Trotz Warnung vor „teuerstem LNG“: Sefe schließt 20-Jahres-Vertrag mit Kanada
Der staatliche Berliner Gasimporteur Sefe hat einen langfristigen Liefervertrag mit dem kanadischen Anbieter Ksi Lisims LNG geschlossen. Wie das Unternehmen am Montag mitteilte, wird es über 20 Jahre jährlich eine Million Tonnen Flüssigerdgas beziehen. Die ersten Lieferungen werden für die frühen 2030er-Jahre erwartet. Damit folgt auf die im Frühjahr unterzeichnete Absichtserklärung nun der endgültige Kaufvertrag. Es ist Sefes erste langfristige LNG-Lieferpartnerschaft mit Kanada.
Bereits die damalige Vereinbarung, die auch Vertreter des von Katherina Reiche (CDU) geführten Bundeswirtschaftsministeriums unterzeichnet hatten, löste Kritik aus. „Kanadisches LNG wird für EU-Kunden zum teuersten LNG werden“, sagte Ana Maria Jaller-Makarewicz, Energieanalystin am Institut für Energiewirtschaft und Finanzanalyse (IEEFA), im Juni auf Anfrage der Berliner Zeitung. Sefe begründet den Vertragsabschluss dagegen mit einer breiteren Beschaffung und der langfristigen Absicherung seiner Kunden.
LNG aus Kanada ist nicht für Deutschland reserviert
Die Lieferungen sind nach Angaben von Sefe nicht an bestimmte Zielorte gebunden. Der Konzern kann das Gas somit an Kunden in verschiedenen Ländern weiterverkaufen. Dass die jährlich vereinbarte Million Tonnen tatsächlich nach Deutschland gelangt, ist damit nicht festgelegt.
Vereinbart ist eine Lieferung auf sogenannter FOB-Basis, kurz für „Free on Board“. Dabei übernimmt der Käufer das LNG am Verladehafen und organisiert den anschließenden Schiffstransport. Sefe kann dadurch Absatzmärkte und Transportwege selbst wählen.
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„Diese Vereinbarung ist ein wichtiger Schritt, um das globale LNG-Portfolio von SEFE weiter zu diversifizieren und die Energieversorgung unserer Kunden langfristig abzusichern“, erklärt Sefe-Handelsvorstand Frédéric Barnaud. Gemeinsam mit Ksi Lisims LNG stärke der Konzern die Energiesicherheit und unterstütze den Wandel hin zu einer nachhaltigeren Energiezukunft. Einen Kaufpreis nennt die Mitteilung nicht.
Expertin kritisierte lange und teure Transportwege
Jaller-Makarewicz hatte ihre Kostenkritik im Juni mit dem längeren Transportweg nach Europa begründet. Die Produktionskosten für kanadisches und US-amerikanisches Flüssigerdgas seien zwar ähnlich. Die Route von Westkanada nach Deutschland über den Panamakanal sei jedoch „länger und teurer“. Ihre Einschätzung bezog sich auf Lieferungen nach Europa; der nun geschlossene Vertrag erlaubt auch andere Absatzmärkte.
Darüber hinaus stellte Jaller-Makarewicz die deutsche Beschaffungsstrategie grundsätzlich infrage. „Unabhängig von der Herkunft gefährdet eine zunehmende Abhängigkeit von LNG-Importen die Energiesicherheit Deutschlands“, sagte sie damals. Durch die gestiegenen LNG-Importe sei Deutschland anfälliger für Schwankungen auf dem Weltmarkt und geopolitische Konflikte geworden. Statt allein die Lieferanten zu diversifizieren, solle das Land stärker auf sauberere Energiequellen umstellen.
Laufzeit über 2045 hinaus löste Kritik aus
Auch die Vertragsdauer hatte politischen Streit ausgelöst: Bei einem Lieferbeginn in den frühen 2030er-Jahren reicht die Vereinbarung bis in die 2050er-Jahre – und somit über Deutschlands Klimaneutralitätsziel 2045 hinaus. Die energiepolitische Sprecherin der SPD, Nina Scheer, hatte die Absichtserklärung damals als mit den gesetzlichen Klimazielen „nicht vereinbar“ kritisiert.
Das Bundeswirtschaftsministerium hielt dagegen: Sefe sei „ein international agierendes Unternehmen, mit Lieferungen über Europa hinaus“. Zwischen dem Abkommen und den Klimazielen bestehe deshalb „kein Widerspruch“. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche begründete die Zusammenarbeit damals mit vielfältigeren Beschaffungswegen und mehr Widerstandsfähigkeit gegenüber globalen Risiken.
Ksi Lisims LNG ist ein Gemeinschaftsunternehmen von Western LNG, Rockies LNG und der indigenen Nisga’a Nation. Laut Sefe soll erneuerbare Wasserkraft eine LNG-Produktion mit besonders geringen Emissionen ermöglichen. Jaller-Makarewicz verwies hingegen auf die geplante Nutzung von Fracking-Gas aus der Montney-Formation. Der lange Transportweg über den Panamakanal erhöhe zudem die Emissionen. Der Kanal arbeite bereits an seiner Kapazitätsgrenze und habe wegen schwerer Dürren und El-Niño-Wetterphänomene mit kritischem Wassermangel zu kämpfen, so die Expertin.
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