Trauer im Flussbett, Liebe im Riff und ein Käfer mit Mission: Das sind die besten Naturfotos des Jahres
Sie legen sich in den Schlamm, folgen Spuren im Flussbett, verharren stundenlang in der Dunkelheit, geben alles, um im perfekten Moment abzudrücken: Die Gewinner des renommierten Wettbewerbs „Wildlife Photographer of the Year 2026“, der jedes Jahr vom Natural History Museum in London vergeben wird, stehen fest. Die Jury wählte die Gewinner aus 65.403 Einsendungen aus 121 Ländern aus. Darunter ein Krake, der hinter Seetang hervorlugt, ein Mistkäfer, der sein Lebenswerk vor sich herschiebt, und ein Streifenmolch, der alles dafür gibt, damit seine Eier geschützt bleiben. Der Wettbewerb soll für den Schutz der Tier- und Pflanzenwelt begeistern.
Doug Gurr, Direktor des Museums, erklärte, wie stark die Naturfotografie dazu beitragen kann, „dass wir die Natur mit anderen Augen sehen“. Die Fotos würden eindrücklich zeigen, „dass jede Art eine Rolle im komplexen Netz des Lebens spielt und warum es noch nie so wichtig war, die Natur zu verstehen und zu schützen“, so Gurr.
Eine Elefantenmama und ihr totes Baby
Mit dem Foto „The Aftermath“ gewann der italienische Fotograf Federico Veronesi den diesjährigen Hauptpreis. Er folgte im Huab-Flusstal in Namibia Schleifspuren im trockenen Flussbett und fand eine Elefantenkuh, die ihr totes Kalb trug, das Bein zwischen Stoßzahn und Rüssel eingeklemmt. Asiatische und afrikanische Elefanten wurden bereits im Umgang mit dem Tod beobachtet. Sie rufen laut, sie halten Totenwachen oder berühren sanft die Knochen ihrer verstorbenen Artgenossen. Manche Forschende vermuten, dass die Riesen den Tod verstehen, andere deuten ihr Verhalten als eine Form von Trauer.
„Dieses Foto funktioniert auf so vielen Ebenen. Emotional ist es ein Schlag in die Magengrube“, sagte Kathy Moran, Vorsitzende der Jury, „intellektuell ist es ein Beweis dafür, dass Tiere über Kognition verfügen. Dieses Bild sagt einfach alles.“
Eine Auswahl der Gewinnerfotos:
Der Fotograf entdeckte in einem schmutzigen Teich in Kalifornien diesen Kalifornischen Streifenmolch. Er klammerte sich an eine Pflanze, um dort Eier abzulegen, und zwar genau an der Stelle, wo schon Eier eines anderen Molchs hingen. Streifenmolche verschränken ihre Hinterbeine ineinander, um ihr Gelege zu schützen, sonst würden sie von anderen Molchen gefressen. In dieser Haltung verharren sie so lange, bis die zähe Hülle um die Eier so stark angeschwollen und fest ist, dass sie nicht mehr gefressen werden kann.
Lewin beobachtete in den kenianischen Chyulu Hills wie ein junger Elefant Zebras mit Wasser bespritzte. In schweren Dürren sind solche Wasserstellen lebensnotwendig. Pflanzenfresser verbringen dort mehr Zeit, wenn Elefanten anwesend sind. Möglicherweise schreckt ihre Größe Raubtiere ab, sodass andere Tiere dort sicher trinken können.
Der Fotograf war vor Porthkerris Beach in Südwestengland tauchen, als er diesen Gemeinen Kranken entdeckte, der sich hinter Seetang versteckte. Er sah zuerst die Saugnäpfe, dann langsam ein einzelnes Auge auftauchen. „Wir blieben vollkommen still und beobachteten einander mit einer scheinbar geteilten Neugier“, so Sanders. Eigentlich leben Kraken in wärmeren Gewässern wie dem Mittelmeer. Weil sich das Meer im Frühling überdurchschnittlich stark erwärmt hat, wurden sie in den letzten Jahren immer öfter auch vor der Küste Südwestenglands gesichtet.
Auf einer Kanutour im Mabamba-Sumpf in Uganda entdeckte der Fotograf gleich zwei Schuhschnabel, vermutlich ein Brutpaar, das Pflanzen für sein Nest zupfte. Diese bis zu 1,50 Meter großen Vögel sind mit Pelikanen und Reihern verwandt. Ihr Bestand schrumpft: Weltweit gibt es nur noch etwa 5300 ausgewachsene Tiere.
Vermutlich ist es das erste Mal, dass Balz und Laichen bei der Gefleckten Muräne in der Präfektur Kagoshima in Japan dokumentiert wurden. Der Fotograf arbeitete mit Forschenden zusammen. Seit etwa zwei Jahren beobachten sie das Paarungsverhalten dieser Muränenart, um eine Wissenslücke in der Biologie zu schließen.
Es ist ein Anblick, den Negroni „noch nie zuvor gesehen oder fotografiert“ hatte: ein toter Puma, der im argentinischen Patagonien als Jagdtrophäe an einen Zaun gebunden war. Die Provinz Santa Cruz verbot die Pumajagd 2025, doch die Tiere werden nach wie vor gejagt. Pumas reißen immer wieder Nutztiere. Statt sie zu töten, könnten Hütehunde eingesetzt oder Zäune um die Schafherde gezogen werden.
Whitfield fiel auf, wie mühsam sich dieser Mistkäfer plagte, um seine kostbare Fracht fortzubewegen. Er legte sich auf den Boden, um ihn auf Augenhöhe zu fotografieren. Mistkäfer – weltweit gibt es etwa 5000 Arten – sind kleine Klimaschützer: Sie zerkleinern und vergraben den Kot von anderen Tieren. Dadurch gelangt weniger klimaschädliches Methan in die Atmosphäre.
Der Fotograf beobachtete in der indischen Thar-Wüste Skorpione, die nachts jagten und sich in der Morgendämmerung im Sand vergruben, um der Hitze zu entkommen. In Indien ist nur eine Art der Gattung Buthacus bekannt. Sie nutzen ihre Scheren, um zu graben. Ihre langen Borsten, sogenannte Sandkämme, nutzen sie wie Schneeschuhe, um nicht in den Dünen zu versinken.
Der Fotograf legte sich auf seinen Bauch in den Schlamm, um den Bindenwaran abzulichten. Die große Echse trug einen Fisch im Maul im Lumphini-Park in Bangkok in Thailand. Bindenwarane haben sich perfekt an das Leben in asiatischen Großstädten angepasst. Sie fressen alles, was sie finden können, besonders die vielen Welse und Koi-Karpfen in den Parkseen.
Im tiefschwarzen Wasser entdeckte der Fotograf vor der Küste von Papua in Indonesien einen Walhai, der die Netze einer mobilen Fischereiplattform untersuchte. Einheimische nutzen die Walhaie mittlerweile als Touristenattraktion. Obwohl sich die Tiere an diesen Plattformen leicht verletzen können, ist das nicht die größte Gefahr für sie: Der starke Rückgang der Walhaie in den letzten 75 Jahren liegt vor allem an Schiffsunfällen, großen Fischernetzen und illegaler Fischerei.
Die junge Fotografin macht das Foto dieser Ackerhummel in Surrey in England mit dem Smartphone ihres Vaters. An diesem Augustnachmittag „wimmelte der Garten nur so von Bienen“. Bienen nehmen Pflanzen und Blüten besonders wahr. Dass sie eine Farbe mit Nektar und eine andere mit Pollen verbinden, hilft ihnen, sich schnell zu entscheiden.
Der junge Fotograf duckte sich an einem steilen Hang eines Weinbergs tief, um die Amsel aufzunehmen. Das Foto entstand an einem Aprilmorgen in Baden-Württemberg. Amseln singen zwar zu verschiedenen Tageszeiten, doch ihr Gesang ist in der Morgendämmerung am komplexesten. Während der Brutzeit im Frühjahr singen die Männchen von erhöhten Aussichtspunkten aus, um ihr Revier zu markieren und Weibchen anzulocken.
Der Fotograf nutzte ultraviolettes Licht, um die leuchtend gelben Stiele der Schönen Helmlinge sichtbar zu machen. Die Pilze wachsen auf einem verrotteten Baumstamm.