Tour: Pogacar sprintet in den Pyrenäen ins Gelbe Trikot
Am Vortag hatte Pogacar noch seinem Teamkollegen Isaac del Toro den Etappensieg serviert. Bei der 3. Etappe zahlte der Mexikaner dieses Vertrauen bereits zurück. Auf dem 1,7 Kilometer langen Schlussanstieg fuhr der Edelhelfer des UAE-Kapitäns mit enormem Tempo an der Spitze des Feldes mit den Tour-Favoriten und bereitete den Sprint des Titelverteidigers perfekt vor. 200 Meter vor dem Ziel sprintete Pogacar vorbei, keiner der Kontrahenten konnte folgen. Richard Carapaz kam als Dritter und Paul Seixas als Vierter ins Ziel, ebenfalls mit zwei Sekunden Rückstand. Florian Lipowitz wurde Siebter (+4 Sekunden).
Für Pogacar war es bereits der 22. Etappensieg bei der Frankreich-Rundfahrt. "In der Mitte der Etappe haben wir entschieden, dass es möglich ist, den Sieg heute zu holen. Ich bin unglaublich glücklich, dass wir die Tour so starten konnten. Unglaubliches Finale heute", sagte der 27-Jährige im Sieger-Interview.
Die 3. Etappe über 196 Kilometer von Granollers nach Les Angles führte den Tour-Tross bereits durch die Pyrenäen zwischen Spanien und Frankreich. 3.850 Höhenmeter mussten die Profis überwinden. Dennoch dürfte das Profil der Etappe den Fahrern keinen großen Schrecken eingejagt haben. Zwar ging es erstmals über einen Berg der 1. Kategorie, nach 127,7 Kilometern hatten die Fahrer am Col de Toses den schwierigsten Anstieg hinter sich, danach folgten gemäßigte 68 Kilometer bis ins Ziel. Dabei erreichte die Tour 40 Kilometer vor dem Ziel auch Frankreich.
Eigentlich hatten die Tour-Organisatoren wegen der Waldbrände im Süden Frankreichs darum gebeten, dass keine Zuschauer an die Strecke und in den Zielbereich kommen. Doch menschenleer war es am Rande der Strecke dann doch nicht geblieben.
"Attacken-Feuerwerk" bei 35 Grad
Neun Kilometer nach dem Start ging es bereits in den ersten kategorisierten Anstieg. Schon hier war klar, dass es nach der Etappe einen neuen Träger des Bergtrikots geben würde. Alex Molenaar, der am Sonntag mit fünf Punkten das Gepunktete Trikot übernommen hatte, war hier schon in Schwierigkeiten. Nach 50 Kilometern hatte der Niederländer bereits mehr als vier Minuten Rückstand.
Bei der ersten Pyrenäen-Etappe konnten die Profis maximal 16 Bergpunkte einsammeln. Zehn allein am Col de Toses. Und offenbar gab es ein großes Interesse daran. Die Etappe begann mit einem "Attacken-Feuerwerk" bei heißen 35 Grad, doch auch nach einer Rennstunde hatte sich noch keine Ausreißergruppe gefunden.
Bernal schafft es in die Gruppe und hat Pech
Erst nach mehr als 70 Rennkilometern war es dann soweit. Prominenteste Namen in der 19-köpfigen Spitzengruppe waren Egan Bernal und Mads Pedersen. Bernal hatte wie die anderen hart gekämpft, um vorne dabei zu sein, dann aber Pech mit einem Reifendefekt. Nach dem Radwechsel hatte der Kolumbianer fast 40 Sekunden Rückstand, der Tour-Sieger von 2019 versuchte kurz, wieder den Anschluss zu finden, erkannte aber offenbar schnell die Aussichtslosigkeit und wartete schließlich auf das Peloton.
Anschließend hielt das Feld die Ausreißer an der kurzen Leine. Der Vorsprung blieb konstant bei um die zwei Minuten. Dafür sorgte nicht zuletzt das UAE-Team um Kapitän Pogacar. Gleich zu Beginn des 9,3 Kilometer langen Anstiegs zum Col de Toses setzte sich Raul Garcia Pierna von den anderen Ausreißern ab. Der Spanier riss zunächst eine große Lücke, im oberen Teil des Anstiegs konnten aber fünf weitere Profis aufschließen.
Baudin erobert das Bergtrikot
Alex Baudin im Trikot von EF Education-EasyPost erreichte als Erster den Col de Toses und holte sich die zehn Bergpunkte. Ein Sextett an der Spitze ging nun mit 1:30 Minuten Vorsprung in die Abfahrt. Das Feld hatte derweil alle anderen Ausreißer geschluckt.
An der vorletzten Bergwertung des Tages gab es für den Sieger noch mal zwei Punkte. Der Anstieg zum Col du Calvaire war mit 4,1 Prozent im Schnitt nicht besonders steil, aber mit 11,4 Kilometern der längste des Tages. Baudin ging auf den ersten Metern in die Offensive und setzte sich ab, nur Nicolas Prodhomme vom Decathlon-Team folgte. Für beide ging es um das Bergtrikot. Prodhomme hätte dazu aber auch im Ziel einen der ersten beiden Plätze belegen müssen. So überließ er oben seinem französischen Landsmann die beiden Punkte - Baudin hatte damit das Bergtrikot sicher. Prodhomme ließ sich nun zurückfallen, um seinem Kapitän Seixas im Finale zu helfen.
Baudin ging als Solist mit 44 Sekunden Vorsprung in die letzten 24 Kilometer - aber auch der 25-Jährige wurde elf Kilometer vor dem Ziel gestellt. Für das Feld mit den Klassementfahrern begann nun der Kampf um den Tagessieg.
4. Etappe: Hügelig durch das Pyrenäen-Vorland