TPM-Sicherheitslücken: Viele AMD Ryzen CPUs brauchen ein BIOS-Update
Zwei Sicherheitslücken im TPM-2.0-Referenzcode betreffen die Firmware-TPMs zahlreicher AMD-Prozessoren von Ryzen 3000 bis Ryzen 9000. Angreifer könnten TPM-Beglaubigungen fälschen oder verschlüsselte TPM-Daten entschlüsseln. AMD empfiehlt ein BIOS-Update des jeweiligen Geräteherstellers. Zwei Lücken mit hohem Schweregrad AMD führt die Schwachstellen als CVE-2026-6726 und CVE-2026-6727. Beide stecken nicht in einer Eigenentwicklung des Prozessorherstellers, sondern im Referenzcode für TPM 2.0 der Trusted Computing Group (TCG). AMD hat den Bericht der Organisation geprüft und bestätigt, dass die eigenen Firmware-TPMs betroffen sind. CVE-2026-6726 erreicht nach CVSS 4.0 einen Wert von 8,5 und gilt damit als hochriskant. Angreifer könnten die Lücke nutzen, um von einer TPM-fähigen Zertifizierungsstelle einen Nachweis für einen gefälschten Schlüssel zu erhalten. Damit ließen sich unter anderem Beglaubigungs-, Geräteidentitäts- oder TLS-Schlüssel vortäuschen und weitere TPM-Attestierungen fälschen. Die mit 8,3 bewertete CVE-2026-6727 betrifft die RSA-OAEP-Entschlüsselung. Über Unterschiede im zeitlichen Verhalten soll ein Angreifer verschlüsselte Daten wie Import-Blobs, Zugangsdaten-Blobs und Sitzungsschlüssel entschlüsseln oder TPM-2.0-Attestierungsschlüssel fälschen können. Angreifer benötigen bereits erhöhte Rechte Trotz der hohen Bewertungen lassen sich die Schwachstellen nicht einfach über das Internet ausnutzen. Beide Angriffe müssen lokal erfolgen und setzen bereits erhöhte Rechte auf dem betroffenen System voraus. Eine Benutzerinteraktion ist anschließend nicht mehr erforderlich. AMDs Bulletin enthält keinen Hinweis darauf, dass die Lücken bereits aktiv ausgenutzt werden. Ein TPM dient als Vertrauensanker eines Systems und schützt unter anderem kryptografische Schlüssel sowie Informationen über dessen Zustand. Unter Windows kann es beispielsweise an der Anmeldung, der Geräteverschlüsselung und BitLocker beteiligt sein. Aus AMDs Beschreibung folgt jedoch nicht, dass Angreifer über die beiden konkreten Schwachstellen ohne Weiteres einen BitLocker-Schlüssel auslesen können. Von Ryzen 3000 bis Ryzen AI Die Liste der betroffenen Prozessoren ist lang und umfasst sowohl Desktop- und Notebook-CPUs als auch Handheld-, Workstation-, Server- und Embedded-Modelle. Die Zusammenfassung ist nicht vollständig: Auch einzelne Athlon- und weitere Mobilprozessoren stehen in AMDs Tabelle. Nutzer sollten deshalb das konkrete Modell in der Herstellerliste prüfen. Ryzen 1000 und Ryzen 2000 führt AMD hingegen nicht als betroffen auf. AMD hat die korrigierten Versionen der Plattform-Firmware je nach Produkt bereits zwischen Mai und Juli an Mainboard- und Gerätehersteller übergeben. Für viele AM4-Systeme ist beispielsweise ComboAM4v2PI 1.2.0.12 vorgesehen, für zahlreiche AM5-Prozessoren unter anderem ComboAM5PI 1.2.0.3k oder 1.3.0.1b. Bei Notebooks unterscheiden sich die erforderlichen Versionen je nach Prozessorfamilie. Ob das passende BIOS schon zum Download bereitsteht, hängt vom jeweiligen Mainboard-, Notebook- oder Komplettsystemhersteller ab. Nutzer können daher nicht einfach ein Paket direkt von AMD installieren, sondern müssen die Supportseite ihres Geräts beziehungsweise Mainboards prüfen. Vor der Installation sollte außerdem der BitLocker-Wiederherstellungsschlüssel gesichert werden. Bei einigen Ryzen-AI-Modellen ist der Schutz des AMD-fTPM bereits enthalten, während AMD die entsprechende Aktualisierung für Systeme mit Microsoft Pluton erst für später im August einplant.