Trip während Sitzung?: Spahn soll kurz vor Rauswurf aus dem Haushaltsausschuss gestanden haben
Nach übereinstimmenden Berichten der Magazine „Stern“, „Spiegel“ sowie von der ARD soll der ehemalige Unions-Fraktionschef Jens Spahn kurz vor dem Rauswurf aus dem Haushaltsausschuss gestanden haben, dessen Mitglied er erst seit kurzer Zeit ist.
Hintergrund ist eine Ausschusssitzung am vergangenen Mittwoch, bei der Spahn den Medienberichten zufolge fehlte. Als Begründung für sein Fehlen habe er angegeben, dass er sich um sein krankes Kind habe kümmern müssen.
Später veröffentlichte die „Bild“-Zeitung allerdings ein Foto, das Spahn mit seinem Mann und seinem Kind am Flughafen Olbia auf der Insel Sardinien gezeigt haben soll. Unabhängig überprüfen ließen sich die Vorwürfe bislang nicht. Der „Bild“-Artikel samt Foto wurde mittlerweile gelöscht und ist nicht mehr abrufbar.
„Bild“ bittet um Entschuldigung
Im Korrekturen-Ticker der „Bild“-Zeitung schrieb das Boulevardmedium in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag, dass man mit der Veröffentlichung des Fotos „gegen seine eigenen Regeln“ verstoßen habe. Als Begründung hieß es, dass „das Foto in einem privaten Rahmen entstanden war“. Daher habe das Medium den Beitrag kurz nach der Publikation gelöscht und „bittet um Entschuldigung“.
Bezüglich der Abwesenheit des Politikers bei der Sitzung des Haushaltsausschusses schreibt die „Bild“ weiter, dass „Spahn entschuldigt gefehlt“ hatte.
Der Journalist bei der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ), Moritz Baumstieger, schreibt derweil, dass sowohl Spahn als auch die „Bild“-Zeitung bislang dazu schweigen, auf wessen konkrete Veranlassung das Bild schließlich gelöscht wurde. Stattdessen verweist der stellvertretende Ressortleiter der Feuilleton-Rubrik auf die „ziemlich kurzen Drähte“ zwischen dem Politiker und dem Medium.
„Tagesschau“: Spahn soll „auf Bewährung“ bleiben dürfen
Wie das Online-Nachrichtenportal „Tagesschau“ unter Berufung auf Informationen mehrerer Unionsabgeordneter berichtete, soll sich die Arbeitsgruppe Haushalt der CDU/CSU-Fraktion am Freitag zu einer außerordentlichen Sitzung getroffen haben, um die Personalie Spahn zu besprechen.
Demnach soll der veröffentlichte „Bild“-Bericht zuvor noch vor seiner Löschung „ausgerechnet während einer Sitzung des Haushaltsausschusses“ von Spahns Kolleginnen und Kollegen in Berlin entdeckt worden sein, berichtet die „Tagesschau“. Aus dem Ausschuss hieß es demnach, dass der Unionspolitiker am vorangegangenen Mittwoch seine Abwesenheit mit einer Erkrankung seines Kindes begründet habe.
Dem Medium zufolge sollen zahlreiche Fraktionsabgeordnete die Glaubwürdigkeit Spahns als weiter beschädigt eingestuft haben, weshalb man in der Sondersitzung am Freitagmittag über den künftigen Umgang mit dem 46-Jährigen diskutiert habe. Derweil berichtete das ARD-Hauptstadtstudio unter Berufung auf nicht genannte Quellen, dass eine Mehrheit der Abgeordneten sich dafür ausgesprochen habe, Spahn aus dem einflussreichen Ausschuss zu entfernen.
Weiterhin sei es Spahns Nachfolger im Amt des Fraktionsvorsitzenden, Thorsten Frei, zu verdanken, dass man dem Politiker eine Gnadenfrist gewährt habe. Die „Tagesschau“ berichtet, dass Spahn sozusagen „auf Bewährung“ zunächst bis Dezember Mitglied im Ausschuss bleiben dürfe, sich allerdings keinerlei Ausreißer mehr erlauben dürfe.