Traditions-Bäcker pleite: „Kuchen für drei Euro lässt sich kaum verkaufen“
TTS-Player überspringen↵Artikel weiterlesen Berga (Sachsen-Anhalt) – Seit 1974 backt Familie Messing aus Berga im Harz Brötchen. Die Existenz, die Liebe zum Beruf – nach mehr als einem halben Jahrhundert muss sie all das aufgeben. In dieser Woche musste das Traditions-Unternehmen Insolvenz anmelden. Die Gründe: gestiegene Energiekosten, sinkende Umsätze und Konkurrenten im Discounter, mit denen der kleine Betrieb mit fünf eigenen Filialen in Sachsen-Anhalt längst nicht mehr mithalten kann. Auch den 20 treuen Mitarbeitern droht damit der Jobverlust. Preiskampf nur noch mit Verlust „Uns ist nichts anderes übrig geblieben“, sagte Inhaberin Nicole Messing (51), die die Bäckerei zusammen mit ihrem Bruder führt, am Freitag gegenüber der „Mitteldeutschen Zeitung“. Die Ausgaben würden bereits seit Längerem über den Einnahmen liegen. Die Preise für die Backwaren einfach zu erhöhen, könne sie nicht weiter. Ehrlich verrät die Geschäftsfrau: „Wir können in unseren ländlichen Filialen nicht dieselben Preise verlangen wie in Großstädten wie Berlin oder Hamburg. Ein Stück Kuchen für drei Euro lässt sich hier kaum verkaufen“, so Messing. Mehr als 60 weitere deutsche Bäcker insolvent Das finanzielle Dilemma habe bereits nach der Corona-Krise seinen Lauf genommen. Mehrere Backshops in einer Discounter-Kette rentierten sich zudem nicht mehr, seit die Lebensmittel-Riesen eigene Backstationen einführten. Dabei war die Bäckerei extra noch mit zwei Verkaufsautos über die Dörfer gefahren, um frische Brötchen direkt zum Kunden zu bringen. Das Geschäft soll zunächst weiterlaufen, auch bestehende Aufträge wie Torten für Einschulungen werden weiter zubereitet. Über das Insolvenzgeld seien die Mitarbeiter zumindest die nächsten drei Monate abgesichert. Ein letzter Hoffnungsschimmer bleibt.