Trade Republic, Comdirect und Co.: Dieses Ranking kürt den besten Neobroker
Bei der Geldanlage übers Internet haben Anleger mittlerweile die Qual der Wahl. In den vergangenen Jahren sind immer mehr Broker auf den Markt gekommen und offerieren ihnen nun den Handel mit Aktien, ETFs und anderen Finanzprodukten. Das macht die Suche nach dem besten Anbieter kompliziert.
Früher schien klar: Neobroker bieten zwar die günstigsten Konditionen, dafür müssen Kunden an anderer Stelle Abstriche machen. Zum Beispiel ermöglichten die jungen Finanzunternehmen Orders lange über nur einen einzigen Handelsplatz oder hatten ein kleineres Produktangebot. Mittlerweile aber haben sie in vielen Punkten aufgeholt.
Das Beratungsunternehmen P3 Financial Services hat in einem ausführlichen Ranking erhoben, bei welchen Onlinebrokern Anleger das beste Angebot finden – und welche hinterherhinken. Der WirtschaftsWoche liegt die Studie exklusiv vorab vor.
Das Ergebnis ist eindeutig: „Die jungen Neobroker sind in vielen Hinsichten einfach besser als etabliertere Institute“, sagt Christian Leurs, Geschäftsführer von P3 Financial Services. „Letztere müssen sich fragen, wo sie eigentlich von der Positionierung und strategisch hinwollen – und wie sie langfristig bestehen können.“ Sie versuchten zwar, aufzuholen. Doch dies sei nur möglich, wenn sie deutlich schneller Fortschritte machten.
Was Leurs meint, zeigt ein Blick auf das Gesamtranking deutlich: Die obersten Ränge belegen Neobroker. Unter dem Strich schneidet der Marktführer Trade Republic in dem Ranking am besten ab. Er erreichte 8696 von 10.000 möglichen Punkten. Auf Trade Republic folgen Smartbroker und die Nummer zwei am Markt, Scalable Capital.
Schlusslichter bilden die Commerzbank-Tochter Comdirect und S-Neo, das neue Neobroker-Angebot der Sparkassen-Gruppe. S-Neo erhält in dem Ranking nicht mal halb so viele Punkte wie Trade Republic (4154). Für S-Neo ziehen die Studienautoren Konditionen der Göppinger Kreissparkasse heran. Dazu muss man wissen: Jede Sparkasse führt ein eigenes Preismodell. Legt man ein anderes Referenzinstitut zugrunde, könnten die Ergebnisse variieren.
P3 Financial Services hat die Bewertung anhand von vier Säulen vorgenommen, die unterschiedlich gewichtet wurden. Die Konditionen schlagen mit 35 Prozent am stärksten aufs Gesamtergebnis durch. Dabei haben die Studienautoren etwa analysiert, wie teuer Orders für drei verschiedene Anlegertypen sind und wie viele Zinsen die Anbieter zahlen.
25 Prozent der Bewertung entfielen auf Features, also die Breite des Angebots an Kapitalanlagen. 68 Kriterien haben die Berater für diese Säule ermittelt. Weitere 25 Prozent machte der Kundenservice aus, gefolgt von 15 Prozent für Benutzerfreundlichkeit. Dazu zählt, wie komfortabel und transparent die Nutzung der Apps ist.
„Einzelne Kategorien haben das Ergebnis bei manchen Brokern stark beeinflusst“, erklärt Philipp Mayenberger von P3 Financial Services. „Die etablierten Anbieter im Feld landen auf den hinteren Plätzen. Vor allem weil ihr Preismodell aus einer anderen Zeit stammt.“ Das zeigt sich vor allem am Beispiel der Comdirect, die bei den Konditionen besonders schlecht abschneidet.
Hier kommt die Comdirect auf nur 1498 Punkte – das schlechteste Ergebnis über alle Kategorien in dem Ranking. Bei der Commerzbank-Tochter kosten eine Order mindestens 9,90 Euro, in der Spitze 59,90 Euro.
Allerdings: Die Studie hat sich nur das standardmäßige Comdirect-Produkt angeschaut. Anfang des Jahres hat sie mit dem Pure Depot ein Angebot für Börsen-Einsteiger eingeführt. Das Angebot ist begrenzter als beim klassischen Comdirect-Depot, dafür können hier Orders für nur einen Euro abgewickelt werden, so wie auch bei den Neobrokern. Andererseits richtet sich das Depot nur an Neukunden, die zuletzt kein Standard-Aktiendepot bei der Comdirect hatten.
Gerade bei den jungen Fintechs hingegen ist die Ein-Euro-Order mittlerweile zum Standard geworden. Sieger in der Kategorie ist Smartbroker – vor allem, weil Kunden dort auch ohne Ordergebühren handeln können, sofern sie wenigstens 500 Euro investieren und die Order über den Handelsplatz Gettex abwickeln.
Die Studie macht an dieser Stelle aber eine Einschränkung: „Spreads, Handelsplatzentgelte und Produktkosten sind nicht enthalten.“ Unter einem Spread versteht man die Differenz zwischen Angebots- und Verkaufskurs eines Wertpapiers. Diese können je nach Handelsplatz unterschiedlich hoch ausfallen – und so im Zweifel indirekt höhere Kosten für Anleger bedeuten. So könnte es gerade bei höheren Ordervolumen sein, dass Anleger wegen eines schlechteren Spreads bei einem eigentlich teureren Anbieter unter dem Strich günstiger handeln können.
In der Säule ‚Konditionen‘ hat P3 Financial Services auch erhoben, bei welchem Broker Anleger die höchsten Zinsen erwirtschaften. Ausgangslage war ein Cash-Guthaben von 20.000 Euro. Mit einem Ertrag von 560 Euro im Jahr wäre bei Trading212 am meisten herausgesprungen, gefolgt von Scalable Capital und Trade Republic. Bei eToro, Flatex und Bitpanda wären Anleger leer ausgegangen.
Was die Studie nicht differenziert: Ob Einlagen in klassischem Tagesgeld oder (teilweise) in Geldmarktfonds investiert sind. Das sind Investmentfonds, die in kurzlaufende Anleihen investieren und die – anders als Bankeinlagen – nicht der Einlagensicherung unterliegen. Bei den drei in dem Ranking führenden Brokern können Kundengelder nicht nur auf Konten von Partnerbanken geparkt, sondern auch in Geldmarktfonds investiert werden.
Bitpanda setzt zwar auch auf Geldmarktfonds, aber nur indirekt: Einlagen in dem Produkt „Bitpanda Cash Plus“ fließen nämlich in Derivate, die die Entwicklung von Geldmarktfonds abbilden. Bei dem Angebot von Bitpanda greift keine Einlagensicherung, weshalb es in dem Ranking unberücksichtigt blieb.
Für viele Nutzer ist der Kundenservice zu einem wichtigen Kriterium geworden. Der Ranking-Sieger in diesem Bereich dürfte überraschen, stand er doch lange wegen Problemen im Support massiv in der Kritik: Trade Republic, gefolgt von Smartbroker und Flatex.
Allerdings basiert die Bewertung des Kundenservice nicht auf einer breiten Datenerhebung, sondern auf einer begrenzten Stichprobe. So wurden nur je zwei telefonische Kontaktversuche an zwei unterschiedlichen Tagen durchgeführt. Wie viele Kundenbeschwerden insgesamt etwa zu dem jeweiligen Broker gemeldet werden, erhebt sie nicht.
In die Bewertung floss dagegen ein, wie gut ein Depotwechsel funktioniert und wie leicht sich etwa das Ein- und Auszahlungskonto ändern lässt. Das größte Manko im Bereich Kundenservice: Bei einigen Anbietern sei der Support schwer auffindbar, außerdem gebe es Probleme, wenn beispielsweise von einer schriftlichen auf eine telefonische Betreuung gewechselt wird.
Unter dem Strich liefert die Studie einen groben Gesamtüberblick, eine Orientierungshilfe – aber keine für jeden Anleger gültige Aussage, welcher Anbieter für den eigenen Bedarf nun der beste ist. In der Säule ‚Features‘ heißt es klar, es gehe um deren „Existenz, nicht Qualität“. Wer viele Anlageklassen anbietet, schneidet hier also automatisch besonders gut ab. Ob ein Anleger viele verschiedene Ordertypen oder Private-Equity-Investments wirklich braucht, ist eine andere Frage. Je nach persönlicher Gewichtung würden manche Broker womöglich besser oder schlechter abschneiden.