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Trockenheit und Hitze in SH: Tausende Bäume in Städten sterben ab

Nation

Stand: 29.08.2026 05:00 Uhr

Tausende Bäume in Schleswig-Holsteins Städten sind in den vergangenen Jahren abgestorben. Grund sind Trockenheit und Hitze. In einigen Städten wird an Lösungen gearbeitet.

von Aaron Schlichting

Die langen Trockenphasen gehen auch an Stadtbäumen, also Bäumen, die im dicht bebauten städtischen Raum wachsen, nicht vorbei. So sehen einige Bäume bereits jetzt herbstlich aus, andere wirken schwach und sterben ab. Die Deutsche Umwelthilfe warnt vor dieser Entwicklung. Laut DUH sind in den vergangenen Jahren Tausende Bäume in den Städten verloren gegangen. Besonders betroffen sind demnach Lübeck und Neumünster.

Ein Leben zwischen Autos und Beton

Ein Stadtbaum übernimmt viele Aufgaben in der Stadt. Er bietet Vögeln, Insekten und Kleinsäugern einen geschützten Lebensraum. Er produziert Sauerstoff und bindet Kohlenstoffdioxid. Stadtbäume wirken als natürliche Klimaanlagen. Sie spenden Schatten und kühlen die Umgebungstemperatur durch Verdunstung ab.

Außerdem beruhigen die grünen Blätter das menschliche Nervensystem. Sie steigern nachweislich die Lebensqualität der Stadtbewohner. Aber schon ohne den Klimawandel hat es ein Stadtbaum laut Annette Eschenbach, Expertin für Bodenschutz an der Universität Hamburg, nicht einfach:

Die Bedingungen in der Stadt sind häufig schlecht. Wir sehen ganz viele versiegelte Flächen. Wir sehen Flächen, wo im Untergrund auch Leitungen gebaut sind. Da ist einerseits der Wurzelraum oft viel zu gering und andererseits die Verfügbarkeit von Wasser zu niedrig. Annette Eschenbach (Professorin für Bodenschutz an der Universität Hamburg)

Der Boden ist zu trocken

Laut Eschenbach kann ein ausgewachsener Baum zwischen 200 und 500 Liter Wasser am Tag benötigen, damit er gute Kühlleistungen erbringen kann. Doch dafür sei der diesjährige Niederschlag nicht ausreichend gewesen.

Zum Ende des Sommers spricht der Deutsche Wetterdienst von ungewöhnlich stark ausgetrockneten Böden, die an die Dürrejahre 2018 und 2022 erinnern. Das betrifft zwar hauptsächlich den Süden Deutschlands. Aber auch in Schleswig-Holstein war es zu trocken. Bei weniger als 60 Millimeter können Bäume schnell in Hitzestress geraten und austrocknen.

Laut den Richtwerten zur nutzbaren Feldkapazität gilt für die Bodenschicht von 0 bis 60 Zentimetern ein Wert von unter 60 Millimeter planzenverfügbares Wasser als unzureichend. Das betrifft viele Orte in Schleswig-Holstein.

Städte in SH mit ersten Lösungen

NDR Schleswig-Holstein hat größere Städte im Land befragt, wie mit dem Problem umgegangen wird. So arbeitet die Stadt Neumünster gerade an einem Entwicklungskonzept für Stadt- und Straßenbäume. In Schleswig und anderen Städten setzt man bei Neupflanzungen auf sogenannte "Klimabäume".

Bäume, von denen man annimmt, dass sie den veränderten Klimabedingungen Stand halten können. Ein wichtiger Faktor ist auch die bedarfsgerechte Bewässerung von Stadtbäumen. Ein Projekt aus Flensburg bietet hier eine Lösung an.

Sensoren an Flensburgs Stadtbäumen

Das TBZ Flensburg (Technisches Betriebszentrum) hat in diesem Sommer viel zu tun. Die Bewässerungseinsätze für Stadtbäume dauern lange und sind aufwendig. Die vielen anderen Aufgaben des Betriebszentrums bleiben häufig liegen. Ein neues Forschungsprojekt soll helfen. Unter dem Titel "Green Ecolution" testet das TBZ zur Zeit Bodenfeuchte-Sensoren. Die Idee entstand aus einem Forschungsprojekt von Studierenden der Flensburger Hochschule.

Bewässerung nach Bedarf des Baums

Cedrik Hoffmann hat sich in seiner Masterarbeit mit Sensoren beschäftigt, die den Wasserbedarf von Stadtbäumen messen können. Dafür werden die Sensoren direkt im Boden an den Baumgruppen angebracht und mit einer digitalen Plattform verknüpft. Der Sensor erfasst, wann und wie viel Wasser ein Baum benötigt. Das Projekt wird derzeit vom TBZ, der Stadt Flensburg und dem Unternehmen PROGEEK getestet.

Digitale Plattform schafft Überblick

Die ersten Bäume sind bereits auf einer Karte in der TBZ-Zentrale zu sehen. Leuchtet ein Baum auf dem Bildschirm rot auf, ist der Boden zu trocken. Dann kann das TBZ einen Bewässerungseinsatz starten. Auch die Route für den Einsatz wird über die digitale Plattform geplant. So sollen die Einsätze besser koordiniert und dadurch Zeit gespart werden. Gleichzeitig kann das Wasser gezielter dort eingesetzt werden, wo es tatsächlich gebraucht wird.

Wenn man als Student hier in Flensburg wohnt und dann mit der Stadt zusammen etwas entwickelt, was die Stadt auch wirklich braucht. Das ist schon was besonderes. Cedrik Hoffmann

Option für ganz Schleswig-Holstein

Rund 150 Sensoren sollen in nächster Zeit in Flensburg verbuddelt werden. Wenn die Testphase positiv abgeschlossen wird, könnten die Sensoren eine Option sein, um Stadtbäume in ganz Schleswig-Holstein zu schützen.

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