Tour: Merlier rast in Bordeaux zum Sieg - Kanter Vierter
In einem Highspeed-Finale hatte Mathieu van der Poel mit einem starken Leadout seinen Teamkollegen Jasper Philipsen etwa 250 Meter vor dem Ziel ganz vorne abgeliefert. Aber der zehnfache Tour-Etappensieger konnte die Führung nicht ins Ziel bringen und musste sich mit Platz fünf begnügen. Merlier kam erst auf den letzten 100 Metern nach vorne geschossen, der Belgier fand dabei eine Lücke und fuhr mit Speed an den Profis vor ihm vorbei und über die Ziellinie. Seine Durchschnittsgeschwindigkeit betrug auf den letzten 500 Metern 69,6 km/h. Kanter hatte beim zweiten Showdown der Top-Sprinter auf den letzten Metern ein wenig Pech. Der 28-Jährige wurde im Finale leicht touchiert, das kostete ihn möglicherweise eine bessere Platzierung. Phil Bauhaus sprintete auf Platz sechs, Pascal Ackermann auf Platz zwölf. Merlier: "Es war ein chaotischer Weg" Für Merlier war es bereits der dritte Tagessieg bei der Tour de France. Im Sieger-Interview zeigte sich der 33-Jährige "sehr glücklich" mit dem Erfolg. "Ob es perfekt war, weiß ich nicht. Es war ein chaotischer Weg, um in eine gute Position zu kommen. Aber ich habe es geschafft, weil mich das Team dahin gebracht hat." Die 7. Etappe war eine echte Flachetappe. Nur 850 Höhenmeter waren auf den 175 Kilometern von Hagetmau nach Bordeaux zu überwinden. Flacher wird es nicht mehr bei dieser Tour. Für die Sprinterteams war das eine Vorlage auf dem Silbertablett. Und es gab schon Etappen mit einem solchen Profil, bei denen sich kein einziger Ausreißer fand. "Wildschwein" Veistroffer macht es wieder Aber zum Glück gibt es ja Baptiste Veistroffer. Bei der ersten Flachetappe am Mittwoch war der Profi von Lotto-Intermarché eine der Geschichten des Tages. Als Solist fuhrt er 140 Kilometer vor dem Feld, legte fast einen 45er-Schnitt hin und wurde erst 14 Kilometer vor dem Ziel eingeholt. Beachtliche 336 Watt trat er dabei über 3:12 Stunden. Diesmal fand der Franzose immerhin in Jakub Otruba einen Mitstreiter vom Team Caja Rural-Seguros RGA. Aber richtig weg kam das Duo nicht, schon früh begannen die Sprinter-Teams mit der Nachführarbeit und hielten die Ausreißer an der ganz kurzen Leine. Viel mehr als eine Minute ließ das Peloton nicht zu. Nach der 5. Etappe hatte sich Veistroffer darüber beklagt, dass man ihm nicht mehr als drei Minuten gegeben hatte. Er sei doch allein gewesen. Die Lust auf einen erneute Attacke ließ sich der 26-Jährige davon aber nicht nehmen. Veistroffer ist ohnehin der Profi, der in dieser Saison die meisten Kilometer in Fluchtgruppen verbracht hat. Wegen seiner angriffslustigen Fahrweise hat er auch seit seiner Jugend den Spitznamen "Wildschwein". Pedersen vor Girmay bei Zwischensprint des Feldes Bei der Sprintwertung knapp 55 Kilometer vor dem Ziel gewann Veistroffer das Ausreißer-Duell und holte zum zweiten Mal bei dieser Tour als Erster die 25 Punkte. Im Hauptfeld kämpften die Top-Sprinter um die verbliebenen Punkte - Mads Pedersen setzte sich hier durch und kassierte 16 Punkte. Dahinter folgten: Girmay, Kanter, Philipsen und Merlier. 17 Kilometer später holte sich Veistroffer auch den einzigen Bergpunkt des Tages. Das Peloton dahinter hatte nach wie vor alles unter Kontrolle, ließ dem Duo aber noch bis zu 40 Sekunden Vorsprung. Nach 157 Kilometern an der Spitze war die Flucht dann aber vorbei, 17 Kilometer waren es da noch bis zur Ziellinie. Im Feld herrschte da immer noch die Ruhe vor dem Sturm. Erst auf den letzten zehn Kilometern eröffneten die ersten Attacken das rasante Finale. Ausreißer Veistroffer hatte da bereits erneut die Auszeichnung als kämpferischster Fahrer bekommen. Erneute Chance für die Sprinter am Samstag