Trockenheit: Wassermangel an der Donau bedroht Stromproduktion in Mitteleuropa
Der niedrige Wasserstand der Donau sorgt für teils erhebliche Ausfälle bei der Stromproduktion in Mitteleuropa. In Österreich, Rumänien und Ungarn müssen Wasser- und Atomkraftwerke ihre Stromproduktion drosseln oder sogar vorübergehend einstellen, nachdem die Wasserstände teils historische Tiefstwerte unterschritten haben. In Rumänien schien es zeitweise, als müssten im Kernkraftwerk Cernavodă beide funktionierenden Reaktorblöcke abgeschaltet werden. Sie erzeugen normalerweise ein Fünftel des Stroms in Rumänien. Berichten zufolge ist es das erste Mal, dass beide Reaktoren wegen Niedrigwassers nicht genutzt werden können. Das Kraftwerk benötigt das Wasser der Donau zum Kühlen. In Rumänien sank der Pegelstand jedoch auf ein Drittel des durchschnittlich im Juli gemessenen Werts. Rumäniens Atomstromproduktion halbiert, Abschaltung in Ungarn Das rumänische Energieministerium hatte am Mittwoch von einer »ungünstigen Entwicklung der hydrologischen Bedingungen« für den Betrieb des zweiten Reaktors gesprochen. Der erste Reaktor wurde bereits vor einigen Tagen aus dem Netz genommen. Allerdings teilte der Betreiber am Donnerstagmittag mit, anders als angekündigt könne zumindest der zweite Reaktor vorerst weiter genutzt werden. In Ungarn musste am Kernkraftwerk Paks, rund 100 Kilometer südlich der Hauptstadt Budapest, einer der vier Reaktorblöcke abgeschaltet werden. Ministerpräsident Péter Magyar warnte, das drohe auch den drei anderen Blöcken. In Paks befindet sich das einzige Atomkraftwerk Ungarns. Das Land erzeugt mehr als 40 Prozent seines Stroms mit Atomenergie. Bei Paks liegt der Wasserstand nach Angaben dortiger Wasserkraftwerke sogar 121 Zentimeter unter dem bisherigen Tiefstwert. Die Stromversorgung der Bevölkerung sei aber nicht gefährdet. Erderwärmung reduziert Schmelzwasser aus Gletschern Wasserkraftwerke fielen derweil in Österreich teilweise aus. An fast allen Zubringern zur Donau in Oberösterreich herrscht ebenfalls Wassermangel. Viele der mehr als 4.000 Kleinwasserkraftwerke sind betroffen und müssen ihre Produktion um bis zu 50 Prozent senken oder gänzlich einstellen. An den niedrigen Pegelständen leiden auch Fischerei, Tourismus und die Logistik über Wasserwege. Kreuzfahrten von Passau nach Wien müssen derzeit vorzeitig enden. Nahe dem rumänischen Donauhafen Cetate blieb in dieser Woche ein Kreuzfahrtschiff mit fast 240 Menschen an Bord in einer Sandbank stecken. Frachtschiffe können nur noch teilweise beladen werden und fahren dadurch Verluste ein. Grund für die niedrigen Wasserstände sind mangelnde Regenfälle, aber auch zunehmend zu wenig Schmelzwasser von Gletschern, sagte Florian Seidl, Sprecher des österreichischen Wasserkraftwerkbetreibers Verbund. »Eigentlich sollten wir jetzt das Wasser aus der Schneeschmelze abarbeiten, aber aufgrund der Erderwärmung fällt immer weniger Schnee.« Die Produktion des Betreibers liege rund 30 Prozent unter dem langjährigen Mittel. Tiefe Stände am Rhein bedrohen Wirtschaftswachstum Auch in Deutschland lässt die anhaltende Dürre den Wasserstand des Rheins weiter sinken. Am wichtigen Nadelöhr Kaub in Rheinland-Pfalz lag der Wasserstand zuletzt nach Angaben der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) bei 29 Zentimetern. Bis Montag könne er auf 26 Zentimeter fallen, teilte die Behörde mit. Damit bliebe er nur knapp über dem Tiefstwert von 25 Zentimetern im Jahr 2018. Bei dem Pegelstand handelt es sich um einen Referenzwert für die Schifffahrt, tatsächlich ist der Rhein bei Kaub noch gut einen Meter tief. Um voll beladen werden zu können, benötigen Schiffe dort jedoch einen Stand von 1,5 Metern. Derzeit seien die Schiffe nur zu etwa 20 Prozent ausgelastet, teilte die Schifffahrtsgenossenschaft DTG mit. Das treibe die Kosten für die Industrie in die Höhe: Rohstoffhändlern zufolge stiegen die Preise für den Transport mit Tankbinnenschiffen von Rotterdam nach Karlsruhe am Donnerstag auf bis zu 150 Euro pro Tonne und waren damit mehr als dreimal so hoch wie Ende Juni.