Trainerkongress Mainz Marie-Louise Eta: "Fühle mich auf dem Rasen am wohlsten"
"Ich bin kein PR-Gag" - eine Überschrift als Ansage, die die ZEIT-Redaktion für ihr Interview mit Marie-Louise Eta gewählt hatte. Die erste Cheftrainerin in der höchsten deutschen Spielklasse des Männerfußballs war nicht gekommen um Schlagzeilen zu produzieren, das machte die 35-Jährige von Beginn an klar. Sie war gekommen um zu coachen - und mit Union Berlin den Abstieg zu verhindern. Schlagzeilen produzierte sie letztlich dennoch. Der Deutschlandfunk erklärte sie zur "Pionierin im Männerfußball", im Stern war von "Bundesliga-Geschichte" zu lesen, ihren ersten Sieg mit den Eisernen überschrieb die BILD schlicht als "historisch". Und tatsächlich, auf Marie-Louise Etas Engagement bei Union Berlin treffen all diese Schlagzeilen zu. Die gebürtige Dresdnerin war die erste Frau an der Seitenlinie eines Bundesligisten. Und sie erreichte ihr Ziel. Union Berlin wird auch in dieser Saison wieder erstklassig spielen. Eta selbst wird dann allerdings nicht mehr auf der Trainerbank der Herren platznehmen. Die Übungsleiterin ist seit dieser Saison Cheftrainerin des Frauen-Teams von Union und nimmt in dieser Funktion am derzeit stattfindenden Internationalen Trainerkongress in Mainz Teil. Dort sprach sie mit dem SWR über den neuen Nationaltrainer Jürgen Klopp, ihre neue Rolle als Aushängeschild und über Frauen im Fußballgeschäft. SWR: Marie-Louise Eta, welche Hoffnungen verbinden Sie mit Jürgen Klopp? Marie-Louise Eta: Jürgen Klopp ist ja ein Trainer, der schon sehr, sehr viel erlebt hat, eine enorme Erfahrung hat und jemand, dem man einfach sehr, sehr gerne zuhört. Er ist kommunikativ einfach sehr stark und eigentlich, egal wo er war, sehr erfolgreich als Trainer. Und deswegen freut es mich persönlich, dass er jetzt als Bundestrainer hoffentlich eine erfolgreiche Zeit bestreiten wird. SWR: Und von so jemandem kann man ja auf so einem Kongress vielleicht auch was lernen, das war ja auch die Idee, als er eingeladen wurde. Jetzt hieß es im Beitrag eben, der Kongress sei ziemlich männerlastig besetzt. Sie sind eine der wenigen Frauen dort. Spüren Sie das im Umgang? Spielt das eine Rolle in den Gesprächen? Eta: Ja, erst mal kenne ich das ja schon von klein auf. Ich bin ja auch mit Jungs groß geworden in Fußballmannschaften und eben jetzt auch als Trainerin. Ich muss schon sagen, dass in den letzten Jahren doch auch der Frauenanteil immer höher geworden ist. Also auch beim Internationalen Trainer Kongress. Als ich vor ein paar Jahren das erste Mal dabei war, da war das noch deutlich geringer. Und deswegen ist es schön zu sehen, dass immer mehr Frauen da sind, aber es dürfen natürlich gerne auch noch mehr werden. SWR: Sie haben ja vergangene Saison Schlagzeilen gemacht, weil Sie als erste Frau die Männer-Bundesliga-Mannschaft von Union Berlin betreut haben. Sehen Sie sich insofern dann auch als Vorkämpferin für Frauen im Männerfußball? Eta: Das ist eine Rolle, die ich nie angestrebt habe, aber an der ich gar nicht mehr vorbeikomme und die nehme ich auch gerne an mittlerweile. Das ging natürlich schon vor ein paar Jahren los, als ich als Co-Trainerin in der Männer-Bundesliga erste Erfahrungen sammeln durfte und jetzt eben auch als Cheftrainerin. Ich weiß, wie wichtig Sichtbarkeit ist, aber grundsätzlich fühle ich mich hier auf dem grünen Rasen am wohlsten und bin gerne Fußballtrainerin. Aber ich weiß eben, dass es auch wichtig ist, da präsent zu sein und vielleicht die eine oder andere Tür durch meine Sichtbarkeit weiter zu öffnen. SWR: Und jetzt haben sie eben schon in unserem Gespräch gesagt, so ein paar mehr Frauen im Männerfußball dürft es schon geben. Was glauben sie denn? Wann ist es soweit? Wann ist es wirklich normal? Und solche Gespräche, wie wir sie jetzt führen, sind überflüssig. Eta: Ja, würde ich mir wünschen, dass es diese Fragen irgendwann gar nicht mehr gibt. Ich glaube, es braucht schon noch Zeit. Man muss schon sagen, dass auch jetzt immer mehr getan wird, auch was Ausbildungsprogramme angeht, was das aufzeigen von Wegen angeht - dass es auch für Frauen Wege gibt im Fußball. Und grundsätzlich denke ich auch, dass im Laufe der nächsten Jahre die Anzahl immer weiter erhöht wird. Da müssen wir eben auch schauen, dass wir immer mehr junge Talente gewinnen - für den Fußball allgemein - weil dann kommen in den Jobs im Fußball auch immer mehr weibliche Personen an.