Tour de France - Pogacar schenkt del Toro den Sieg am Montjuic
Zeitgleich mit dem UAE-Duo kamen Remco Evenepoel als Dritter und Jonas Vingegaard als Vierter ins Ziel. Der deutsche Hoffnungsträger Florian Lipowitz überquerte als 16. die Ziellinie (+10 Sekunden).
Schon auf den letzten 25 Kilometern beim rasanten Finale an Barcelonas Hausberg Montjuic hatte das UAE-Team seine Stärke demonstriert. Rund 20 Kilometer lang bestimmte Brandon McNulty an der Spitze das Tempo und die Gruppe der Klassementfahrer wurde immer kleiner. Die ersten Attacken der Kapitäne kamen aber erst zweieinhalb Kilometer vor dem Ziel.
Erster Etappensieger aus Mexiko seit 1990
Als Erster kam Richard Carapaz aus der Deckung, Pogacar stellte den Ecuadorianer aber zweimal. Auf dem 600 Meter langen Schlussanstieg setzte sich dann del Toro an die Spitze, doch anders als erwartet fuhr Pogacar nicht vorbei. Der 27-Jährige schaute sich nach hinten um, motivierte del Toro sichtbar und jubelte schließlich über den Doppelerfolg - und das alles im Sprint.
Für den 22-jährigen del Toro geht bei seinem Tour-Debüt damit schon am zweiten Tag der Traum von einem Etappensieg in Erfüllung. Er ist zudem der erste Mexikaner seit Raúl Alcalá 1990, der beim größten Radrennen eine Etappe gewonnen hat. "Es bedeutet alles für mich. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie viel wir als Team arbeiten, um hier zu sein", sagte del Toro im Sieger-Interview. "Ich kann nicht glauben, dass ich es geschafft habe. Ihr könnt euch nicht vorstellen was das für mein Land und für mich bedeutet."
Vingegaard bleibt in Gelb, Evenepoel jetzt Dritter
Im Gesamtklassement rückte der Mexikaner auf den vierten Platz vor. Vingegaard verteidigte das Gelbe Trikot, Zweiter ist nun Pogacar (+6 Sekunden), Dritter Evenepoel (+15 Sekunden). Lipowitz bleibt Achter.
Die 2. Etappe über 168 Kilometer von Tarragona nach Barcelona versprach bereits vom Profil her ein packendes Finale. Am Montjuic standen drei Runden auf Klassikerterrain an. Dabei ging es eine giftige Rampe mit bis zu 13 Prozent Steigung hinauf zum Castell de Montjuic. Der Schlussanstieg war 600 Meter lang und lag wie am Vortag am Olympiastadion.
Trio mit Felix Engelhardt setzt sich ab
Gleich nach dem Start der Etappe setzte sich ein Trio vom Feld ab - mit dabei der Deutsche Meister Felix Engelhard im Trikot von Jayco AlUla. Seine Mitstreiter waren Frank van den Broek und Alex Molenaar. Nach 30 Kilometern hatte das Trio schon fast vier Minuten Vorsprung. Das Peloton ließ die Ausreißer ziehen, behielt aber die Kontrolle und ließ den Vorsprung dann auch nicht größer werden.
Die Ausreißer dürften vor allem die Bergwertung der 2. Kategorie bei Kilometer 94,2 im Visier gehabt haben. Hier gab es für den Ersten fünf Bergpunkte zu ergattern, auf der Schlussrunde dann noch mal maximal sechs Punkte bei drei Bergwertungen.
Die Wahrscheinlichkeit war also hoch, dass der Schnellste am Anstieg nach Begues, dem mit 399 Metern höchsten Punkt der Etappe, am Ende des Tages das Bergtrikot trägt. Denn am Vortag gab es das Bergtrikot für Pogacar, weil er die Bestzeit am Schlussanstieg fuhr – Bergpunkte erhielt der Slowene dafür aber nicht.
Molenaar übernimmt das Bergtrikot
In Begues kämpften dann Molenaar und Engelhardt um die Bergpunkte, der Niederländer setzte sich knapp vor dem Deutschen durch. Die Rechnung ging am Ende auf: Der Profi vom Team Caja Rural-Seguros übernahm in Barcelona das Gepunktete Trikot.
Nach der Bergwertung betrug der Vorsprung der Ausreißer nur noch wenige Sekunden, vorne fuhren auch nur noch Engelhardt und Molenaar - van den Broek hatte sich zurückfallen lassen. Das Duo an der Spitze wehrte sich nach Kräften, wurde aber 33 Kilometer vor dem Ziel gestellt. Für Engelhardt gab es am Ende auch eine Belohnung - er darf am Montag mit der goldenen Startnummer für den kämpferischsten Fahrer an den Start gehen.
Del Toro wird nach Defekt übersehen
Zuvor gab es bei Pogacars UAE-Team Aufregung, der spätere Etappensieger del Toro hatte einen Defekt, zwei Teamfahrzeuge übersahen aber offenbar den Mexikaner zunächst am Straßenrand. Ein Mechaniker musste mit dem Ersatzrad ein paar Meter zurückfahren zum wartenden del Toro. Der 22-Jährige hatte dadurch plötzlich eine Minute Rückstand auf das Feld. Aber er schaffte es schnell wieder zurück, auch weil Nils Politt sich zurückfallen ließ.
Auch Paul Seixas hatte vor dem Finale einen Reifenschaden. Der 19-jährige Franzose fuhr zunächst mit dem Rad seines Teamkollegen Aurélien Paret-Peintre weiter, musste dann noch mal die Maschine wechseln und war dann auch noch auf sich alleine gestellt. Er schaffte es aber dennoch zurück ins Feld. Gerade rechtzeitig, denn kurz zuvor waren die letzten beiden Ausreißer gestellt worden und die Positionskämpfe im Peloton begannen. 28 Kilometer vor dem Ziel am Montjuic sah man dann auch erstmals Pogacar und Vingegaard vorne - es war der Auftakt eines spektakulären Finales bei 33 Grad im Schatten.
3. Etappe: Es geht in die Pyrenäen