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Trump droht Bombardier mit Rauswurf

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Zollkonflikt mit Kanada eskaliert weiter: Trump droht Bombardier mit US-Rauswurf

Von: Mark Simon Wolf

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Der Handelsstreit zwischen den USA und Kanada eskaliert weiter: US-Präsident Donald Trump droht dem kanadischen Flugzeughersteller Bombardier mit dem Rauswurf.

Washington – Wie sehr Donald Trump auf Kanada herabblickt, ließ er das Nachbarland einmal mehr in einem Social-Media-Beitrag spüren: In einem Posting verschwindet es unter den US-typischen Sternen und Streifen – fast so, als gehöre es bereits zu den USA. Obwohl auch Mexiko, Grönland und sogar Island auf der Karte als US-Territorium markiert sind, nimmt der US-Präsident derzeit besonders Kanada ins Visier: Er droht dem kanadischen Flugzeugbauer Bombardier mit dem Rauswurf aus den USA.

Die Ansage kam ebenfalls über Truth Social – und fiel gewohnt brachial aus: „NO MORE SELLING BOMBARDIER IN THE UNITED STATES!“, schrieb Trump in Großbuchstaben und ergänzte den Hinweis, dass die Produkte des kanadischen Flugzeugbauers „nicht gut genug“ seien. Wer Zugang zum amerikanischen Markt wolle, müsse auch dort produzieren. Kanada und Bombardier sollten aufhören, die Vereinigten Staaten wie ein „Sparschwein“ zu behandeln. Damit bedroht Trump eines der wichtigsten kanadischen Industrieunternehmen. Bombardier mit Sitz im Großraum Montréal baut vorwiegend Geschäftsflugzeuge der Challenger- und Global-Familien – und ist stark vom amerikanischen Markt abhängig.

Trump eskaliert den Zollstreit mit Kanada weiter – und droht Bombardiers Flugzeuge mit dem US-Ausschluss

Noch allerdings ist Trumps Ankündigung nur eine Drohung. Ein formelles Verkaufs- oder Importverbot wurde bisher nicht erlassen – und ist wohl auch vorerst nicht geplant. Selbst das Weiße Haus ließ auf Nachfrage von Reuters zunächst offen, auf welchem Weg ein solcher Verkaufsstopp überhaupt umgesetzt werden könnte.

Und dennoch kommt die Attacke mitten in einem ohnehin eskalierenden Handelsstreit mit dem nördlichen Nachbarn. Die USA hatten zuletzt Zölle von 50 Prozent auf bestimmte kanadische Waren im Wert von rund 20 Milliarden US-Dollar verhängt. Kanada reagiert nun mit Gegenzöllen von bis zu 50 Prozent auf US-Produkte im Wert von rund 27,6 Milliarden kanadischen Dollar. Im In- und Ausland wurde Premier Mark Carney für seine Chuzpe, Trump die Stirn geboten zu haben, gefeiert.

Neu sind die Drohungen für Bombardier allerdings ohnehin nicht: Bereits Ende Januar hatte Trump mit einem Strafzoll von 50 Prozent auf kanadische Flugzeuge gedroht und einen möglichen Entzug amerikanischer Zulassungen für Bombardier-Maschinen ins Spiel gebracht. Bisher versandete auch diese Drohung. Damals war der Auslöser ausgerechnet ein amerikanischer Konkurrent: Gulfstream Aerospace. Trump warf Kanada vor, die Zulassung mehrerer neuer Gulfstream-Geschäftsflugzeuge unangemessen zu verzögern und damit einen US-Hersteller gegenüber dem heimischen Konkurrenten Bombardier zu benachteiligen. Sowohl die Regierung Kanadas als auch Bombardier selbst, wiesen die US-Vorwürfe mit Kritik vehement zurück. Wohl wissend, dass die Umsetzung eines derartigen Schritts mit hohen Hürden verbunden wäre.

Denn Bombardier-Flugzeuge besitzen Zulassungen der US-Luftfahrtbehörde FAA. Solche Zertifikate lassen sich nicht kurzerhand wegen eines Handelsstreits entziehen. Das amerikanische Luftfahrtrecht sieht für derartige Vorgänge ohnehin formale Verfahren vor. In erster Linie werden solche Fragen anhand der Flugsicherheit und des öffentlichen Interesses gemessen. Weiterhin könnte Bombardier alle rechtlichen Register ziehen, um ein Verbot anzufechten. Auch der US-Luftfahrtanalyst Richard Aboulafia von der Beratungsfirma AeroDynamic Advisory äußerte gegenüber Reuters Zweifel: Er sehe nicht, wie Trump den Verkauf von Bombardier-Jets tatsächlich verhindern könne.

Trump hat im Handelsstreit wirksame Instrumente gegen Kanada – doch es drohen Rechtsstreits

Trotzdem verfügt der US-Präsident über einen gewissen Spielraum, besonders in Bezug auf die Handelspolitik. Das US-Recht gibt der Regierung verschiedene Instrumente, um Importe mit zusätzlichen Zöllen zu belegen. So gibt es tatsächlich ein Gesetz, das unter bestimmten Voraussetzungen Zusatzzölle von bis zu 50 Prozent erlauben könnte, wenn ein anderes Land den amerikanischen Handel diskriminiert.

Im drastischsten Fall führt das sogar zum Marktausschluss. Ein weiteres Instrument bietet Trump der Trade Expansion Act: Im Juli hatte Trump auf dieser Grundlage bereits verkündet, dass Importe von Verkehrsflugzeugen, Triebwerken und Flugzeugteilen unter den bestehenden Umständen die nationale Sicherheit der USA zu beeinträchtigen drohten. Zölle oder sonstige Maßnahmen folgten vorerst keine, Trump wollte erstmal die Verhandlungen mit den Partnern abwarten. Machtlos ist der Präsident also keineswegs. Aber dennoch ist gleichzeitig der Puffer für Bombardier recht groß.

Außerdem hat Kanada im ursprünglichen Gulfstream-Streit längst eingelenkt: Die betroffenen Modelle G500, G600, G700 und G800 sind seit Februar zugelassen. Trumps Vorwurf, Kanada halte Gulfstream grundsätzlich vom eigenen Markt fern, lässt sich damit heute kaum noch aufrechterhalten. Ein Sprecher des kanadischen Verkehrsministeriums bestätigte das gegenüber der Financial Times: „Gulfstream-Flugzeuge können in Kanada frei verkauft und betrieben werden.“

Bombardier mit hohem Umsatz in den USA – doch Trump übersieht Arbeitsplätze und Lieferketten

Wie schmerzhaft ein tatsächlicher Ausschluss dennoch wäre, zeigt ein Blick auf die Bedeutung des US-Marktes für Bombardier: Im Geschäftsjahr 2024 erzielte der Konzern rund 5,6 Milliarden US-Dollar und damit rund 64 Prozent seines gesamten Umsatzes mit Kunden in den USA. Auch die bestehende Flotte zeigt die Abhängigkeit: Rund die Hälfte der weltweit mehr als 5.100 Bombardier-Flugzeuge befindet sich in den USA. Doch ganz ohne Nebenwirkungen für die USA bliebe ein solcher Schritt auch nicht. Bombardier beschäftigt dort rund 3.500 Menschen, arbeitet mit etwa 2.800 amerikanischen Zulieferern zusammen und gibt jährlich mehr als 2,5 Milliarden US-Dollar bei US-Unternehmen aus. Zwar erfolgt die Endmontage der Jets final in Kanada, wichtige Komponenten entstehen jedoch auch in den USA.

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