Trans-Debatte an Uni Düsseldorf: Berliner Humboldt-Universität zieht Lehren aus dem Fall Vollbrecht
Vier Jahre nach dem Fall Marie-Luise Vollbrecht steht erneut eine deutsche Universität im Mittelpunkt einer Debatte über Wissenschaftsfreiheit. An der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU) protestierten Studenten gegen eine Professorin, die Trans-Identitäten kritisch thematisierte. Vor diesem Hintergrund fragte die Berliner Zeitung bei der Humboldt-Universität (HU) nach, ob sie Parallelen zum Vollbrecht-Fall sieht und welche Konsequenzen sie aus den Protesten 2020 gezogen hat. Anlass der Debatte ist eine Vorlesung der Düsseldorfer Entwicklungspsychologin Ute Johanna Bayen über die Entwicklung von Trans-Identitäten. Nach Protesten studentischer Gruppen und Forderungen nach Entlassung, Campusverbot und Absage der Lehrveranstaltung stellte sich die Universitätsleitung hinter die Freiheit von Forschung und Lehre. Mittlerweile hat der AStA seine Position teilweise korrigiert. In einer gemeinsamen Erklärung mit dem Studentenparlament heißt es auf dem Instagram-Account, die bisherigen Forderungen hätten „einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung im Weg gestanden“. Deshalb rücke man „von Teilen der bisherigen Forderungen ab“. Die Ereignisse an der HHU wecken Erinnerungen an den Vollbrecht-Fall an der Humboldt-Universität im Jahr 2022. Humboldt-Universität sieht keine Parallelen Die Humboldt-Universität will Parallelen zum aktuellen Fall in Düsseldorf jedoch nicht ziehen. „Solche Ereignisse an anderen Universitäten kommentieren wir nicht“, erklärte eine Sprecherin gegenüber der Berliner Zeitung. Grundsätzlich halte die HU aber an einem klaren Verständnis von Wissenschafts- und Meinungsfreiheit fest. Die Hochschule sei „ein Ort des wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Diskurses“. Sie stehe „für Wissenschaftsfreiheit ebenso wie für Meinungsfreiheit und kritische Auseinandersetzung – auf der Grundlage demokratischer Prinzipien, unter der Wahrung der fundamentalen Werte der Verfassung sowie unter Wahrung der Rechte aller Mitglieder der Universität“, teilte die Sprecherin mit. Vortrag wurde 2022 zunächst abgesagt Der Hintergrund: Im Juli 2022 sollte die Biologin Marie-Luise Vollbrecht im Rahmen der Langen Nacht der Wissenschaften den Vortrag „Geschlecht ist nicht (Ge)schlecht: Sex, Gender und warum es in der Biologie zwei Geschlechter gibt“ halten. Nach Demonstrationsaufrufen aus der Studentenschaften und angekündigten Protestaktionen verschob die Universität die Veranstaltung „im Interesse der Gesamtveranstaltung“, wie sie heute erklärt. Zwölf Tage später wurde der Vortrag nach Rücksprache mit Vollbrecht nachgeholt. Im Anschluss veranstaltete die Universität eine Podiumsdiskussion unter dem Titel „Meinung, Freiheit, Wissenschaft – der Umgang mit gesellschaftlichen Kontroversen an Universitäten“. Professioneller Leitfaden für Wissenschaftler Nach Angaben der Humboldt-Universität beschäftigte sich anschließend auch der Akademische Senat intensiv mit den Ereignissen. Im März 2024 veröffentlichte die Hochschule einen professionsethischen Leitfaden für den Umgang mit öffentlichen Kontroversen. Darin empfiehlt sie bei konfliktträchtigen Veranstaltungen unter anderem ein „Mehraugenprinzip“, um sicherzustellen, dass kontrovers diskutierte Themen angemessen dargestellt werden. Zudem solle die Universitätsleitung frühzeitig über mögliche Störungen informiert werden, um Veranstaltungen sicher durchführen zu können. Lesen Sie mehr zum Thema