Trump bei den UN: Was der Präsident bei den Vereinten Nationen vorhat
US-Präsident spricht bei den UN
Einen Deal hat Trump schon in der Tasche
Eine Analyse von David Schafbuch, Patrick Diekmann
Aktualisiert am 22.09.2026 - 11:23 UhrLesedauer: 6 Min.
Der US-Präsident hat die Vereinten Nationen in der Vergangenheit scharf kritisiert. Was ist von seiner Rede bei der Generaldebatte in New York zu erwarten?
Patrick Diekmann und David Schafbuch berichten aus New York
Vor einem Jahr hatte Donald Trump so gut wie an allem etwas auszusetzen, was die UN betraf. "Leere Worte beenden keine Kriege", warf er den Vereinten Nationen etwa in seiner Rede bei der Generaldebatte vor. Er selbst habe dagegen bereits sieben Kriege beendet. Eine Behauptung, die mehr als umstritten war und einer Überprüfung kaum standhielt.
Die UN hätten ihm dabei allerdings nicht geholfen, klagte der Präsident in New York, noch nicht einmal einen Anruf habe er erhalten. Stattdessen habe er zwei Dinge bekommen: einen kaputten Teleprompter und eine kaputte Rolltreppe. Trump war zuvor bei der Ankunft in dem Gebäude mit seiner Frau Melania auf der Rolltreppe stecken geblieben. Der Teleprompter habe dagegen funktioniert, warf die Präsidentin der Vollversammlung, Annalena Baerbock, damals ein.
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Was genau Trump dieses Mal in seiner Rede bei der Generaldebatte sagen wird, kann nicht vorausgesehen werden. Anzeichen dafür, dass sich seine Meinung zu den Vereinten Nationen in den vergangenen Monaten geändert hat, gibt es jedenfalls keine. Dagegen sind die Herausforderungen, denen sich der Präsident international stellen muss, noch größer geworden als vor seiner letzten Rede. Ein Überblick:
1. Iran-Krieg und der Nahe Osten
Schon bei seiner letzten Rede in New York hatte Trump davor gewarnt, dass der Iran keine eigenen Atomwaffen besitzen dürfe. Jetzt befinden sich die USA seit fast genau sieben Monaten im Krieg mit dem Land, und es zeichnet sich bislang kein dauerhaftes Ende ab.
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Im Gegenteil – es sieht so aus, als könnte sich der Konflikt im Nahen Osten ausweiten. Zuletzt hatte die Huthi-Miliz im Jemen die Westküste des Landes eingenommen und dadurch Zugang zur Meerenge Bab al-Mandab erhalten. Der Iran unterstützt die Miliz. Nach der Straße von Hormus ist damit ein weiterer essenzieller Handelsweg für internationale Lieferketten bedroht.
Im Weißen Haus soll bereits darüber nachgedacht werden, auch im Jemen militärisch einzugreifen. Trump und Verteidigungsminister Pete Hegseth waren am Wochenende unerwartet nach Washington zurückgekehrt. Nach Informationen der "New York Times" wurde dort über einen Angriff auf die Huthis beraten. Der US-Präsident entschied sich aber dagegen.
Die Woche in New York bietet der US-Regierung jetzt die Möglichkeit für einige Gespräche. Trump trifft am Dienstag Vertreter aus sechs Golfstaaten. Termine mit Vertretern aus Israel und dem Iran sind allerdings nicht angesetzt. Trump wird New York schon am Dienstagabend wieder verlassen. Die Reden des iranischen Präsidenten Massud Peseschkian ist für Mittwoch angesetzt. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu soll am Donnerstag sprechen.
2. Ukraine-Krieg
Schon bei seiner Rede im vergangenen Jahr hatte Trump gesagt, er habe es sich leichter vorgestellt, den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine zu beenden. Entscheidende Fortschritte wurden seitdem nicht erzielt.
Vor zwei Wochen waren zuletzt die beiden US-Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner nach Moskau und erstmals auch nach Kiew gereist. Ein diplomatischer Durchbruch blieb aber aus. Weitere Gespräche werden jetzt in New York folgen: Trump wird sich am heutigen Dienstag mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj treffen. Am Mittwoch wird Selenskyj dann selbst in der Generaldebatte reden.
Der ukrainische Präsident hatte am Sonntag auch mit Trump telefoniert und sprach von einer "diplomatischen Dynamik", die es momentan gebe. Trump hatte zuletzt auch ein neues Sanktionspaket des Kongresses gegen Russland unterzeichnet. Gleichzeitig mahnte der Präsident aber auch die Ukraine an, ihre Angriffe auf die russische Ölindustrie zu stoppen. Selenskyj sprach sich am Montag für eine begrenzte Waffenruhe in dem Krieg aus.
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Ähnliche Gespräche mit der russischen Seite führt Trump nicht. Der russische Präsident Wladimir Putin wird nicht nach New York kommen. An seiner Stelle reist Außenminister Sergej Lawrow an, der erst am Samstag sprechen wird.
3. Der Deal mit Grönland
Recht unerwartet verkündete der US-Präsident am Freitagabend (Ortszeit), dass er mit der dänischen Regierung eine Einigung über den Status der Insel Grönland geschlossen habe. Wenig später bestätigten auch der Regierungschef der Insel, Jens-Frederik Nielsen, und die Ministerpräsidentin von Dänemark, Mette Frederiksen, die Einigung. Heute soll das Abkommen in New York unterzeichnet werden. Konkret geht es dabei vor allem um die künftigen militärischen Vorrechte der USA auf der Insel.
Kommentar zur Grönland-Einigung: Musste das sein?
Trump hatte zuvor jahrelang damit gedroht, dass sich die USA die Insel einverleiben könnten. Dabei sprach er zeitweise von einem Kauf Grönlands und schloss zwischenzeitlich auch eine militärische Annexion nicht aus. Zu Beginn des Jahres hatte Trump davon aber Abstand genommen. Seitdem hatten Vertreter der drei Länder über ein Abkommen verhandelt.
Im Video | Das steckt wirklich hinter Trumps Anspruch auf Grönland
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Bei den Details hielten sich alle drei Regierungen eher zurück. Allerdings waren in den vergangenen Tagen durchaus unterschiedliche Interpretationen zu dem Abkommen zu hören. Trump teilte am Freitag mit, durch das Abkommen habe man dauerhaft die militärische Kontrolle über die Insel. Laut US-Medien sollen drei neue US-Stützpunkte errichtet werden. Der dänische Außenminister Lars Løkke Rasmussen hob dagegen zuletzt hervor, dass die militärische Verantwortung nicht nur bei den USA, sondern künftig auch zu einem großen Teil bei der Nato liege.
4. Die Zukunft der UN
Trump hatte in seiner vergangenen Rede die UN massiv angezählt. Dabei unterstellte er der Institution auch ein "enormes Potenzial". Seine kritische Haltung hatte der US-Präsident in den vergangenen zwölf Monaten allerdings nicht revidiert. Ende des vergangenen Jahres gründete Trump stattdessen einen eigenen "Friedensrat", dem sich bislang 27 Staaten angeschlossen haben.
Der Präsident ist selbst Vorsitzender des Gremiums auf Lebenszeit. Befürchtet wurde, dass der Rat eine Parallelstruktur zur UN werden könnte. Diese Furcht ist in Diplomatenkreisen aber eher zurückgegangen. Zwar ist der Rat darum bemüht, eine Lösung des Konflikts zwischen Israel und den Palästinensergebieten zu finden. Zuletzt waren die Verhandlungen aber ins Stocken geraten.
Gleichzeitig haben die USA ihr Engagement in den Vereinten Nationen reduziert. Die US-Regierung ist zwar weiterhin der größte Geldgeber der UN. Aktuell stehen aber noch Zahlungen von vier Milliarden Dollar aus. UN-Botschafter Mike Waltz hatte in den vergangenen Monaten kritisiert, dass das Budget der Organisation gestiegen, die Welt aber nicht friedlicher geworden sei. Zusätzlich sind die USA unter Trump aus etlichen UN-Organisationen ausgetreten.
Die kommenden Tage ermöglichen zudem der US-Regierung, über den nächsten UN-Generalsekretär zu beraten. Ende des Jahres wird der Portugiese António Guterres das Amt abgeben. Trump hatte zuvor den Fifa-Präsidenten Gianni Infantino als Nachfolger ins Gespräch gebracht. Allerdings sind die Hürden dafür hoch: Ein Kandidat muss von den fünf ständigen Mitgliedern und noch von vier weiteren Staaten im Sicherheitsrat unterstützt werden. Danach muss die Generalversammlung den Kandidaten bestätigen.
5. Wie blickt die Bundesregierung auf die Woche?
Die deutsche Regierung hat sich einen pragmatischen Umgang mit der Trump-Administration angewöhnt. Unter ihrem aktuellen Präsidenten machen die Amerikaner eine erratische Politik. Es ist ein ewiges Auf und Ab: Mal muss Kanzler Friedrich Merz ein Telefonat mit Trump absagen, weil der US-Präsident sich öffentlich über den AfD-Wahlsieg bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt gefreut hat. Mal loben sich Verteidigungsminister Pete Hegseth und dessen deutscher Amtskollege Boris Pistorius in den USA gegenseitig.
Zielscheibe oder transatlantischer Partner für Trump? Die Bundesregierung weiß selten, was von Trump zu erwarten ist. Zwar konnten die europäischen Nato-Staaten und die Europäische Union bislang den großen Knall in den transatlantischen Beziehungen verhindern. Aber fest steht: Nach Trumps Rückkehr ins Weiße Haus hat sich das US-Verhältnis der Europäer erheblich verschlechtert. Auch Berlin versucht, Schadensbegrenzung zu betreiben – und das sogar halbwegs erfolgreich. Denn bislang haben die USA ihr Engagement in Europa nur in einem sehr geringen Umfang zurückgefahren.
Doch in zentralen geopolitischen Fragen – Iran-Krieg, Gespräche mit China, Russland oder der Lage im Gazastreifen – stimmen sich die Amerikaner kaum mit den Europäern ab. Die Hoffnung lag auf Außenminister Marco Rubio, der eigentlich am Montagabend bei einem Dinner der G7-Staaten in New York anwesend sein sollte. Diesen Termin hatte Rubio allerdings abgesagt, offenbar, weil er mit Trump den Besuch von Xi Jinping am Donnerstag vorbereitete, munkelt man hinter den Kulissen.
Die Bundesregierung erwartet, dass Trumps Rede vor dem Hintergrund des Wahlkampfes zu bewerten ist – und sich womöglich um die Lage in der Golfregion oder um Trumps Grönland-Deal drehen wird. Anfang November finden in den USA Zwischenwahlen statt. Schon im vergangenen Jahr nutzte der US-Präsident die Bühne bei den Vereinten Nationen, um ein innenpolitisches Signal an seine Wählerschaft zu senden.
Gleichzeitig erwartet man, dass Trump im Wahlkampf noch in irgendeiner Form einen Sieg über den Iran verkünden wird. Bislang haben die USA und Israel zwar das iranische Regime in seinem Widerstandswillen offenbar noch gestärkt. Aber der Krieg ist in den Vereinigten Staaten unbeliebt – und Trump braucht einen Erfolg.
Sollten die Kämpfe am Golf enden, wäre das auch im deutschen Interesse. Dass sich die Amerikaner nun offenbar doch wieder mehr im Ukraine-Krieg engagieren, wird auch in Berlin begrüßt. Deshalb blickt die Bundesregierung derzeit mit etwas mehr Ruhe und Optimismus auf Trumps Außenpolitik. Aber immer in dem Bewusstsein, dass morgen wieder alles anders sein kann.
Verwendete Quellen
Eigene Recherche
Mit Material der Nachrichtenagenturen dpa, AFP und Reuters
nytimes.com: " Trump Gets Caught in a Dilemma Over a Saudi Plea for Military Help " (englisch, kostenpflichtig)
Quellen anzeigen
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