Tresoldi, Pejcinovic, Brunner und Co.: Das Tauziehen um die U-Nationalspieler
Bald bei Klopp?
Triple-Torschütze Tresoldi und Co.: Das Tauziehen um die U-Nationalspieler
Stand: 01.10.2026 10:20 Uhr
Neu-Bundestrainer Jürgen Klopp testet fleißig Spieler für das DFB-Team der Zukunft. Dabei auch im Fokus: aktuelle U-Nationalspieler mit norddeutscher Vergangenheit wie die Torjäger Nicolo Tresoldi oder Dzenan Pejcinovic. Die könnten aber auch für andere Länder spielen.
von Tobias Knaack
Tresoldi bekam am Mittwochabend das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht und schnappte sich sofort den Spielball. "War kein schlechtes Debüt, oder?", scherzte der 22-Jährige, angesprochen auf seine Premiere als Kapitän der deutschen U21. Die hatte er zuvor mit einem Dreierpack veredelt - und ist damit seinem "großen Ziel" immer näher.
Tresoldi jagt U21-Rekorde
Mit seinen Treffern Nummer 14, 15 und 16 im 26. Spiel für die deutsche U21 überholte Tresoldi Mike Hanke und Lewis Holtby (je 14) sowie Benjamin Auer (15) und liegt in der ewigen Bestenliste nun allein auf Rang drei - hinter Heiko Herrlich (17) und Pierre Littbarski (18). "Ich habe natürlich Ziele mit dem Team, aber auch persönliche Ziele. Jetzt fehlen mir noch zwei Tore, hoffentlich kann ich die schon am Dienstag schießen", sagte Tresoldi nach dem 4:1 auf Malta.
Zum Abschluss der EM-Qualifikation geht es in Bielefeld gegen Georgien (18 Uhr). Dann will Tresoldi dem Littbarski-Rekord und auch der Bestmarke von U21-Rekordspieler Fabian Ernst (31 Einsätze) wieder einen Schritt näherkommen.
Solllte Tresoldi ihn einholen oder überflügeln, wäre das für Littbarski kein Problem. "Der Junge hat sich das richtig verdient und jetzt muss er sich auch die Krone holen. Anders geht's nicht", sagte der Ex-Weltmeister dem SID. "Er ist ein echter Torjäger, ein Komplettpaket."
Tresoldi-Entscheidung nach der U21-EM
Während Tresoldi im Hier und Jetzt fleißig Eigenwerbung betreibt, gibt es im Hintergrund seit geraumer Zeit ein Tauziehen um den 22-Jährigen. Denn der Ex-Spieler von Hannover 96, der aktuell in Brügge spielt, dürfte sowohl für Deutschland als auch für Italien spielen. Tresoldi ist in Cagliari auf Sardinien geboren.
Das letzte Wort ist in dieser Causa noch lange nicht gesprochen, vor einer der wichtigsten Entscheidungen seiner Karriere aber wirkt der 22-Jährige bemerkenswert gelassen. Sein Herz sei nun mal "50:50", sagte er unlängst. Erst nach der EM-Endrunde in Albanien und Serbien (16. Juni bis 3. Juli 2027) wird er sich für Bundestrainer Jürgen Klopp oder Italiens Coach Roberto Mancini entscheiden.
Naderi tendiert zu Tschechien, Pejcinovic zu Deutschland
Alleine steht Tresoldi mit dieser Entscheidung keineswegs. Auch Ryan Naderi - ehemaliger Spieler von Drittligist Hansa Rostock und aktuell bei den Glasgow Rangers in Schottland unter Vertrag - sowie der Ex-Wolfsburger Dzenan Pejcinovic, der nun bei Champions-League-Teilnehmer VfB Stuttgart kickt, standen wie Tresoldi vor der Frage, sich für ein Land zu entscheiden.
Während Naderi sich für Tschechien, das Geburtsland seiner Mutter, entschieden hat, tendiert Pejcinovic zum DFB.
Ich hätte auch noch die halbe U21 mitnehmen können. Bundestrainer Jürgen Klopp
Die U21 steht für Bundestrainer Klopp auf der Suche nach dem DFB-Team der Zukunft im Fokus. Er hätte "auch noch die halbe U21 mitnehmen können", sagte der Bundestrainer zuletzt, schließlich seien dort "auch viele großartige Jungs dabei". Einige Talente haben den Sprung in die A-Nationalmannschaft bereits geschafft, viele weitere stehen noch Schlange.
Zu diesen Spielern gehört auch Paris Brunner, der Deutsch-Kongolese spielt in Monaco und traf unlängst beim Sieg über Lettland doppelt für die U21.
Tresoldi: "Vater-Sohn-Gespräch" mit Klopp
Tresoldi ist in dieser Konstellation ein "Härtefall" - zumindest ist er der am härtesten umworbene Spieler. Dass er die deutsche U21 auf Malta erstmals als Kapitän aufs Feld führen durfte, unterstreicht seinen hohen Stellenwert beim DFB.
"Ich wollte ihn damit noch mehr in die Verantwortung nehmen und ihm ein gutes Gefühl geben, um weiter für Deutschland aufzulaufen", sagte U21-Coach Antonio Di Salvo, der ebenfalls italienische Wurzeln hat und daher eine besondere Beziehung zu Tresoldi pflegt. "Nicolo weiß von mir, aber auch von Klopp, der auch schon einen engen Draht zu ihm hat, dass er ein Stürmer ist, auf den wir setzen. Aber wir wollen keinen Druck aufbauen."
Klopp habe ihm versichert, "dass die Tür immer offen ist", sagte Tresoldi über die "guten Gespräche" mit dem neuen Bundestrainer. Er habe ihm seine Situation "erklärt, und er hat es verstanden. Er ist ein super Mensch. Das war kein Trainer-Spieler-Gespräch, sondern wie ein Vater-Sohn-Gespräch."
Auch Italiens Mancini umwirbt Tresoldi
Dass sich Spieler so spät noch für einen Verbandswechsel entscheiden können, findet Littbarski "schon bescheuert". Er könne aber Tresoldis Zögern "natürlich verstehen. Er hat die Option, dann ist das legitim und clever, erst einmal zu gucken. Und trotzdem sieht das komisch aus, wenn der das letzte Spiel bei der U21 macht und dann auf einmal ein blaues Trikot anhat."
Denn auch Italiens neuer Nationaltrainer Mancini wirbt kräftig. "Zu ihm habe ich das Gleiche gesagt wie zu 'Kloppo'", sagte Tresoldi, der auf Sardinien aufgewachsen ist und mit 13 Jahren nach Deutschland kam. Sein Vater Emanuele war italienischer U21-Nationalspieler, über seine Mutter wäre Tresoldi theoretisch auch für Argentinien spielberechtigt.
Seit 2022 jedoch läuft er für die Nachwuchsmannschaften des DFB auf. Im Sommer war er laut Ex-Bundestrainer Julian Nagelsmann sogar "super nah" dran an einer WM-Teilnahme.
Starke Debüt-Saison in Brügge
In seiner Debütsaison in Belgien verbuchte der Stürmer 23 Tore und neun Vorlagen und traf in der Champions League gegen den FC Barcelona, Atlético Madrid sowie zuletzt gegen Aston Villa. In seiner Wohlfühloase U21 soll er nun in Abwesenheit von Stammkapitän Tom Bischof noch mehr Verantwortung übernehmen.
"Das war das erste Mal, dass ich Kapitän war. Das ist natürlich schön, ich bin richtig stolz", schwärmte Tresoldi und grinste. "Jetzt haben wir nur noch ein Spiel, das wir gewinnen müssen. Und dann haben wir unser Ziel erreicht", sagte Tresoldi mit Blick auf das Team. Und persönlich stehen eben nach Möglichkeit zwei eigene Treffer ganz oben auf seiner Agenda. Die Zukunftsfrage kann da noch warten, Klopp und Mancini werden sich gedulden müssen.