Trifft ihn Weltraumschrott?
Startseite Wissen Asteroid „Apophis“ rast 2029 nah an der Erde vorbei – trifft ihn dabei Weltraumschrott? Von: Tanja Banner Uns auf Google folgen Am 13. April 2029 rast Asteroid „Apophis“ näher an die Erde heran als Satelliten – und könnte dabei etwas treffen, womit niemand gerechnet hat. Frankfurt – Tagtäglich rasen Asteroiden im Weltall an der Erde vorbei – in der Regel haben sie genügend Abstand und gelten nicht als Gefahr. Am 13. April 2029 wird es etwas anders: An diesem Tag wird erwartet, dass der etwa 370 Meter große Asteroid „Apophis“ der Erde bis auf knapp 32.000 Kilometer nahe kommt. Das ist näher als geostationäre Satelliten, die die Erde umkreisen. Trotzdem geht von dem Asteroiden keine Gefahr für die Erde aus – da sind sich Fachleute nach jahrelangen Berechnungen mittlerweile sehr sicher. Für die Forschung ist der Vorbeiflug von „Apophis“ sogar ein Geschenk des Himmels: Normalerweise müssen ihre Raumsonden weite Wege ins Weltall zurücklegen, um Asteroiden zu erforschen – dieses Mal kommt das Forschungsobjekt ganz nah. Ein italienisches Forschungsduo hat nun eine Frage untersucht, die bisher keine Rolle spielte: Kann der Asteroid bei seiner nahen Annäherung an die Erde von Weltraumschrott getroffen werden? Asteroid „Apophis“ kommt der Erde 2029 näher als so mancher Satellit Dass der Erdorbit voller aktiver Satelliten und zahlreichem Weltraumschrott ist, ist bekannt. Allerdings befinden sich die meisten Teile im niedrigen Erdorbit, in den der Asteroid nicht vordringt. Doch auch in der Region, durch die „Apophis“ fliegen wird, gibt es Satelliten und Weltraumschrott – wenn auch nicht so viel, wie näher an der Erde. Giulia Schettino und Alessandro Rossi vom Istituto di Fisica Applicata (IFAC) des italienischen Forschungsrats CNR haben sich mit der Frage beschäftigt und kommen in ihrer Forschungsarbeit zu einer überraschenden Antwort: „Auch wenn die Wahrscheinlichkeit einer Kollision vermutlich äußerst gering ist, lässt sich die Möglichkeit einer Begegnung nicht vollständig ausschließen.“ Die Studie wurde im Fachmagazin The Planetary Science Journal veröffentlicht. Wird Asteroid „Apophis“ bei seinem Vorbeiflug an der Erde von Weltraumschrott getroffen? Sollte Asteroid „Apophis“ während seines Vorbeiflugs von Weltraumschrott getroffen werden, bedeutet das jedoch keine Gefahr für die Erde, betont Rossi bei ScienceAlert.com. Die Flugbahn des Asteroiden würde durch einen solchen Einschlag nicht bedeutend verändert. Deshalb stellt der Asteroid für die Erde weiterhin keine Gefahr dar. Umgekehrt wird jedoch die Erde großen Einfluss auf „Apophis“ ausüben. Fachleute erwarten, dass die Erdanziehungskraft die Rotation des Asteroiden verändert. Sie könnte außerdem Erdrutsche oder Beben auf dem Himmelskörper auslösen. Um das genau zu untersuchen, sollen zwei Raumsonden den Asteroiden begleiten und genau erforschen: Die ESA-Mission „RAMSES“ wird nach ihrem Start im Frühjahr 2028 im European Space Operations Centre (ESOC) der ESA in Darmstadt gesteuert werden, die NASA-Mission „OSIRIS-APEX“ ist bereits unterwegs zum Asteroiden. Greifen Sie mit unserem Astronomie-Newsletter nach den Sternen! Wann lohnt sich der Blick in den Nachthimmel besonders? Der Newsletter „Weltraum‑Woche“ liefert Ihnen jeden Freitag einen kompakten Überblick: die schönsten Himmels-Highlights der nächsten Tage, aktuelle Themen aus der Astronomie und was in der Raumfahrt als Nächstes ansteht. Abonnieren Sie jetzt – und bleiben Sie Woche für Woche auf dem Laufenden, was im All passiert. Hier geht es direkt zur Anmeldung. Weltraumschrott-Treffer hätte eher Auswirkungen auf „Apophis“-Missionen Für die beiden Missionen hätte ein Weltraumschrott-Treffer von „Apophis“ vermutlich größere Auswirkungen: Die Messergebnisse würden verändert. Dann wäre es möglicherweise schwierig, herauszufinden, welche Wirkung die Erde auf den Asteroiden hatte und was sich durch den Einschlag verändert hat. „Insbesondere könnte ein möglicher Zusammenstoß mit einem zurückgelassenen Trümmerteil die Rotationsdynamik des Asteroiden beeinflussen und den Erfolg eines geplanten Oberflächenexperiments gefährden“, heißt es in der Studie. Geostationärer Orbit und niedriger Erdorbit Der geostationäre Orbit (GEO) ist eine kreisförmige Umlaufbahn in einer Höhe von 35.786 Kilometern über dem Äquator. Satelliten, die sich auf dieser Umlaufbahn bewegen, umkreisen die Erde in exakt der gleichen Zeit, die die Erde für eine Umdrehung benötigt. Von der Erde aus scheinen sie deshalb immer über einem festen Punkt zu stehen. Es handelt sich dabei beispielsweise um Fernsehsatelliten, Satelliten, die für die Meteorologie im Einsatz sind, aber auch Kommunikations- und Militärsatelliten. Die meisten Satelliten befinden sich dagegen im niedrigen Erdorbit (LEO), der sich über eine Höhe von etwa 200 bis 2000 Kilometern über der Erde erstreckt. „Starlink“-Satelliten befinden sich meist in einer Höhe von 550 Kilometern, die Internationale Raumstation ISS fliegt auf rund 400 Kilometern Höhe und das bekannte „Hubble“-Weltraumteleskop fliegt in einer Höhe von knapp 500 Kilometern. Im LEO befindet sich deshalb auch der meiste Weltraumschrott, vor dem Fachleute immer wieder warnen und dem die ISS häufiger ausweichen muss. Momentan ist nur ein Teil des Weltraumschrotts im geostationären Orbit bekannt und wird beobachtet. Das Forschungsteam fordert deshalb, vor dem Vorbeiflug von „Apophis“ genau zu analysieren, welche aktiven und verlassenen Objekte sich in der Nähe des Asteroiden und der begleitenden Raumsonden befinden. Angesichts der Bedeutung des Ereignisses sei eine solche umfassende Bestandsaufnahme dringend angebracht. (Quellen: Studie, ScienceAlert.com, eigene Recherche) (tab)