Tricks gegen Hitze in der Stadt Von A nach B - möglichst im Schatten
An solchen Tagen kann der ganz normale Arbeitsweg zur Herausforderung werden: es sind schon um 9 Uhr morgens 29 Grad im Münchener Stadtteil Berg am Laim. Açelya Basili steigt aus der Trambahn aus. Reststrecke: gut ein Kilometer bis zu ihrem Arbeitsplatz. Sie trifft sich zunächst mit Markus Striese vom Verein "München Aktiv für Gesundheit". Mit dabei hat er ein Oberflächenthermometer. Der Test auf Asphalt: 35 Grad im Schatten und 42 in der Sonne. "Das zeigt, dass wir mehr Grünflächen und mehr Verschattung in der Stadt brauchen", so Striese. Wo es schattige Wege jetzt schon gibt, zeigt die interaktive "Hitzefrei"-Karte, die er und sein Verein entwickelt haben. Schatten gezielt nutzen "Im Grunde zeigt die Karte an, wie man am schattigsten von A nach B kommt", sagt Açelya Basili. Sie gibt Start und Ziel in ihr Smartphone ein und die Software berechnet anhand von Wetterdaten die Gebäudeschatten - so kann sich die Strecke dann verlängern, aber dafür ist sie im Schatten. Unterwegs sind kühle Orte wie Kirchen oder schattige Bänke eingezeichnet, ebenso Toiletten und Trinkwasserbrunnen. "Die Karte kann leisten, dass sich Leute einerseits bewusst machen können, dass es schattige Orte in München gibt. Andererseits strahlt sie auch aus an die Politik, weil sie eben auch zeigt, wie viele Hitzeorte es eigentlich gibt", erklärt Markus Striese. Trinkwasser kostenlos auffüllen Der erste Stopp führt Açelya in eine Apotheke. Sie nimmt teil am Programm "refill" - eine Initiative, die dafür wirbt, dass Geschäfte kostenlos Flaschen mit Leitungswasser befüllen. "Tankstationen" gibt es deutschlandweit. Erkennen kann man sie an einem runden, blauen Sticker am Eingang. Kirchen als kühle Rückzugsorte Der nächste kühle Ort ist die Kirche St. Michael. Sie und viele andere in München und ganz Deutschland sind tagsüber geöffnet. Drinnen geht es Açelya "deutlich besser" im Kirchenschiff bei 23 Grad Temperatur statt mittlerweile 32 Grad draußen. Pausen einlegen Wer bei Hitze zu Fuß unterwegs ist, sollte solche Pausen zum Abkühlen unbedingt einplanen. Sonst droht Überhitzung, sagt Umweltmedizinerin Elke Hertig von der Uni Augsburg. "Der Mensch hat eine Wohlfühltemperatur von 20 Grad Celsius, alles darunter oder darüber bedeutet Stress", so die Medizinerin. Ab 30 Grad Außentemperatur steige das Risiko für gesundheitliche Schäden mit jedem Grad exponentiell an. "Besonders fehlende Abkühlung in der Nacht über mehrere Tage ist für ältere Menschen eine echte Gefahr", sagt sie. Diese fehlende Abkühlung in der Nacht betrifft vor allem Städte. Versiegelte Flächen und Betonwände speichern Wärme, die lange abstrahlt - der sogenannte Wärmeinseleffekt. Grün statt Beton Umso wichtiger sei es, Flächen zu entsiegeln, sagt Markus Striese vom Verein München Aktiv für Gesundheit. Die Stadt München etwa plant, bis 2033 3500 neue Bäume gepflanzt zu haben, 100 Millionen gibt die Stadt pro Jahr für Klimaanpassung aus. Doch bis die viel Schatten werfen, dauert es. Umso wichtiger, jetzt kühle Orte zu schaffen. "Wir brauchen mehr Orte, wo Menschen sich aufhalten können, ohne etwas kaufen zu müssen"", sagt Striese. Das sei besonders wichtig für Menschen mit wenig verfügbarem Einkommen. "Oft leben sie in kleinen Wohnungen, die erst recht aufheizen", so Striese. Umso wichtiger sei es, im öffentlichen Raum niederschwellig für Abkühlung zu sorgen und so die Teilhabe zu fördern. Wer einen solchen Ort kennt, könne sich beim Verein melden, dann werde er in die "Hitzefrei"-Karte aufgenommen. Açelya Basili derweil ist gut an ihrem Arbeitsplatz angekommen - zwar hat sie zehn Minuten länger gebraucht als üblich, doch dank Schatten und Abkühlung war der Weg sicher.