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"Traut sich keiner zu": Warum nur ein Kurs für neuntes DTM-Event infrage kam

Sport

(Motorsport-Total.com) - Vor vier Monaten hat ADAC-Motorsportchef Thomas Voss angekündigt, dass sich die DTM-Fans 2027 auf ein neuntes Wochenende auf einer internationalen Strecke einstellen sollten. Der kürzlich präsentierte Kalender für die kommende Saison besteht allerdings aus den gleichen acht Kursen wie in den vergangenen drei Jahren. Woran sind also die Pläne gescheitert?

Laut Voss habe man im vergangenen Jahr mit vielen Rennstrecken im Ausland gesprochen. "Wir wären als DTM überall willkommen gewesen - egal in welchem Land", sagt er. "Unsere zweite Frage war aber immer, dass wir gerne mindestens 10.000 Zuschauer vor Ort hätten. Da wurde es am anderen Ende der Telefonleitung meistens ziemlich ruhig. Das traut sich noch keiner richtig zu."

Es habe nur eine einzige Rennstrecke gegeben, die sich eine fünfstellige Zuschauerzahl zugetraut hätte. "Das kann ich auch sagen - das ist Brünn", stellt Voss klar. "Die anderen waren deutlich vorsichtiger. Da war eigentlich keiner über 5.000."

Nur Brünn traute sich über 10.000 Zuschauer zu

Der vor allem für seine Zweirad-Historie bekannte Kurs in Tschechien, der dieses Jahr ein Comeback im MotoGP-Kalender feierte, war daher einem DTM-Kalenderplatz am nächsten. "Lieg Deutschland-nah, die DTM ist schon da gewesen", verweist Voss darauf, dass die Traditionsserie von 1988 bis 2005 fünfmal in Brünn gastierte. "Man weiß in der Tschechischen Republik, was die DTM ist."

Abgesehen davon habe man durch die gemeinsame Austragung der Zentraleuropa-Rallye gute Beziehungen zum tschechischen Verband aufgebaut. Aktuell gäbe es aber "landesintern die eine oder andere Diskussion, in die wir nicht hineingezogen werden möchten", verweist Voss auf landesinterne Auseinandersetzungen unterschiedlicher Verbände, die die Gespräche platzen ließen.

Mit wie vielen Zuschauern man laut den Angaben anderer Rennstrecken rechnen dürfte, ließ Voss ebenfalls wissen. "In Italien hat man uns an zwei Rennstrecken gesagt, so mit 2.000, 2.500 Zuschauern - es sei denn, wir kommen mit Valentino Rossi", sagt der ADAC-Motorsportchef, der sich trotz anderer Erwartungen für die Ehrlichkeit bedankt.

Krise in der Automobilindustrie sorgte für ADAC-Rückzieher

"Ich finde es toll, dass man uns nicht sagt: 'Klar, kommt alle her, dann wird die Bude voll'. Und am Ende stehst du da. Dieser Schritt ist schon früher immer mal wieder gemacht worden. Und ich mag es nicht, diesen Schritt wieder zurückgehen zu müssen. Ich warte lieber, bis die Zeit reif dafür ist - und die wird kommen, davon bin ich felsenfest überzeugt."

Dass der Zeitpunkt aktuell nicht optimal ist, hat trotz weiterhin steigender Zuschauerzahlen der DTM auch mit der aktuellen Krise der deutschen Automobil-Industrie zu tun.

"Wir wollen weiterhin internationalisieren, wollen auch mehr Rennen fahren, aber ich halte es im Augenblick für den völlig falschen Zeitpunkt. Als ich am Red-Bull-Ring und weiß der Teufel wo meine großen Sprüche gemacht habe, da wurde noch nicht von Massenentlassungen und vielen anderen Dingen in der Automobilindustrie gesprochen", erklärt Voss seinen Rückzieher.

"Ich mache nichts gegen die Möglichkeiten der Teams"

Nachrichten über "Werkschließungen in Neckarsulm oder die drohende Schließung von vier Werken im Volkswagen-Konzern hatten wir im April noch nicht. Hier fahren zwei Marken aus dem Volkswagen-Konzern", verweist er auf Porsche und Lamborghini. "Wie soll das gehen?" Darauf müsse auch der Motorsport reagieren.

Abgesehen davon haben auch einige Teams wegen der Kosten vor einer Kalendererweiterung um ein neuntes Wochenende gewarnt. "Ich mache nichts gegen den Wunsch oder gegen die Möglichkeiten der Teams", gibt Voss ein Versprechen ab.

Und ist mit dem Ergebnis dennoch zufrieden. "So kommt ein Kalender zustande, den ich gar nicht schlecht finde. Wir haben nach wie vor überall Zuwächse. Die Fans finden es scheinbar toll, dass wir auch in Deutschland fahren."

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