bike. Dort hatte man das Gelbe Trikot zwar ohnehin abgeben wollen an diesem Tag, um in den kommenden Tagen nicht die Verantwortung für das Rennen übernehmen zu müssen. Aber eben nicht unbedingt an Pogacar.

"Wir wären total happy damit gewesen, wenn eine Ausreißergruppe um den Etappensieg gekämpft hätte. Aber dann wurde sehr schnell klar, dass UAE auf den Etappensieg fahren würde", gab Vingegaard später zu Protokoll. "In einem solchen Sprint ist es dann immer schwierig, Tadej zu schlagen. Wir sind jetzt gleich auf, damit bin ich zufrieden."

Keine Zeit zum Einrollen

Der Schlagabtausch zwischen dem Topfavoriten Pogacar und seinem ersten Herausforderer hat damit gleich in der ersten drei Tagen ordentlich Fahrt aufgenommen, ohne Abtasten mit offenem Visier. Ob seine Form noch besser werden würde im Verlauf der Tour, wurde Pogacar in Les Angles gefragt. "Das war vielleicht vor zwanzig Jahren so, dass man darauf abgezielt hat, dass die Form im Verlauf der Tour besser wird. Heutzutage muss man schon mit der bestmöglichen Form zur Tour kommen und versuchen, sich so gut wie möglich zu erholen."

Nun aber folgen zwei Etappen, die nicht zwingend weitere Runden in diesem Duell werden müssen. Am Dienstag auf dem Weg von Carcassonne nach Foix bekommen vielleicht tatsächlich einmal ein paar Ausreißer eine Chance. Auf der 5. Etappe von Lannemazan nach Pau dürften dann endlich auch die Sprinter zu ihrem Recht kommen.

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